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Prozessschutz

Umsetzung NBS

von VolkerOppermann am 25.03.2012 | 13:47 | Kommentare: 3 |

Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (vom Bundeskabinett 7.11.2007 beschlossen,  Link soll auch in BadenWürttemberg umgesetzt werden, was sehr erfreulich ist. Ein wichtiger Teil davon ist die Umsetzung bis 2020 den Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung auf 5 % der Waldfläche zu erhöhen. Für Baden-Württemberg würden 5 % etwa 68.000 ha ergeben. Baden-Württemberg kann jedoch schon viele nutzungsfreie Bannwälder (8.855 ha), sowie eine nutzungsfreie Biosphärenreservats-Kernzone (2.645 ha) vorweisen. Auch gibt es einzelne Naturschutzgebiete, die aus der Bewirtschaftung genommen wurden und in den Prozessschutz vorgeschrieben ist.

Mit der jetzigen ernsthaften Auseinandersetzung um einen Nationalpark Nordschwarzwald, Biosphärenreservats Südschwarzwald und weitere neue Bannwälder wäre ein großer Schritt zur Erreichung der Ziele angestoßen.
Aber bis zur Erfüllung der 5 % ist noch ein weiter Weg. Da das Ziel vorrangig im öffentlichen Wald umzusetzen wäre - sind auch die kommunalen Wälder in der Pflicht und nicht nur der Landeswald. Die vorgegebenen 24.500 ha werden nicht ausreichen, um die 5 % zu erfüllen. Über 50.000 ha würden zu dem heutigen Ist benötigt, um wirklich auf 5 % des Gesamtwaldes in Baden Württemberg natürlich entwickeln zu lassen.

Wie kommt man zu solchen Flächen?
- Nationalparkkernzone (75% der NLP-Fläche)
- Bannwälder
- Biosphärenreservatskernzone (3% der BSR-Fläche)
- Naturschutzgebiete mit Prozessschutzvorgabe
- FSC-Referenzflächen im Wirtschaftswald (5% im öffentlichen Wald)

Grundsätzlich je größer die Fläche desto
- weniger einzelne Flächen werden benötigt
- geringer sind die Randeffekte (z.B. Borkenkäfer)
- höherer der Strukturreichtum und damit auch die natürliche Artenvielfalt

Abgedeckt sollte die Fläche über eine gute Mischung aus großräumigen zusammenhängenden Flächen und kleineren Trittsteinen. Das Waldrefugien-Konzept aus dem AuT  Link mag da für Trittsteine ein gangbarer Weg zu sein - wichtig ist nur:
- Flächen rechtlich als NSG oder als Bannwald absichern (Langfristigkeit, Transparenz)
- Größe sollte mind 100 ha groß sein (Effizienz bei Ausweisung, Wegesicherung, Arbeitssicherheit). FSC gibt bei der Referenzfläche für den Regelfall mind 100 ha vor, nur in Einzelfällen können Referenzflächen kleiner sein - aber nicht unter 10 ha.

Im AuT werden werden schon 1 ha große Fläche als Waldrefugium ausgewiesen. Aufgrund der Kleinflächigkeit sollte man Waldrefugien < 10 ha, sowie einzelne Habitatbaumgruppen in die Rechnung nicht mit einzubeziehen. Schließlich kann man ja einzelne Bäumgruppen nicht als "Wälder mit nätürlicher Waldentwicklung" bezeichnen. Natürliche Sukzession - beinhaltet mehr als einzelne Biotopbäume sich zersetzen zu lassen.


Schönen Gruß
Volker Oppermann

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  Kommentare
Johannes Enssle am 26.03.2012 14:33:04

Liebe Frau Stübner, hallo Eschbach,

zu Ihrer Frage erlaube ich mir auf den DBU Abschlussbericht der NW-FVA zu verweisen (Meyer et al. 2009). Dieser Bericht unterstützt die Aussagen von Volker Oppermann, zu Mindestgröße von 10 ha bzw. fordert eigentlich noch größere Gebiete von mid. 20 ha.

Ich erlaube mir aus dem Bericht die Seiten 95-96 zu zitieren:

„Kleine Flächen sollten bis zu einer bestimmten Mindestgröße erweitert werden, um die
Präsenz von Altbäumen, Totholz und anderen Elementen der Alters- und Zerfallphase
dauerhaft zu gewährleisten.
Die gefährdeten Artengruppen sind neben ihrer geringen Mobilität auch durch einen
vergleichsweise geringen Raumanspruch gekennzeichnet, sodass ein dauerhafter Bestand
von geschätzten 10 Hektar Alters- und Zerfallsphase in einem bestimmten Gebiet
ausreichend sein dürfte, um ihre Populationen zu sichern. Da der Flächenanteil der Alters- und Zerfallsphase in natürlichen Buchenwäldern bei rund 50 % liegt (Meyer & Schmidt
2008), dürfte eine doppelt so große zusammenhängende Fläche ausreichen, um diesen
Wert dauerhaft zu gewährleisten.

Vorliegende Studien zum Minimum-Strukturareal (MSA) von Buchen- und
Buchenmischwäldern bestätigen diesen Ansatz. Nach Koop (1982) liegt das MSA in den von
ihm untersuchten Waldgesellschaften (Stellario-Carpinetum, Fago-Quercetum und Milio-
Fagetum) zwischen 10 und 40 ha. Korpel (1992) stellt eine Entwicklungsselbstständigkeit in
Buchen-Urwäldern der Slowakei auf einer Fläche von 25-30 ha fest und leitet eine
Mindestgröße von 30 ha für Buchen-Naturwälder ab. Dagegen sind die MSA-Größen im
Gebirgswald offensichtlich deutlich höher (Magin 1959, Korpel 1982). Holeska (1993) gibt
eine MSA-Fläche von rund 41 ha für Buchenwälder der Karpaten an.“

Nachzulesen unter:  Link

Eschbach am 26.03.2012 12:56:19

An alle, die immer größere Prozessschutzflächen fordern:
Wo bleibt eine Gesamtbilanz der möglichen Auswirkungen von Prozessschutzflächen? Welche Arten profitieren von Prozessschutzflächen > 10 ha? Welche neuen relevanten Erkenntnisse erwartet man von neuen Prozessschutzflächen im Vergleich zu dem, was man aus den bestehenden Prozessschutzflächen bereits ableiten kann?

Moderation am 25.03.2012 18:10:41

Hallo Herr Oppermann,liebe TeilnehmerInnen,
vielen Dank für Ihren langen Beitrag. Sie schlagen eine Mindestfläche von 100 ha für nutzungsfreie Flächen vor und beziehen sich dabei auf FSC. Sind Ihnen oder anderen DiskussionteilnehmerInnen vielleicht noch weitere Quellen /Untersuchungen bekannt, die diese Forderung unterstützen bzw. die Mindestgrößen für nutzungsfreie Flächen konkretisieren?

Mit besten Grüßen,
die Moderation (Simone Stübner)

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