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Naturnaher Waldbau

Kahlschläge konsequent verbieten

von Greenpeace am 30.03.2012 | 15:59 | Kommentare: 2 |

ForstBW:
Ziel 2 (Was soll erreicht werden?)
Lichtbaumarten werden durch vielfältige Waldbauverfahren und die Nutzung von Störungsflächen mit einem Anteil von mind. 15% (dabei mind. 10% Laubbäume) an der Baumartenzusammensetzung beteiligt.

Greenpeace: WARUM? FALSCHE ZIELSETZUNG! Auf Störungsflächen werden sich Lichtbaumarten von selbst einfinden, dazu braucht man keine statisch festgelegten Prozentsätze! Eine statische Prozentvorgabe bringt die Betriebe in Zugzwang und zwingt sie, Lichtbaumarten auch dort einzubringen (bzw. entsprechende Lichtverhältnisse auch dort zu schaffen!), wo der Wald in einem völlig anderen Sukzessionsstadium ist!

ForstBW:
Kriterien (Wann ist das Ziel erreicht?)
Das Ziel ist erreicht wenn,
1. das angestrebte Baumartenverhältnis auf standörtlicher Grundlage unter Berücksichtigung der Risiken des Klimawandels für den gesamten Staatswald überarbeitet und den Lichtbaumarten mindestens 15% der Gesamtfläche zugewiesen ist

Greenpeace: FALSCHES ZIEL, hier wird die "Berücksichtigung des Klimawandels" wieder vorgeschoben!

ForstBW:
2. dabei mind. 10 % auf Laubbaumarten entfallen, vor allem auf Eiche und deren Licht liebende Begleitbaumarten (z.B. Kirsche, Elsbeere, Speierling) und Pioniere (z.B. Birken, Weiden, Erlen, Eberesche),
Umsetzung (Wie kann das Ziel erreicht werden?)

Maßnahmen
- Einsatz vielfältiger Waldbauverfahren und Nutzung von Störungsflächen zum flächigen Erhalt von Lichtbaumarten (v.a. Eiche (Schirmschlag) , Kiefer (Kleinkahlschlag) und deren Begleitbaumarten); Bevorzugung von Naturverjüngung

Greenpeace:
VORSICHT! Dies ist ein Freifahrtschein unter „dem Einsatz vielfältiger Waldbauverfahren“ Kahlschläge zu rechtfertigen. Kahlschlagverfahren sollten im öffentlichen Wald nicht nur tabu sondern verboten werden! Die Nutzung kleinflächiger natürlicher Störungsflächen für die Förderung von Lichtbaumarten reicht völlig aus!

ForstBW:
- Verlängerung des Verjüngungszeitraums von Beständen im waldbaulich vertretbaren Maße bei regional unausgewogener Altersstruktur, wenn die Anteile naturschutzfachlich wertvoller Alteichenbestände zeitweise stark abzunehmen drohen

Greenpeace:
Auch hier ist Vorsicht geboten! Was bedeutet das konkret?


ForstBW:
Diskussionspunkt e und Fragen für die Online-Beteiligung
• Welchen naturschutzfachlichen Mehrwert bzw. welche naturschutzfachliche Beeinträchtigung sehen Sie durch den Einsatz solcher vielfältiger Waldbauverfahren und Nutzung von Störungsflächen zum flächigen Erhalt von Lichtbaumarten?

Greenpeace:
Mit der Umschreibung „vielfältiger Waldbauverfahren“ werden Kahlschläge nicht ausgeschlossen. Diese sollten vor allem im öffentlichen Wald nicht nur tabu, sondern verboten sein. Auch die Umwandlung wertvoller alter Buchenwälder in Eichensaat- oder -pflanzflächen wird mit der genannten Zielsetzung nicht ausgeschlossen, sondern kann damit sogar gerechtfertigt werden! Dies ist weder sinnvoll noch akzeptabel!
Die Festlegung eines festen prozentualen Anteils von Lichtbaumarten bringt die Betriebe in starken Zugzwang. Der Anteil der Lichtbaumarten in den Betrieben sollte sich vielmehr an den standörtlichen Gegebenheiten der Betriebe und der potenziell natürlichen Vegetation orientieren! Die Nutzung von natürlichen Störungsflächen für den Erhalt der Lichtbaumarten sollte völlig ausreichen um einen sinnvollen Anteil von Lichtbaumarten in den Betrieben zu erhalten.

ForstBW:
• Wie kann dieser Mehrwert bzw. Beeinträchtigung belegt werden?
• Welches sind geeignete Leit- oder Charakterarten für diese vielfältigen Waldbauverfahren insbesondere in der Verjüngungsphase solcher Eichen-/ Kiefernwäldern?

Greenpeace:
Die s ist stark von den standörtlichen Gegebenheiten (Böden, Niederschlag….) abhängig und sollte im Einzelfall und nicht pauschal für ein ganzes Bundesland geregelt werden!

Forst BW:
• Welche Rolle und welches Potenzial für den Artenschutz, Biotopschutz, Biotopverbund, Landschaftsbild und landschaftsgeprägte Erholung haben solche vielfältigen Waldbauverfahren?

Greenpeace:
Diese Frage ist undifferenziert gestellt und die Beantwortung daher nicht möglich. Die Bandbreite der vorgestellten waldbaulichen Verfahren vom „Kleinkahlschlag“ bis hin zum Schirmschlag… zur Nutzung natürlicher Störflächen etc… ist groß. Daher ist die Auswirkung der angewandten Verfahren nicht nur auf Artenschutz und Landschaftsbild völlig unterschiedlich sondern auch abhängig von der Ausgangssituation: Auch die Umwandlung von Fichtenforsten in Laubwälder wirkt sich auf das Landschaftsbild aus, kann aber aus ökologischer Sicht (je nach Standort) trotzdem sinnvoll sein….Grundsätzlich sollten sich waldbauliche Verfahren an der natürlichen Dynamik der Wälder orientieren.

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  Kommentare
S.Kick am 30.03.2012 18:49:07

Hallo Greenpeace,
ein Kahlschlag kann sogar aus Artenschutzgründen total richtig sein, vorausgesetzt der Verstand wurde vor der Motorsäge eingeschaldet.Beim Rest bin ich im großen und ganzen bei Ihnen dabei.

Herr Dr. Kühn, ja Sie können die Störflächen nbehandelt lassen, Sie haben die Möglichkeit die Flächen auszubuchen bzw bekommen das Geld aus Ihrem Naturschutztopf.
Grüße S.Kick

Dr. Tobias Kühn am 30.03.2012 17:16:58

Liebe/r/s Greenpeace,

ab wann ist ein Kahlschlag ein Kahlschlag? Reden wir über 0,5 Hektar oder über 5 Hektar?
Antwort: 0,5 Hektar sicher nicht, 5 Hektar sicher ja.

Ist es ein Kahlschlag, wenn ein Altholz über gesicherter Verjüngung geräumt wird?
Antwort: sicher nicht!

Soll jede Störungsfläche unbehandelt bleiben? Wer bezahlt den Nutzungsverzicht? Niemand? Ja, dann wird gepflanzt, ist doch klar!

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