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Naturnaher Waldbau

Naturnaher Waldbau sollte sich an der pnV orientieren

von Greenpeace am 30.03.2012 | 15:43 | Kommentare: 2 |

ForstBW: Naturnaher Waldbau definiert sich über
• eine am natürlichen Standortswald orientierte Baumartenwahl

Greenpeace: FALSCH! Ein naturnaher Waldbau sollte sich an der potenziell natürlichen Vegetation und nicht am Standortswald orientieren!

ForstBW: Naturnaher Waldbau berücksichtigt in einem integrativen Ansatz Naturschutzziele auf der ganzen Waldfläche.

Greenpeace: Neben dem integrativen Ansatz, Naturschutzziele auf der ganzen Fläche umzusetzen müssen im öffentlichen Wald gemäß der von allen Fraktionen verabschiedeten Nationalen Biodiversitätsstrategie 10% der Fläche bis 2020 aus der Nutzung genommen werden. Nur so kann Deutschland seiner internationalen Verantwortung für den Arten- und Klimaschutz nachkommen!

ForstBW: Der Anteil nichtheimischer Baumarten (z.B. Douglasie, Roteiche) bleibt unter 20% der Gesamtfläche.

Greenpeace: Nicht akzeptabel! FALSCHE ZIELSETZUNG!

ForstBW: Kriterien (Wann ist das Ziel erreicht?)
Das Ziel ist erreicht wenn,

1. für den Staatswald die Überarbeitung des angestrebten Baumartenverhältnisses auf standörtlicher Grundlage unter Berücksichtigung der Risiken des Klimawandels vorliegt

2. im Rahmen der periodischen Erhebung der aktuellen Mischungsanteile und Flächen (Forsteinrichtung) nachgewiesen ist, dass der Anteil von 20% nichtheimischer Baumarten nicht überschritten wird.

Greenpeace: Dann kann es bereits zu spät sein. Diese Regelung ermöglicht es, den Anteil fremdländischer, nicht standortsheimischer Baumarten auf 20% zu erhöhen- diese werden sich in der Zukunft aber weiter reproduzieren und ggf. die natürlichen Waldgesellschaften umwandeln/ gefährden!

ForstBW: Maßnahmen
- Keine Erhöhung der Douglasienanteile auf Kosten der Laubbaumfläche (landesweite Bilanz)

Greenpeace: überhaupt keine Pflanzung von Douglasien! Die weitere Ausbreitung der Douglasie auch in Laubwaldgebiete kann nicht verhindert werden!

ForstBW:
- Douglasie als eine Alternative für den Ersatz klima- oder standortslabiler Fichte (neben Eiche, Buche oder Bergmischwäldern).
- Kein Einbringen von Douglasie im Umfeld von Lebensraumtypen (Natura 2000) bzw. Biotopen, in welchen sie invasiv werden kann (Blockhalden, Schutthalden, trockenwarme Sonderstandorte).
- Keine aktive Erhöhung der Anteile nichtheimischer Baumarten in naturschutzrelevanten Flächen (z.B. Schonwälder, Naturschutzgebiete, geschützte Waldbiotope); Reduktion von unerwünschten nicht heimischen Baumarten, wo nötig und sinnvoll im Zuge der Pflege

Greenpeace:
Wenn die nichteinheimischen Baumarten in „naturschutzrelevanten Flächen“ nicht erwünscht ist, dann darf man sie auch in den umliegenden Gebieten nicht einbringen! Die Ausbreitung kann nicht verhindert werden

ForstBW:
Diskussionspunkte und Fragen für die Online-Beteiligung
• Ist der Anteil der nicht standheimischen Baumarten unter Berücksichtigung des Klimawandels und der wirtschaftlichen Situation des Betriebes zu gering oder aus Gesichtspunkten des Waldnaturschutzes zu hoch?

