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Nichtheimische Baumarten

Kurzbeschreibung
In diesem Wiki werden die eingegangenen Beiträge rund um das Thema nichtheimische Baumarten zusammengefasst. Der Aspekt der nichtheimischen Baumarten wurde bisher von sehr vielen Teilnehmenden thematisiert und diskutiert. Die Diskussionen wurden dabei häufig anhand des Beispiels der Douglasie geführt.
Beschreibung
Anteil nichtheimischer Baumarten

Das vorgeschlagene Ziel "Der Anteil nichtheimischer Baumarten (z.B. Douglasie, Roteiche) bleibt unter 20% der Gesamtfläche" wurde von einigen Nutzern kritisch diskutiert. Dabei wird bemängelt, dass die Obergrenze von 20% als Standard für den naturnahen Waldbau zu hoch sei. Dies heiße gleichsam, dass Douglasie indirekt als eine der 3 häufigsten Baumarten festgelegt werde (Gerhard Krammer). Entsprechend wird empfohlen, die Obergrenze auf 10% zu erniedrigen. Ein anderer Teilnehmer ist hingegen der Ansicht, dass bei nicht heimischen Baumarten bis zu einem Anteil von 30% stabile Mischungen erreicht werden können (Löwef).
Daneben wünschen sich einige Nutzer, dass die örtliche Gültigkeit der Obergrenze genauer definiert werden sollte. Es kommt die Frage auf, ob sich der genannte Mischungsanteil auf die Gesamtfläche oder auch auf den Einzelbestand bezieht und es wird kritisiert, dass mit dem Bezug auf die Gesamtfläche im Einzelbestand sehr viel höhere Mischungsanteile möglich würden. Ein Teilnehmer äußert den Vorschlag, die Zielformulierung auf „Der Mischungsanteil nichtheimischer Baumarten (z.B. Douglasie, Roteiche) im einzelnen Bestand bleibt unter 20%.“ umzuändern (Johannes Enssle).
Neben der Diskussion um angemessene Prozentzahlen der Baumartenanteile ist ein Teilnehmer der Ansicht, dass der Zielanteil natürlicher und naturnaher Waldgesellschaften und deren Repräsentativität nach Standorten wichtiger sein sollten als der Anteil der Baumarten (C. Bennerk). Als Vorschlag wird daher die Entwicklung eines Gesamtkonzepts angeregt, welches die großflächige und zusammenhängende Erhaltung und Entwicklung aller natürlichen und naturnahen Waldgesellschaften in den unterschiedlichen Wuchsräumen sichert.

Mischungsform nichtheimischer Baumarten

Einige Teilnehmende sind der Ansicht, dass nicht standortheimische Baumarten nur einzel- bis gruppenweise (auf Flächen >0,1ha) integriert werden sollten, wobei auch auf die Anforderungen der FSC-Zertifizierung diesbezüglich hingewiesen wird. Dabei wird z.B. eine Mischung mit Schattbaumarten empfohlen, u.a. zur Begrenzung des invasiven Potentials sowie zur Verringerung von ungünstigen Wirkungen auf den Standort. Dies könne auch positive Effekte auf die Schaftform mit sich bringen (C. Bennerk).
Dagegen hält ein anderer Nutzer 30-60m für Douglasienbeimischung als zu klein und empfiehlt eine Obergrenze von 1ha (Dr. Tobias Kühn). Ein weitere Teilnehmer merkt an, dass sich die kleinflächige Mischung auf alle Bereiche beziehen sollte, in denen nichtheimische Baumarten eingebracht oder gefördert werden. Einige Teilnehmende sprechen sich dafür aus, dass die Kriterien der FSC-Zertifizierung so angepasst werden, dass waldbaulich auf den Klimawandel reagiert werden kann (Alt-Eiche).

Pro und Contra zum Anbau von Douglasie

Für den Anbau von Douglasie werden im Wesentlichen ökonomische (sägefähiges Nadelholz, hohe Zuwächse) und klimawandel-bezogene (Anpassungsfähigkeit und Stabilität einzelner Waldbestände in klimatischen Extremlagen) Gründe genannt, wobei ein Teilnehmer der Ansicht ist, dass die Ökonomie heute weniger bedeutsam ist als die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel (Dr. Tobias Kühn).
Als weiterer Grund für den Anbau der Douglasie wird ein geringeres Sturmrisiko der Douglasie genannt (Löwef). Dem entgegen wird eine Studie (Albrecht et al., 2011) zitiert, die zu den Schlussfolgerungen kommt, dass Douglasienforste ein genauso hohes Windwurfrisiko aufweisen wie Fichtenmonokulturen (C. Bennerk). Einer anderen Meinung zu Folge hängt das Sturmrisiko bei Nadelbäumen eher von der Höhe ab, so dass das Risiko durch eine Senkung der Umtriebszeit verringert werden könnte (Vollkommener Ernst).
Nicht zuletzt wird auch angemerkt, dass der Douglasienanbau auch Tropenholzimporte ersetzen kann, was wiederum zum Schutz von Tropenhölzern beiträgt (Holzhacker).

