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Forschung

Den Waldboden schützen

von Gerhard MALUCK am 28.03.2012 | 16:10 | Kommentare: 2 |

Zum Waldnaturschutz gehört m.E. auch der Schutz des Waldbodens als Grundlage allen Waldwachstums. Zwar beschäftigt sich die Abteilung „Boden und Umwelt“ der FVA (Kollege Dr. Klaus von Wilpert) mit diesem Problem, aber seine Schlussfolgerungen und Lösungsvorschläge sind m.E. noch sehr diskussionswürdig und nicht endgültig praxisreif. Und das Problembewusstsein auf der Fläche ist noch sehr lückenhaft bis gar nicht vorhanden.

Was wir Förster hier nämlich zur Zeit noch auf großer Fläche und in großem Stil betreiben, ist moderne Streunutzung übelster Sorte: Nicht nur, dass bei Vollernter-Einsätzen das wertvolle Reisig- und Nadelmaterial dem Waldbestand entzogen und auf den Rückegassen gnadenlos untergepflügt wird. Jetzt wird auch noch bei der Starkholz-Ernte das gesamte Kronenmaterial an den Weg gezogen (und dabei die Verjüngung glatt gebürstet!), und anschließend für ein paar Euro (kostendeckend? nach zutreffender Maßermittlung??) buchstäblich verheizt! Das ist Raubbau an der Natur, liebe Freunde! Das sieht auch der Kollege von Wilpert so, aber hört ihm einer aufmerksam zu? Zieht jemand Konsequenzen? Und sein Vorschlag und seine Absicht, die bei ihrer Entstehung sorgsam überwachte Verbrennungs-Asche von ebenso sorgsam überwachten und zertifizierten Unternehmen alle 65 Jahre (!!) sorgsam dokumentiert in den Wald zu blasen?? Hält das der nüchternen Praxis-Wirklichkeit stand? Wo heutzutage die Forsteinrichtungswerke aus Gründen des Personalmangels und der „Wirtschaftlichkeit“ schon nicht mal mehr einen Textteil zum „Dokumentieren“ enthalten?

Hier gibt's noch viel zu forschen und zu tun, bzw. zu lassen, meine ich.

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  Kommentare
Horst am 28.03.2012 19:02:09

Zu den Rückegassen muss noch gesagt werden, dass sie Eintrittspforten in das Waldesinnere für ruderale Arten, die normalerweise auf dem Waldboden keine Chance hätten zu wachsen. Einerseits kommt dass durch Einschleppen von Diasporen über die Räder der Erntemaschinen, andererseits durch die massiven Störstellen aufgrund der Radspuren der Maschinen. Ich habe selbst schon mehrfach den Schmetterlingsflieder im Waldesinnern gesehen an ökologisch relativ sensiblen Stellen, der über Rückegassen eingedrungen ist.

Dr. Tobias Kühn am 28.03.2012 18:01:28

Lieber Herr Maluck,

ich verstehe Ihre Sorge. Bzgl. des Vollerntereinsatzes sehe ich wenig Alternativen, es sei denn die Befestigung aller Rückegassen auf nicht tragfähigen Standorten (die Alternative alles von Hand zu hauen lasse ich aus sozialen Gründen einmal außer Acht, es ist Knochenarbeit!). Das ist kostspielig, auf lange Sicht aber wahrscheinlich sinnvoll. Die neue Landesregierung hat ein Herz für die Ökologie, heißt es, daher wird sie sicher die erforderlichen Mittel bereitstellen.
Bzgl. des Hackens von Kronenmaterial teile ich Ihre Einschätzung. Infrage kann nur Material kommen, das von befestigten Wegen aus erreichbar ist und dessen Gewinnung die Naturverjüngung nicht schädigt.
Die Rückführung der Holzasche sehe ich nicht so skeptisch - bei uns wird das schon praktiziert.

Schöne Grüße ins Oberland!

TK

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