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Naturnaher Waldbau

Ziel 1 stellt eine naturschutzfachliche Verschlechterung des status-quo dar

von Johannes Enssle am 19.03.2012 | 21:23 | Kommentare: 1 |

Zu Ziel 1: Der Anteil nichtheimischer Baumarten (z.B. Douglasie, Roteiche) bleibt unter 20% der Gesamtfläche.

Hier muss klar unterschieden werden zwischen dem Mischungsanteil fremdländischer Baumarten im Einzelbestand auf der einen, und dem Anteil fremdländischer Baumarten an der Gesamtfläche auf der anderen Seite.

Ein Mischungsanteil von 20 % nicht heimischer Baumarten würde bedeuten, dass in einem Bestand jeder fünfte Baum eine Douglasie oder eine Roteiche sein kann. Soweit so gut. Auch der NABU schreibt in seinem bundesweiten Strategiepapier ‚Waldwirtschaft 2020‘: „Nicht standortheimische Arten können in einem gewissen Umfang in naturnahe Bestockungen integriert werden, wenn sie verjüngungs-ökologisch zusammenpassen und keine standortheimischen Arten verdrängt werden.“

Diese Art der bestandesbezogenen Beimischung ist mit der Formulierung des Ziel Nr. 1 der Waldnaturschutzkonzeption aber nicht gemeint.

Gemeint ist jedoch, den Anteil fremdländischer Baumarten an der Gesamtfläche — unabhängig von bestandesweisen Mischungsanteilen — auf 20 % zu erhöhen. Im Staatswald von BW liegt der Douglasienanteil derzeit bei 3 % (im Gesamtwald bei 4 %). D.h. eine Erhöhung auf 20 %, würde eine Verfünfachung (5x) des heutigen Douglasienanteils im Staatswald bedeuten! Dies erscheint doch recht hoch gegriffen und ist allein mit der Anpassung an den Klimawandel nicht zu begründen.

Mit der Formulierung „20 % an der Gesamtfläche“ wird zudem ermöglicht, dass es Bestände gibt, die zu 100 % aus standortheimischen Baumarten bestehen und Bestände die zu 50-100 % aus Douglasien oder Roteichen bestehen, jedenfalls so lange, wie der Gesamtanteil der Douglasien und Roteichen an der Waldfläche des Betriebes unter 20 % bleibt. Dieses Szenario ist für den Naturschutz aber nicht akzeptabel! Es widerspricht im Übrigen auch dem FSC-Standard sowie gängigen Leitbildern des naturnahen Waldbaus. Es widerspricht sogar der Definition eines naturnahen Waldes nach LWaldG. Dort heißt es in der Anlage zum LWaldG: „Als naturnahe Wälder werden Wälder bezeichnet, deren Baumschicht weitgehend aus standortheimischen Baumarten besteht und die eine weitgehende Übereinstimmung von Standort, Waldbestand und Bodenvegetation aufweisen.“

Das Ziel Nr. 1 der Konzeption stellt aus Naturschutzsicht eine wesentliche Verschlechterung der Ist-Situation dar. Die Formulierung „Der Anteil nichtheimischer Baumarten (z.B. Douglasie, Roteiche) bleibt unter 20% der Gesamtfläche.“ ist nicht nur für den NABU inakzeptabel, sondern widerspricht auch der Definition eines naturnahen Waldes nach LWaldG und ist nicht mit der geplanten FSC-Zertifizierung kompatibel.

Es wird daher folgende Formulierung vorgeschlagen: „Der Mischungsanteil nichtheimischer Baumarten (z.B. Douglasie, Roteiche) im einzelnen Bestand bleibt unter 20%.“

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  Kommentare
Gerhard Krammer, Dipl.-Biol. am 22.03.2012 14:12:07

In der Tat ein deutlicher Sprung, von derzeit 3% Douglasie auf dann mögliche 20%!
Wenn dies aus okonomischen Gründen so notwendig sein sollte, dann bitte separat begründen, ansonsten sollte hier im Rahmen des ´ntaurnahen Waldbaus´ eine neue Obergrenze von 5% (oder allerhöchstens 10%) doch wirklich ausreichen, oder?
Und wie in anderen Teilen dieses Forums bereits ausgiebig diskutiert, das Ziel Klimastabilität kann auch mit einheimischen Baumarten erreicht werden, sie müssen nur eine Chance kriegen!

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