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Naturnaher Waldbau

Holzeinschlag reduzieren zum vermehrten Erhalt von Altbäumen.

von Kappler Andre am 26.03.2012 | 11:49 | Kommentare: 12 |

Der hohe Holzeinschlag im Staatswald führt zu einer vermehrten Reduktion von Altbäumen.
Dies wird auch von der Bevölkerung moniert.

Vorschlag:Reduzierung des Einschlages um mindestens 10% und Erhöhung der Zieldurchmesser bei Eiche,Lärche und Douglasie auf 100 cm.Bei Esche,Buche und Ahorn auf 80 cm.Bei Fichte auf stabilen Standorten auf 70 cm.
Die Nutzungsmenge bleibt erhalten wird aber über einen größeren Zeitraum verteilt.
Konflikte mit gefällten Höhlenbäumen können auftreten da die Höhlen nicht immer erkennbar sind.Dafür sind in den vielen Altbäumen mehr Höhlen vorhanden.

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  Kommentare
Schwarzspecht am 30.03.2012 18:37:20

Aus anderer Leut Leder lässt sich gut Riemen schneidern. Herr Kappler ist gerne eingeladen, aus seinem privaten Budget Wald zu kaufen und ihn in der vorgeschlagenen Art und Weise zu behandeln.

RauzSchonh am 30.03.2012 17:46:44

Wenn Herr Kühn meint, sich den Verzicht des Einschlages alter starker Bäume extra honorieren zu lassen, so stellt das den Naturschutz auf den Kopf. Im Waldgesetz ist ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Naturschutz gerade im öffentlichen Wald eine besondere Wertigkeit hat !!. Die rel. wenigen echten Starkholzbestände und darin sporadisch verteilt einige Schwarzspecht- Höhlenbäume, da müsste auch der Forst-BW mal einen Verzicht auf Einschlag verkraften !

Waldläufer am 29.03.2012 23:01:50

In dieser Diskussion scheint es nur noch ums Geld zu gehen.
Über die landesweit laufenden BZ-Verfahren fliesen bereits jetzt erhebliche öffentliche Mittel an die Waldbesitzer. Unter dem Gesichtspunkt nach einer finanziellen Entschädigung für die Erhaltung der Höhlen- und Horstbäume sollten Fördermittel an entsprechende Naturschutzauflagen gekoppelt werden.
Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass diese Bäume einen wirtschaftlich nennenswerten Anteil bei einem Waldbesitzer erreichen. Hingegen erstaunt mich wie viel, zum Teil aufgearbeitetes Holz, im Wald liegenbleibt. Von den Rückeschäden ganz zu schweigen.
Aber zum Glück sind sehr viele Waldbesitzer tolerant, ja sogar entgegenkommend wenn es um die Erhaltung dieser Bäume geht.

Es grüßt der Waldläufer

Dr. Joachim Rock am 28.03.2012 22:20:29

Transparenz heisst aber auch, dass die "Artenschutzkosten" bestimmter Maßnahmen ebenfalls auf den Tisch kommen. Die Berechnung ertragskundlicher und ökonomischer Auswirkungen einer Maßnahme üben wir Förster seit ca. 200 Jahren, äquivalente Verfahren für ökologische und naturschutzfachliche Kriterien auch? Kann uns "der Naturschutz" außer ein paar kleinen Anhaltspunkten zum Totholz etwas dazu liefern, auf entsprechend hohem Niveau? Das meiste was man diesbezüglich findet kommt aus Regionen wo viele unserer "Fremdländer" standortheimisch sind und ist nicht übertragbar ...

MfG

Joachim Rock

Jerg Hilt am 28.03.2012 20:43:45

Ich muss Herrn Dr. Kühn beipflichten. Es geht nicht nur um konkreten Ausgleich für Einnahmeverluste und Mehrausgaben, es geht um Transparenz. Warum soll die Gesellschaft denn nicht erfahren dürfen, welche monetären Konsequenzen die Umsetzung von Naturschutzzielen im Wald (und auch anderswo) hat? Nur wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, können bewusste Entscheidungen getroffen werden. Eigentlich sollte die Verfechter des Naturschutzes dies doch begrüßen, oder?

