Artenmanagement im Wald


Ziel 5: Ein Managementkonzept für die Erhaltung von Waldzielarten ist erarbeitet und wird in die Waldwirtschaft integriert.

Ziel 6: Das Artenmanagement wird durch ein Arteninformationssystem unterstützt und durch ein an Waldzielarten orientiertes Monitoring-System begleitet.

Kurzbeschreibung

Mit dem Artenmanagement im Wald wird umfassend
•    die forstbetriebliche Steuerung (= Waldmanagement) von Artenvorkommen im Wald,
•    deren Erfassung und Überwachung (= Monitoring) sowie
•    deren Dokumentation und Darstellung (= Arteninformationssystem) verstanden.

Entscheidend für jeden dieser eng miteinander verknüpften Teilbereiche ist die Auswahl der in den Fokus genommenen Arten. Für das Management von Arten im Wald werden drei forstbetriebliche Handlungsebenen unterschieden:
•    Integration in die Naturnahe Waldwirtschaft auf ganzer Fläche,
•    Ausweisung von Waldflächen ohne Holznutzung,
•    Spezielle Pflege von Lebensräumen, die im Wald liegen (= Management von Waldzielarten).

Das „Management von Waldzielarten“ umfasst alle Maßnahmen, die notwendig sind, um ausgewählte Arten in ihrem Bestand zu sichern und/oder zu fördern. Hierfür werden Arten mit sehr spezifischen Lebensraumansprüchen ausgewählt, die auf lichte bis offene Strukturen und / oder extreme Standorte angewiesen sind. Wald liefert für diese Arten wichtige Requisiten und hat fast immer eine zentrale Verbund- und Pufferfunktion. Häufig handelt es sich um gefährdete Arten, für die der Wald einen letzten Refugialstandort darstellt.

Innerhalb von ForstBW werden bereits Konzepte umgesetzt, die artenschutz-fachliche Fragestellungen behandeln (Waldbiotopkartierung, Waldschutzgebietskonzeption, Alt- und Totholzkonzept und Aktionsplan Auerhuhn).

Entscheidend für die Erfolgskontrolle einer Waldwirtschaft, die Lebensräume von Arten im Wald gestaltet und erhält, ist ein objektives Monitoring. Das für die Umsetzung der Waldnaturschutzkonzeption durchzuführende Monitoring bezieht sich in erster Linie auf Arten und Lebensräume. Die durch das Monitoring erfassten Daten stehen langfristig zu Verfügung und sind die Grundlage für
•    die auf die jeweilige Art bezogenen Konzepte / waldbaulichen Aktivitäten,
•    an Naturschutzzielen orientierte Erfolgskontrollen und
•    politische Entscheidungen.

Eine umfassendere Erfolgskontrolle wird durch im Rahmen der Forsteinrichtung erfasste Indikatoren ermöglicht (z.B. Fläche mit Naturverjüngung, Fläche mit naturschutzfachlich relevanten Betriebsformen wie Mittel- und Niederwald, Alt- und Totholz). Andere, für die Bewertung der Erreichung von Naturschutzzielen wichtigen Monitoringverfahren (z.B. soziokulturelles Monitoring) werden im Rahmen des Strategischen Nachhaltigkeitsmanagements durchgeführt  und ggf. durch naturschutzrelevante Parameter ergänzt.

Das Artenmanagement wird durch ein Arteninformationssystem unterstützt. Dieses stellt laufend aktualisierte Informationen, Daten und Handlungsempfehlungen über Arten bereit, die bei Maßnahmen im Wald besonders zu beachten sind. Eine Priorität haben dabei Arten,
•    die vom Aussterben bedroht oder sehr stark zurückgegangen sind
•    für die Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung hat,
•    die europarechtlich geschützt sind (Natura 2000-Arten) mit der Verpflichtung zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung eines „günstigen Erhaltungszustandes".

Das Arteninformationssystem richtet sich mit seinen Informationen und Handlungsempfehlungen in erster Linie an die forstliche Praxis, d.h. einerseits an die Bewirtschafter vor Ort (Durchführung von Maßnahmen) und andererseits an die Forsteinrichtung (Planung von Maßnahmen, Kontrolle des Vollzugs).
Das Arteninformationssystem stellt Informationen über Arten mit einem spezifischen Waldbezug bereit. Der Fokus liegt auf detaillierten Informationen für diese Arten zur aktuellen Verbreitung und zu potentiellen Wiederansiedlungsgebieten sowie konkreten Handlungsempfehlungen zur Bewirtschaftung von Lebensräumen und zu spezifischen Schutzmaßnahmen.

Das Arteninformationssystem wird laufend gepflegt und aktualisiert. Die hinterlegten Informationen sind kompatibel mit einer Datenbank der LUBW, in der alle im Land Baden-Württemberg erhobenen Artendaten zentral geführt werden.
 

Ziel 5 (Was soll erreicht werden?)

Ein Managementkonzept für die Erhaltung von Waldzielarten ist erarbeitet und wird in die Waldwirtschaft integriert.

Kriterien (Wann ist das Ziel erreicht?)

Die Ziele sind erreicht, wenn

1.    ein Katalog von Waldzielarten mit Unterstützung von Artexperten bis 2014 ausgewählt ist;
2.    Handlungsempfehlungen zur Bewirtschaftung der Lebensräume der Waldzielarten erstellt sind;
3.    bis 2020 ein Verfahren der Evaluation des Artenmanagements etabliert ist; das sich aus den Ergebnissen der Monitoringauswertung, einer ökonomischen und ökologischen Wirkungskontrolle und Erfahrungen aus der Praxis zusammensetzt.

Umsetzung (Wie kann das Ziel erreicht werden?)

