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Naturnaher Waldbau

Im naturnahen Waldbau ist sogar Brandenburg schon weiter

von Johannes Enssle am 15.03.2012 | 11:16 | Kommentare: 10 |

Sehr geehrter Herr Reger,

vielen Dank, dass Sie sich heute der Diskussion um die Entwürfe zur Waldnaturschutzkonzeption von ForstBW stellen.

Mir geht es zunächst um das erste Kapitel: Der Themenkomplex „naturnaher Waldbau“ ist enorm wichtig für den Waldnaturschutz, schließlich geht es hier um die Frage, nach welchen Standards der Landeswald auf rund 90 % der Waldfläche bewirtschaftet wird. ForstBW stütz sich hier auf das Konzept „naturnaher Waldbau“ von 1992 und die Dienstanweisung für die Forsteinrichtung (FED) von 2002. Beide Dokumente sind aus unserer Sicht veraltet und müssen dringend überarbeitet werden. Ziel muss es sein, auf dem überwiegend Teil der Waldfläche dauerwaldartiger Waldstrukturen aufzubauen, d.h. auf der gesamten Fläche kommen alte Bäume vor.

Die hier vorgestellten Ziele und Maßnahmen zu den Verjüngungsverfahren bei Eiche und Kiefer und zum Anbau fremdländischer Baumarten gleichen einer Rolle rückwärts im Waldbau. Statt mit der Waldnaturschutzkonzeption das veraltete Konzept „naturnaher Waldbau“ von 1992 mit Blick auf den Naturschutz weiterzuentwickeln, werden hier Maßnahmen vorgeschlagen die aus Sicht des NABU völlig inakzeptabel sind. Das Kapitel ist daher eher ein Naturschutzverhinderungskapitel statt ein Kapitel zur Förderung eines wirklich naturnahen Waldbaus. Das lässt schlechtes ahnen bezgl. der der parallel stattfindenden Überarbeitung Waldentwicklungstypen (WET).

Man fragt sich: wo möchte ForstBW hin mit dem naturnahen Waldbau? Handelt es sich doch nur um Lippenbekenntnisse wenn über naturnahen Waldbau referiert wird?

Für den Erfolg des naturnahen Waldbaus und auch für den Waldnaturschutz sind doch Themen wie die Jagd, die Einzelstammweise- bis femelartige Nutzung, bestandesschonende Erntetechniken sowie der Verzicht auf Pestizide wichtig. Ebenso die Qualifikation der Revierleiter und Waldarbeiter in waldbaulichen Fragen. Diese Themen werden aber mit keinem Wort erwähnt.

Es ist für uns völlig inakzeptabel, unter dem grünen Mantel des Artenschutzes veraltete Verfahren wie Großschirmschläge und Kahlschläge als standardverfahren des „naturnahen Waldbaus“ wieder salonfähig zu machen. Wenn es aus Gründen des Artenschutzes vereinzelt Kahlschläge geben soll, dann doch bitte als Maßnahme des Artenschutzes und nicht als legitimiertes Standardverfahren des Waldbaus.

Mit Verlaub, beim naturnahen Waldbau ist sogar das in BaWü oft belächelte Brandenburg weiter (siehe Grüner Ordner Brandenburg)!

Verzeihen Sie mir die provokante Anrede, aber als NABu sind wir wirklich enttäuscht von diesen Punkten.

Ich bin daher sehr gespannt auf Ihre Antwort!

Für den NABU:
Johannes Enssle

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  Kommentare
Moderation am 15.03.2012 15:39:33

Hallo ABL SH,

leider konnte Herr Reger Ihre etwas verspätet eingegangene Frage nicht mehr direkt beantworten. Daher hat er uns nun im Nachgang folgende Antwort auf Ihre unten gestellte Frage zukommen lassen:

„Lichtwaldarten sind ein ganz wichtiges Thema in der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz! Was Alt- und Totholzarten angeht, haben wir unsere „Hausaufgaben“ weitgehend gemacht, aber bezüglich Lichtarten sehe ich noch Entwicklungsbedarf. Ich will der weiteren Arbeit der beteiligten Arten- und Waldbauexperten nicht vorgreifen, indem ich jetzt pauschal einer bestimmten Wirtschaftsform das Wort rede. Ich bin aber sicher, dass wir aus der weiteren Expertenarbeit Vorschläge für ein modifiziertes Vorgehen erhalten werden, wenn es um die Habitatansprüche solcher Arten geht, für die wir eine besondere Verantwortung tragen.“ (Max Reger)

Mit besten Grüßen,
Britta Hartard (Moderation)

Moderation am 15.03.2012 12:38:30

Hallo ABL SH, Alt-Eiche und Johannes Enssle,
liebe Teilnehmende,
die Live-Diskussion ist leider beendet. Gerne können Sie Ihre Anregungen und Vorschläge aber im Hauptforum einstellen und dort - auch mit weiteren Nutzerinnen und Nutzern - weiter diskutieren! Hier gehts zum Hauptforum  Link

Viele Grüße,
Britta Hartard (Moderation)

Johannes Enssle am 15.03.2012 12:26:54

Hallo ABL SH (wer auch immer sich dahinter versteckt),

ich zitiere aus meinem Beitrag: "Wenn es aus Gründen des Artenschutzes vereinzelt Kahlschläge geben soll, dann doch bitte als Maßnahme des Artenschutzes und nicht als legitimiertes Standardverfahren des Waldbaus."