Gegen die Einbringung von nichtheimischen Baumarten sprechen gemäß einem Diskussionsteilnehmer folgende Gründe (C. Bennerk):
- Beeinträchtigung der Integrität von natürlichen und naturnahen Ökosystemen (Veränderung von Eigenschaften wie z.B. Dynamik, Konkurrenzverhältnisse, ökologische Nischen, Standorteigenschaften)
- Risiko der Invasion in schützenswerte Biotope
- Ökonomisches Risiko in den Beständen selbst und für neue Pathogene
Daneben werden einige zu berücksichtigende Einschränkungen beim Douglasienanbau genannt. So wird z.B. darauf hingewiesen, dass im Hinblick auf den Anbau von Douglasie, je nach Baumart und Standort, angemessene Abstände eingehalten werden sollten (ein Vorschlag nennt einen Mindestabstand von 500m (Nagel)). Daneben sollten auch Pufferflächen eingerichtet werden, deren Umfang sich an der Verjüngungs- und Ausbreitungsökologie der jeweiligen Baumart am jeweiligen Standort orientiert (Johannes Enssle). Es wird zudem gefordert, dass die Douglasie in FFH-Gebieten gar nicht angebaut werden sollte, da eine Erhöhung auf bis zu 20% dort zu einer Verschlechterung führen würde.
Ein Teilnehmer weist wiederum darauf hin, dass der Anbau von Douglasie nicht auf Kosten bestehender Waldgebiete mit naturnaher Baumartenzusammensetzung, sowie von Flächen für deren Arrondierung und Vernetzung erfolgen sollte (C. Bennerk).
Ein weiterer Diskussionspunkt ist auch die geringe Nutzung der Douglasie durch heimische Tierarten (z.B. Borkenkäfer) (Jochen Müller). Hier bestehen jedoch unterschiedliche Ansichten, z.B. wird von einem Nutzer die Meinung vertreten, dass der Mittelspecht die Douglasie besser nutzen kann (Dr. Joachim Rock). Aus Sicht des Teilnehmers ist es erforderlich diese Aspekte zu quantifizieren und abzuwägen.

Douglasie als Fichtenersatz

Auch die Frage, inwiefern Douglasie als Ersatz für die Fichte fungieren kann wird kontrovers diskutiert. In diesem Zusammenhang wird auch der Aspekt der Naturnähe als unterschiedlich relevant angesehen. Während ein Nutzer der Ansicht ist, dass es in Bezug auf Naturnähe keinen Unterschied macht, ob die nicht autochthone Douglasie oder eine nicht autotochthone Fichte angebaut wird (Waldwisser), sieht ein anderer Teilnehmer die Naturnähe in diesem Zusammenhang weniger relevant als die Frage, welche Baumart der Zielerreichung dient (Dr. Joachim Rock). Gleichwohl sei eine natürliche Verjüngung der Douglasie „naturnäher“ als eine aus anderem Herkunftsgebiet stammende gepflanzte Buche.
Ein weiterer Diskussionsteilnehmer merkt an, dass Douglasie nicht als vollständiger Ersatz für Fichte anzustreben sei sondern vielmehr gemeinsam mit der Fichte eingesetzt werden sollte, um ökologische sowie ökonomische Synergieeffekte zu erzeugen (Vollkommener Ernst). Diesbezüglich kritisiert ein Nutzer, dass der Ersatz von Fichte durch Douglasie kein naturschutzfachliches sondern ein ökonomisches Motiv und dieser Ersatz ebenso wenig risikolos wie die Fichte sei (C. Bennerk). Aus diesem Grund sollte ggf. die Weißtanne bevorzugt werden. Vorteile der Weißtanne seien ihre Anpassung an die hiesigen Lebensgemeinschaften und ihre an buchendominierte Lebensräume angepassten Verjüngungseigenschaften Gemäß einem weiteren Nutzer bestehen bzgl. der Tanne jedoch Probleme aufgrund des starken Wildverbiss (Reusenberg).

Douglasie und Artenvielfalt

Während einige Teilnehmer die Meinung vertreten, dass Douglasie insbesondere in Mischung artenreiche Bestände ermöglicht, weisen andere Nutzer darauf hin, dass dieser Artenreichtum nicht durch sondern trotz der Douglasie entsteht (Jochen Müller). Weitere Teilnehmer führen den Aspekt an, dass die Douglasie als weitere Baumart auch zusätzliche Nischen bietet und damit zu einer erhöhten Artenvielfalt beiträgt (Vollkommener Ernst). Allerdings könne hierbei die Douglasie als nichtheimische Baumart nur einen geringen Beitrag liefern (Jochen Müller). Für Interessierte des Themenfelds Erhöhung der Artenvielfalt durch Baumartenvielfalt wird das Buch von Wulf Gatter „Vogelzug und Vogelbestände in Mitteleuropa“ empfohlen.


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