Greenpeace: Der Anteil ist viel zu hoch und absolut nicht akzeptabel! Der öffentliche Wald soll vorbildlich wirtschaften und nicht Wirtschaftsinteressen in den Vordergrund stellen!
„Die Berücksichtigung des Klimawandels“ im Waldbau ist ein fadenscheiniges Argument, nichtheimische Baumarten einzubringen und wird gerne von der Holzindustrie benutzt, die fürchtet, in der Zukunft auf diese „profitable“ Baumart verzichten zu müssen. Vor dem Hintergrund des Klimawandels brauchen wir möglichst stabile Ökosysteme. Möglichst stabil sind Ökosysteme, die die Natur im Laufe der Evolution durch raffinierte Anpassungsmechanismen hervorgebracht hat und die optimal an die Standorte angepasst sind. Die Douglasie hat diese Anpassungsprozesse nicht mit durchlaufen!

ForstBW:
• Welche drei wichtigsten Kriterien sprechen für und gegen die Einbringung von nicht standheimischen Baumarten?

Greenpeace:
1. Mangelnde Koevolution
2. Mangelnde Beherrschbarkeit
3. Mögliche Gefährdung der heimischen Flora und Fauna (Verschiebung der Konkurrenzverhältnisse, bzw. der Zusammensetzung der natürlichen Waldgesellschaften, erhöhter Konkurrenzdruck auf heimische Baumarten)
Die natürlichen Waldgesellschaften sind durch wichtige evolutionäre Prozesse (Mutation und Selektion) im Laufe von Jahrhunderten/ Jahrtausenden entstanden und daher optimal an die standörtlichen Gegebenheiten angepasst. Sie sind die „optimale“ Lebensgemeinschaft auf dem gegebenen Standort. Aufgrund der durchlaufenen Prozesse sind die natürlichen Waldgesellschaften als Lebensraum und als Lebensgemeinschaft stabil und können auch aufgrund ihrer genetischen Ausstattung kleineren Störfällen trotzen und sich weiter anpassen. Diese Prozesse haben die nicht standortheimischen Baumarten wie die Douglasie nicht mitdurchlaufen. Die Douglasie ist ein Neophyt und nicht an unsere heimischen Wälder angepasst. Das Einbringen fremdländischer Baumarten kann die heimische Flora und Fauna empfindlich stören und sie im schlimmsten Fall aus dem Gleichgewicht bringen. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels brauchen wir aber Wälder, die stabil sind!

ForstBW:
• Ist die Mischungsvorstellung bei der Douglasie praxis- und naturschutzgerecht?

Greenpeace: NEIN

ForstBW:
• Welche Mischungsanteile bzw. Mischungsformen und Verjüngungsverfahren für Roteiche ergeben sich aus Gesichtspunkten des Waldnaturschutzes und der Nutzfunktion?

Greenpeace:
Ein naturnaher Waldbau sollte sich an der potenziell natürlichen Vegetation orientieren anstatt mit nichtheimischen Baumarten zu experimentieren.

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  Kommentare
Dr. Joachim Rock am 30.03.2012 17:37:37

Ich wiederhole es gerne nochmal explizit für Greenpeace: Stilllegung ist als Klimaschutzmaßnahme extrem ineffizient und belastet netto unsere Treibhausgasbilanz. Andere CO2-Einsparvorschläge zur "Gegenfinanzierung" bitte ...

Und solange man sich in Sachen Waldbau nicht auf ein Jäger-und-Sammler-Stadium zurückentwickelt kann man auch die Ausbreitung unerwünschter Baumarten beeinflussen.

MfG

JR

Dr. Tobias Kühn am 30.03.2012 17:22:58

Die pnV ist ein Indiz für naturnahen Waldbau, ein Zwang ist es nicht, von Schutzgebieten hoher Kategorie abgesehen.
Wer Holzproduktion für wesentlich hält, kann bei derlei Argumenten nur mit Kopf schütteln. Die Standortseignung auf Basis der Standortskartierung hat sich sehr bewährt und ist fundiert. Davon abzurücken, wäre, freundlich ausgedrückt "kurzsichtig".

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