D.h. das Thema Lichtwaldarten und damit verbundene waldbauliche Verfahren sollte im Kapitel "lichte, offene Wälder" behandelt werden. (und das wird es ja auch). Es steht dort unter Ziel 4, Kriterium 2 explizit gesagt: "Das Ziel ist erreicht, wenn ...
2. ausgewählte Flächen als Mittelwald so bewirtschaftet werden, dass die spezifischen Lebensraumansprüche der Zielarten erfüllt sind."

Dieser Satz sollte wie folgt verbessert werden: "2. ausgewählte Flächen als Mittelwald so bewirtschaftet werden, dass die spezifischen Lebensraumansprüche der Zielarten erfüllt sind und die Populationen dieser Arten in BW gesichert sind."

D.h., das wird aus Artenschutzgründen möglicherweise auch gezielte Kahlschläge notwendig machen. Ein Freibrief für Großschirmschläge und Kahlschläge als Standardverfahren ist aus unserer Sicht jedoch nicht zu verantworten.

Ich hoffe ich konnte den Vorwurf des "Stereotyps" damit entkäften.

Alt-Eiche am 15.03.2012 12:19:46

Sehr geehrter Herr Hensle,
von einem Vertreter des NABU ich hätte mir statt eines m.E. polemischen Schnellschusses eine intensive Beschäftigung mit den Vorschlägen gewünscht! Mit der sattsam bekannten Polemik kommen Sie nicht weiter - arbeiten Sie konstruktiv mit an den Anforderungen an einen modernen Naturschutz, der die vielfältigen Anforderungen der Gesellschaft berücksichtigt.

ABL SH am 15.03.2012 12:12:41

Sehr geehrter Herr Enssle,

fällt Ihnen denn nichts anderes ein als stereotyp auf Kahlschlagsverbot und Dauerwaldwirtschaft nach den Vorstellungen des NABU als "Allheilmittel" für den Naturschutz im Wald herumzureiten? Ich darf darauf hinweisen dass die sog. "Lichtwaldarten" das größte Artenschutzproblem im Wald darstellen, und für die bedeuten Ihre kategorischen Forderungen, wenn ich das einmal genauso kategorisch formulieren darf, das Todesurteil.
Ein konkretes Beispiel: Auf der Schwäbischen Alb gibt es mit dem Blauschwarzen Eisvogel eine Schmetterlingsart, für die Baden-Württemberg bundesweit die alleinige Schutzverantwortung hat. Deren wichtigste Reproduktionshabitate sind große Lichtungen mit Massenvorkommen besonnter (das entscheidende Kriterium) Heckenkirschen-Sträucher, wie sie nur durch Sturmwürfe oder eben Kahlschläge entstehen. Solche Situationen gehören eben auch zum naturnahen Wald, denn es steht ja außer Zweifel dass der Schmetterling schon vor Beginn der von Ihnen so gegeißelten geregelten Forstwirtschaft da war.
Hieraus resultierend meine Frage an Herrn Reger:
Wäre es grundsätzlich vorstellbar, in einem solchen speziellen Fall entgegen dem insbesondere NABU-seitig propagierten Zeitgeist in einem begrenzten Gebiet aus Artenschutzgründen zur Kahlschlag-Wirtschaft zumindest bei Fichte zurückzukehren?

Corvus corax am 15.03.2012 11:36:18

Hallo Herr Enssle,
jetzt schreiben Sie wieder vom Landeswald. Es sollen aber nur 10% des Staatswaldes stillgelegt werden. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Sie mit Landeswald den Staatswald meinen und bin beruhigt, dass sich der NABU nicht auch noch über den Privat- und Kommunalwald hermacht...

Max Reger am 15.03.2012 11:32:58

Sehr geehrter Herr Enssle,
mit der Gesamtkonzeption naturnahe Waldwirtschaft haben wir was die Naturnähe unserer Wälder betrifft bundesweit einen Spitzenplatz und müssen in keiner Weise den Vergleich mit Brandenburg oder irgend einem anderen Bundesland scheuen. Wie Ihnen bekannt ist, werden wir die Gesamtkonzeption weiter entwickeln, dabei sind die Gesamtkonzeption Waldnaturschutz und die Fortschreibung der Waldentwicklungstypen zentrale Bausteine. In diesem Kontext werden wir mit Ihnen insbesondere die Verjüngungsverfahren für die Lichtbaumarten diskutieren.

Johannes Enssle am 15.03.2012 11:28:06

Wenn 10 % des Landeswaldes still gelget werden, wird auf 90 % "naturnah" gewirtschaftet. Oder sehe ich das falsch?

Corvus corax am 15.03.2012 11:25:56

Hallo Herr Enssle,
was meinen Sie mit Landeswald? Der Staatswald umfasst in Ba-Wü keine 90%. Die weit überwiegende Fläche des Waldes in Ba-Wü befindet sich in Privat- und Kommunalbesitz.

charly willson am 15.03.2012 11:25:07

Herr Enssle, was soll dieser Monolog? Fassen Sie sich im Interesse der Diskutanten kurz! Oder geht es Ihnen hier nur um Profilierung statt um konstruktiven Dialog?

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