Maßnahmen
- Auswahl von Waldzielarten unter Expertenbeteiligung
- Formulierung artspezifischer Handlungsempfehlungen, die für die Forstpraxis die Umsetzung des Managementkonzeptes operationalisieren.
- Auswertungen der Monitoringdaten im 10-Jahres-Turnus zur Evaluation

Diskussionspunkte und Fragen für die Online-Beteiligung
1.    Mit einem umfassenden Artenmanagement wird ein neues Arbeitsfeld eröffnet, das über bisherige Managementkonzepte z.B. der Aktionsplan „Auerhuhn“ flächenbezogen weit hinausgeht. Die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die durch ein Schrumpfen der personellen Ressourcen und geringer werdender Sachmitteln geprägt sind, stellen hierfür eine denkbar schlechte Ausgangslage dar. Gibt es sinnvolle Alternativen zu einem umfassenden Artenmanagement?
2.    Der Handlungsschwerpunkt steht in enger Verbindung zu den Handlungsschwerpunkten  „Erhalt von Sonder- und Extremstandorten“ und insbesondere „Lichter Wald“. Die Abstimmung zwischen diesen Bereichen ist im Detail noch nicht abschließend geleistet. Was ist für diese Abstimmung zu beachten?
3.    Die Arbeitsgruppe hatte ursprünglich weitere Aufgaben im Bereich des Speziellen Arten - Managements im Wald identifiziert, die im Zuge der AG-Sitzung am 28.11.2011 in Karlsruhe hintenan gestellt wurden (s. tabellarische  Darstellung in der Anlage). Dies bedeutet aber nicht, dass diese Themen zukünftig nicht mehr bearbeitet werden. Welches der folgenden Themen hat eine große Bedeutung?
    a.    Umsetzungskonzept „Natura 2000“: Genießt absolute Priorität und muss daher zeitnah bearbeitet werden;
    b.    Weiterentwicklung Vertragsnaturschutz. Im Zuge der neuen Förderperiode ab 2014 bedarf es eines auf die Bedürfnisse der Waldbesitzer und des Waldnaturschutzes zugeschnittenen Vertragsnaturschutz.
   c.    Formulierung von forstbetrieblich ausgerichteten Artsteckbriefen für Waldarten;
   d.    Absicherung von Artaspekten im Zuge der Weiterentwicklung des Konzeptes Naturnaher Waldwirtschaft incl. Verbundkonzeptionen;
   e.    Weiterentwicklung der Waldschutzgebietskonzeption unter Artenschutz- Gesichtspunkten.
4.    Die Kriterien einer ökologischen und ökonomischen Wirkungskontrolle sind für die Integration des Managements von Waldzielarten in die Naturnahe Waldwirtschaft entscheidend. Welche Kriterien sind dabei besonders wichtig?
5.    Was muss bei der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen beachtet werden, die bei der Waldwirtschaft eine Berücksichtigung von Arten und ihren Lebensräumen bewirken sollen?

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Ziel 6 (Was soll erreicht werden?)

Das Artenmanagement wird durch ein Arteninformationssystem unterstützt und durch ein an Waldzielarten orientiertes Monitoring-System begleitet.

Kriterien (Wann ist das Ziel erreicht?)

Die Ziele sind erreicht, wenn
1.    bis 2016 für die Waldzielarten und naturschutzrelevanten Waldstrukturen das Monitoring-System entwickelt und der Transfer in das Arteninformationssystem gewährleistet sind.
2.    eine periodische Auswertung (10-jährig) von Monitoringdaten unter Einbeziehung von Parametern zur Waldnutzung, Erholungsnutzung und Infrastrukturentwicklung gewährleistet ist.
3.    ein Arteninformationssystem in einer zentralen Datenbank im Rahmen bestehender IUK-Verfahren bis 2016 eingeführt ist

Umsetzung (Wie kann das Ziel erreicht werden?)

Maßnahmen


- Ausarbeitung und Durchführung der Monitoringverfahren (Bestehende Verfahren, Systematisches Monitoring, Zufallsmonitoring)  
- Erstellen und Einführung eines Arteninformationssystems unter Berücksichtigung bestehender Informationssysteme, neuer Entwicklungen und Anforderungen der Praxis.

Diskussionspunkte und Fragen für die Online-Beteiligung
1.    Nach welchen Kriterien sollte die Auswahl der Arten getroffen werden, die das Artenmanagement berücksichtigt?
2.    Nach welchen Kriterien sollte die Auswahl der Arten getroffen werden, die im Arteninformationssystem dargestellt werden?
3.    Soll das Arteninformationssystem als umfassendes "Nachschlagewerk" angelegt werden oder nur so viele Informationen zu den Arten und Maßnahmen enthalten, wie für die betriebliche Praxis erforderlich?
4.    Wer soll auf das Arteninformationssystem Zugriff erhalten?
5.    Ist es neben einem Arteninformationssystem anzustreben für z.B. jedes Forstamt einen "Naturschutzexperten" im Sinne einer Funktionalisierung einzuführen, und welche Aufgaben sollte diese Funktion abdecken?
6.    Welche Monitoringinformationen sind für die forstliche Praxis am wichtigsten?
7.    Sollte das System der bei den Landkreisen etablierten Wildtierbeauftragten durch „Beauftragte Artenmonitoring“ erweitert werden?
8.    Welche Monitoringinformationen können forstintern über Revierleiter, Waldarbeiter etc. erfasst  werden und welche müssen über eine externe Beauftragung an Fachbüros erhoben werden?
9.    Welches ist die sinnvollste „Ansprechstelle“ für die forstliche Praxis im Bereich Monitoring und Arteninformationssystem?

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