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Naturnaher Waldbau

Die Douglasie und FSC

von Elmar Seizinger am 05.03.2012 | 16:01 | Kommentare: 21 |

Die Einbringung nicht heimischer Baumarten ist im FSC-zertifizierten Wald (also auch bald in ForstBW)nur in soweit möglich, als dass diese nur einzel-bis gruppenweise eingebracht werden können. Die hier dargestellte Planung geht von der Einbringung bis Horstgröße aus.
Es ist auch zu beachten, dass Anteile >20% an nicht-heimischen Baumarten auf Bestandesebene/je Behandlungsebene begründet werden müssen.

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  Kommentare
Elmar Seizinger am 27.03.2012 13:14:47

Aus meiner Sicht ist der Unterschied zwischen Fichte und Douglasie wenig relevant. Beides Mal handelt es sich auf den allermeisten Standorten um nicht-standortsheimische Baumarten. Die waldbauliche (ökonomische) Zielsetzung sich auflösende Fichtenbestände durch Douglasien zu ersetzen ist nachvollziehar. Aus der Sicht des Waldnaturschutzes aber nicht befriedigend. Entsprechende Fichtenbestände sollten durch standortsheimische Baumarten ersetzt werden. Ziel Annäherung an die natürliche Waldgesellschaft auch bezüglich Struktur und Dynamik.
FSC und Douglasie: Die skizzierte FSC-Regelung bezieht sich auf die EINBRINGUNG. In Freiburg war zur Zeit der FSC-Zertifizierung die Douglasie schon da, seither verjüngt sie sich hier natürlich (übrigens zumeist in Mischung mit standortsheimischer Buche).

Alt-Eiche am 20.03.2012 23:12:03

Falls die FSC-Richtlinien so eng ausgelegt werden wie es Elmar Seizinger vorgibt (wobei im Stadtwald Freiburg offensichtlich andere Maßstäbe gelten?), sollte sich das Land gründlich überlegen, ob eine FSC-Zertifizierung bereits jetzt sinnvoll ist. Es böte sich an bis zur nächsten Überarbeitung der Richtlinien abzuwarten, bei der das Land als großer Waldbesitzer darauf drängen kann die Kriterien so festzulegen sind, dass waldbaulich auf den prognostizierten Klimawandel reagiert werden kann.

Gast am 20.03.2012 14:56:47

Näheres zur Erhöhung der Artenvielfalt durch Baumartenvielfalt findet man am besten in Wulf Gatters Buch "Vogelzug und Vogelbestände in Mitteleuropa".
Die Vogelbestände in Douglasien habe ich selber mal kartiert mit dem Ergebnis,daß zwar fast alle Arten eines vergleichbaren Fichtenbestandes vorhanden waren, sie aber in den Douglasien nur halb so häufig vorkamen - ich vermute aufgrund des angesprochenen Nahrungsmangels.

Vollkommener Ernst am 19.03.2012 21:29:56

Haben Sie dazu eine Quelle, die von der solitären Betrachtung abweicht (Bestandesebene oder besser noch Region)? Würde mich interessieren - habe da leider wenig bis nichts Belastbares gefunden.
Wenn bspw. Roteichenpflanzungen Relikte des Waldbaus ersetzen sollen, ist das sicher kritisch, lenkt aber von der eigentlichen Ursache ab: Auch Mittelwaldeichen sind irgendwann fällig. Ein entsprechendes Schutzprojekt wurde ja hier schon vorgestellt...

Jochen Müller am 19.03.2012 20:20:11

Grundsätzlich sehe ich das genauso - die forstliche Kulturlandschaft mit ihrer Baumartenvielfalt führt auf jeden Fall zur Erhöhung der Artenvielfalt (da kann man durchaus Parallelen zur in der Feldflur gepflegten Kulturlandschaft ziehen). Durch das vielfältigere Angebot an Baumsamen und die verschiedenen Wirtstiere der einzelnen Baumarten verbessert sich auch das Nahrungsangebot für Waldvögel und Säugetiere. Die Fremdländer können in diesem System aber offensichtlich im Vergleich mit allen europäischen Baumarten nur den geringsten Beitrag liefern.

Vollkommener Ernst am 19.03.2012 16:20:06

Die zu erwartende Diversitätserhöhung leite ich aus einem einfachen biologischen Dogma ab: Eine höhere Anzahl an ökologischen Nischen diversifiziert die Artenausstattung einer Region. Die Douglasie bietet eine zusätzliche Nische, wie aus der angegebenen Literatur ersichtlich - auch wenn sie nur sehr wenige Rote Liste-Arten zu beheimaten scheint. Die Artenanzahl folgt der Nischensumme positiv. Inwiefern das auch für die Roteiche zutrifft, kann ich ad hoc nicht sagen, da ich keine Literatur dazu kenne. Es ist aber auch möglich, dass das schwer zu zersetzende Laub dieser Art für die Nischen vernichten, nämlich dann, wenn diese Baumart nur auf Standorten angebaut wird, deren Nischen quantitativ einzigartig sind.

