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Naturnaher Waldbau

Klimawandel und heimische Waldgesellschaften

von C. Bennerk am 23.03.2012 | 15:51 | Kommentare: 0 |

Klimawandel als solcher ist zwar naturgeschichtlich für unsere Waldökosysteme kein grundsätzliches Novum. Geschwindigkeit und Ausmaß der prognostizierten Klimaveränderung stellen aber die Forstwirtschaft und den Naturschutz vor neue Herausforderung. Grundsätzlich erscheint das Leitbild einer konsequent naturnahen Waldwirtschaft als angemessene Antwort auch auf diese Herausforderungen. Hierzu sind folgende Punkte hervorzuheben:

1. Klimawandel und heimische Waldgesellschaften

Die heimischen Waldgesellschaften sind überwiegend eng verzahnt, weisen fließende Übergänge auf und enthalten aufgrund der Klimageschichte sowie des nacheiszeitlichen Rückwanderungsverlaufs kontinental, atlantisch und submediterran geprägte Baumarten. Mit ca. 50 heimischen Baumarten (1. Ordnung 21, 2. Ordnung 19 und 3. Ordnung 10) ist Mitteleuropa im Verhältnis zu seiner Fläche und seinem Breitengrad baumartenreich. Um die 35 Baumarten (1. Ordnung 15, 2. Ordnung 14 und 3. Ordnung 6) sind davon in Niedersachsen heimisch. Dazu kommen ca. 118 strauchige Gehölzarten in Mitteleuropa, von denen ca. 72 Arten in Niedersachsen heimisch sind. Insbesondere Wälder mit Mikro- und Makrorelief weisen unterschiedliche Kleinklimate auf und zeigen Bestandsadaption in einem abwechslungsreichen Raum- und Zeitgefüge. Sie sind damit von Natur aus klimaplastisch.

2. Erhaltung und Aufbau klimaplastische Wälder

Konsequent naturnaher Waldbau fördert diese natürliche Klimaplastizität und nutzt die genetische Breite der mitteleuropäischen Baumartenpopulationen durch konsequente Naturverjüngung und Förderung aktuell seltener Nebenbaumarten mit Klimapotential. Außerhalb von Wäldern in natürlicher Entwicklung dürfte im Regelfall ein mehrstufiger Dauerwald mit plenter- und femelartiger Strukturierung einschließlich vereinzelter Lochhiebe das Höchstmaß sowohl für Stabilität als auch für Anpassungsfähigkeit des Ökosystems bieten. Der konsequent naturnahe Waldbau schafft damit die Voraussetzung für einen nachhaltigen (Wert)Holzertrag und ist beste Risikovorsorge im Klimawandel.

3. Mögliche Verschiebung der Wachstumsgrenzen von Waldgesellschaften

Falls der Klimawandel zukünftig im „Worst-Case-Szenario“ zu einer deutlichen Verschiebung der Wachstumsgrenzen von Waldgesellschaften führen sollte, könnte im begründeten Einzelfall eine „assistierte Migration“ über künstliche Verjüngung erwogen werden, um die Anpassungsfähigkeit und Stabilität von Waldbestände in klimatischen Extremlagen zu erhöhen. Schutzgebiete und FFH-LRT wären davon auszunehmen. In Frage kämen submediterane Gehölzarten: Quercus cerris, Q. pubescens, Q. frainetto, Juglans regia, Castania sativa, Ostrya carpinifolia, Carpinus orientalis. Acer monspessulanum, A. opalus, Fraxinus ornus, Tilia tomentosa, Abies cephalonica, Abies borisii-regis u.a.. Den Rahmen müssten wissenschaftlich dokumentierte Versuchsreihen und Studien bieten.
Dagegen kann der Anbau einzelner, vermeintlich zunächst ökonomisch attraktiver, massenwüchsiger Baumarten von anderen Kontinenten keine als Ökosystem funktionierenden, komplexen Waldgesellschaften ersetzten und wird sich daher mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit als kontraproduktiv erweisen.

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