Moderation am 19.03.2012 14:52:33

Hallo Vollkommener Ernst,

vielleicht mögen Sie uns noch etwas mehr zu der von Ihnen genannten zu erwartetenden Diversitätserhöhung durch regionale Mischung von Douglasie und Fichte erzählen? Welche konkreten Beispiele kennen Sie?
Ist die als Zielvorschlag vorgestellte Mischungsvorstellung bei der Douglasie ("Der Anteil nichtheimischer Baumarten (z.B. Douglasie, Roteiche) bleibt unter 20% der Gesamtfläche."  Link enucontext=&id_authorview=6 ) aus Ihrer Sicht praxis- und naturschutzgerecht?

Viele Grüße,
Britta Hartard (Moderation)

Vollkommener Ernst am 19.03.2012 12:07:59

Hallo!

Ob die Douglasie als Solitär "naturnäher" als die Fichte ist, ist im Hinblick auf die Vieldeutigkeit des Begriffs so m. E. n. nicht zu beanworten (s. Kommentar unten).
Was aber unstrittig sein dürfte - und hier auch schon wieder vergessen wird - ist, dass eine regionale (!) Mischung der Baumarten Douglasie und Fichte zu einer höheren Artendiversität führen wird (dazu reicht ein Blick in In: Neobiota 5, 2004, 324 S.). Ebenfalls unstrittig sind die im Vergleich zur Fichte "wohltuenden" Eigenschaften der Streu, deren Potential es auf einzelnen historisch belasteten Standorten bei vorgebenem Zielsystem (z.B. "Stabilisierung des Nadelholzanteils") zu nutzen gilt.
@ Jochen Müller: Der Fichtenanteil an Baden-Württembergs Wäldern ist doch eindrucksvoll genug. Buntspechte sind sicherlich nicht durch einen Fichten-Douglasien-Ersatz gefährdet, sondern vielmehr durch andere waldbauliche Methoden - hier greift das AuT...

Eine letzte Anmerkung: im Gegensatz zu anderen Neophyten lassen sich Baumarten (zumindest die k-Strategen wie die Dgl) sehr schnell dezimieren. Etwaige angestoßene Prozesse lassen sich daher wieder umkehren, wenn das Zielsystem gefährdet ist.

Die Diskussion muss meiner Meinung nach weg von der irreführenden Ansicht, dass es hier um einen vollständigen Ersatz von Fichten durch Douglasien geht. Diese Baumarten können ZUSAMMEN Synergieffekte sowohl in ökologischen als auch ökonomischen Bereichen erzielen.

Jochen Müller am 14.03.2012 20:46:28

In meinem Revier gibt es einige Mittelspechte und viele Douglasien, aber ich habe die beiden noch nie zusammen gesehen.
Aus den genannten Gründen halte ich es auch für erforderlich, den Anteil fremdländischer Baumarten flächenmäßig zu begrenzen, insgesamt allerdings und nicht so päpstlich auf Kleinflächen.

Dr. Joachim Rock am 14.03.2012 17:37:14

Das ist ein Abwägungsproblem. Die Douglasie mag weniger Borkenkäfer für Buntspechte enthalten, dafür hat sie mit ihrer groben Borke z. B. dem Mittelspecht etwas mehr "anzubieten". Diese und andere Aspekte müßten quantifiziert und abgewogen werden. Die Douglasie ist zudem nicht völlig steril und auch Borkenkäfer werden sich diese neue Nahrungsquelle erschließen.

Jochen Müller am 14.03.2012 10:59:46

Das Problem ist die geringe Nutzung der Douglasie durch einheimische Tierarten. Das sieht man am deutlichsten bei den Schädlingen wie Borkenkäfern etc., wo die Douglasie im Vergleich zur Fichte relativ unbehelligt ist. Das ist zwar ein forstwirtschaftlicher Vorteil, aber genauso ein Nachteil für Waldarten wie z.B. den Buntspecht, der an der Fichte Borkenkäfer fressen kann, an der Douglasie aber nicht. Hier liegt auch der Unterschied zwischen der geringen Entfernung der Fichte von ihren natürlichen Vorkommen, über die sie ihre Begleitfauna mitnehmen konnte - im Gegensatz zu der fern von ihren unsprünglichen Vorkommen auf einem anderen Kontinent angebauten Douglasie.

Dr. Joachim Rock am 13.03.2012 23:39:40

Auch wenn ich jetzt Schläge bekomme:

"Naturnähe" ist in diesem Zusammenhang ein m. E. irreführender Begriff, da als "Natur" ein Zustand eines Systems angesehen wird, in dem ständige Dynamik herrscht, anthropogen und "natürlich". Hieraus einen Teilausschnitt als Bewertungsgrundlage heranzuziehen halte ich persönlich für problematisch und wenig zielführend, da dies zu leicht eine rein museale Orientierung erhält.

Die Frage ist also nicht: "Welche Baumart ist naturnäher?", sondern "Welche Baumart hat in Bezug auf den gestellten Zielkanon den höchsten Erfüllungsgrad?".

Außerdem, als Beispiel: Verjüngt sich Douglasie natürlich ist das als Prozess genau so "natürlich" wie die Verjüngung von "standortheimischen" Baumarten und kann als ortsbürtige Verjüngung sehr viel "naturnäher" - weil den Selektionsprozessen vor Ort unterworfen - sein als die aus einem anderen Herkunftsgebiet "eingeschleppte" gepflanzte Buchenherkunft.

MfG

Moderation am 13.03.2012 19:23:28

Hallo Waldwisser,vielen Dank für Ihre Anmerkung.

Liebe TeilnehmerInnen,
wie beurteilen Sie die Anmerkung, dass zwischen Fichte und Douglasie bezüglich der Naturnähe auf vielen Standorten in Baden-Württemberg ein nur geringer Unterschied besteht?
Beste Grüße
Simone Stübner, Moderation

Waldwisser am 13.03.2012 17:36:05

Wenn die Douglasie als Ersatz für Fichtenanteile in die Wälder Baden-Württembergs eingebracht wird dürfte es vom Standpunkt der Naturnähe diesbezüglich irrelevant sein, denn ob die nicht autochthone Fichte (Entfernung vom natürlichen Verbreitungsgebiet zwischen 50 und 200 km) oder die ebenso nicht autochthone Douglasie (Entfernung vom natürlichen Verbreitungsgebiet

Jochen Müller am 13.03.2012 10:37:40

Hallo Herr Dr. Kühn,

der Mischwald ist immer artenreicher und auch bei der Douglasie anzustreben, wobei das nicht einfach ist, wie man bei den meisten Douglasienbeständen im Land sieht. Der "Artenreichtum" kommt dann aber eher nicht durch, sondern trotz der Douglasie - eben durch die Mischung. Das ist meiner Meinung nach auch in Ordnung, nur finde ich sollte man die Douglasie nicht für ihren Artenreichtum empfehlen.

Dr. Tobias Kühn am 13.03.2012 10:19:21

Hallo Herr Müller,

die Freiburger Douglasienbestände stammen aus einer Zeit, als Mischwälder nicht immanentes Betriebsziel waren. Sowohl Douglasie in Einzelmischung als auch in kleinbestandsweiser Mischung ermöglichen sehr wohl artenreiche Bestände. Es "kommt eben drauf an, was man draus macht"!

Jochen Müller am 13.03.2012 9:51:30

Hallo Holzhacker,
die wirtschaftlichen Vorteile der Douglasie stehen sicher außer Zweifel. Aber "artenreiche Douglasienwälder" habe ich noch nicht gesehen, leider ist das Gegenteil der Fall. Oder was für Arten gibt es in den Freiburger Douglasienwäldern außer Douglasie?
Viele Grüße
Jochen Müller

Holzhacker am 12.03.2012 17:46:05

Wann ist ein Fremder integriert?
Nach Jahrzehnten (Jahrhunderten)ohne Probleme?
Wer z.B. die artenreichen Douglasienwälder rund um Freiburg kennt, muß von dieser Baumart begeistert sei. Dies sieht auch FSC so und duldet bei der Stadt Freiburg einen höheren Douglasienanteil (oder liegt es daran, dass FSC die Beiträge des großen Waldbesitzers gerne selber einstreicht und nicht an PEFC verlieren will?)
Die Holzeigenschaften der Douglasie können mit denen vieler Tropenhölzer mithalten und dadurch Tropenholzimporte ersetzen. Douglasienanbau in Deutschland ist daher gleichzeitig Schutz von Tropenhölzern. Sonst bleibt nur Holz durch Plastik zu ersetzen.

Moderation am 08.03.2012 19:04:34

Hallo wald-rap,

wie beurteilen Sie den Umgang mit nichtheimischen Baumarten im Zusammenhang mit der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz? Welche Rolle sollte Ihrer Meinung nach z.B. die Douglasie zukünftig einnehmen? Und warum?

Viele Grüße,
B. Hartard (Moderation)

wald-rap am 08.03.2012 16:39:07

Liebe waldeule,

die Mär von der "heimischen" Douglasie ist doch wirklich überholt; nur weil eine vergleichbare Gattung hier voreiszeitlich nachgewiesen ist, sprechen wir doch nicht von derselben Art.
Sie halten das Spitzmaulnashorn doch auch nicht für eine heimische Art, nur weil hier einstmals Wollnashörner vertreten waren?

waldeule am 05.03.2012 18:23:25

Herr Dr. Bollmann, die Douglasie war in Europa vor der letzten Eiszeit heimisch, der Begriff nichtheimisch ist von daher fraglich - die Begrenzung ebenso. Die FSC-Begrenzung sollte von daher in dieser Form verändert werden, dies auch im Hinblick auf die standörtliche Variationsbreite/Klimaänderung.

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