Dr. Tobias Kühn am 28.03.2012 19:13:40

So global, lieber Kollege Maluck, mag ich die Rechnung nicht akzeptieren. Dem Forstbetrieb nützt es nichts, wenn man ihm tätschelnd bestätigt, das er die Gesellschaft reicher macht, der Forstbetrieb benötigt auch schlicht "Kohle" für Gehälter und Investitionen.
Was ich leider beobachte: wenn man durch vorbildliche Forstwirtschaft artenreiche (an Pflanzen und Tieren) Bestände geschaffen hat, dann passiert es in letzter Zeit häufig, dass eben diese Vorbildlichkeit in der Vergangenheit dazu führt, dass die Verfügung in der Gegenwart und Zukunft entzogen wird und man als verantwortlicher Betriebsleiter sich gut überlegen sollte, ob man sich nicht besser bei Artenschutz und Prozessschutz zurückhält. Wenn die ökonomischen Verzichte "der Gesellschaft" etwas Wert sind, dann kann sie dafür auch etwas bezahlen. Wenn nicht, dann ist die Wertschätzung offenbar nicht groß. Daraus sollte man als Betriebsleiter seine Schlüsse ziehen. Bislang habe ich noch keine Zahlungsbereitschaft für "Höhlenbäume" und dergleichen verspürt.

Gerhard MALUCK am 28.03.2012 18:13:57

Und dann, lieber Kollege Kühn, ist dann das Land reicher? An Geld oder nur an Zahlen? "Die Gesellschaft" sind doch wir! Und wenn wir im Staatswald auf den Einschlag manch alter starker Bäume (nicht aller!) aus Naturschutzgründen "verzichten", dann werden wir doch reicher und nicht ärmer! Mindestens dann, wenn nicht der Euro unsere einzige Währungseinheit darstellt!

Dr. Tobias Kühn am 28.03.2012 18:06:43

Die Lösung ist einfach: wenn "die Gesellschaft" alte und starke Bäume will, die sich bedauerlicherweise immer schlechter an Holzmärkten absetzen lassen, dann soll sie den Einschlagsverzicht honorieren. Der Landtag könnte das doch für das Waldvermögen des Staatswaldes tun: pro Altbaum, der steht, bis er umfällt (Verkehrssicherungspflichten sind natürlich zu beachten) bspw. den C-Holzpreis ForstBW einbuchen.

Gerhard MALUCK am 28.03.2012 17:58:58

Sehr geehrter Herr Eschbach,
leider muss ich auch Ihnen raten, es sich mit Ihren Erklärungsversuchen an Herrn Kappler nicht zu einfach zu machen, denn er weiß genau, wovon er spricht. Nämlich davon, dass ForstBW (und - maßvoller - auch schon die alte Staatsforstverwaltung) seit Jahren den eigenen "Nachhalts-Hiebsatz" überzieht: In den 25 Jahren zwischen 1985 und 2010 lag der durchschnittliche Hiebsatz im Staatswald bei 2,35 Mio Fm, der tatsächliche Einschlag aber bei 2,82 Mio Fm. Das lag u.a. auch an Wiebke und Lothar und an den von Ihnen angesprochenen stärkeren Durchforstungen. Aber vor allem lag es daran, dass eines immer wichtiger wurde im Wald: Das Geld und nur das Geld! Es wird natürlich heftigst bestritten, und doch hat er stattgefunden, der schleichende Paradigmen-Wechsel. Und die schönen Zahlen von BWI I zu BWI II, die immer zur Rechtfertigung herangezogen werden, werden vielleicht in BWI III schon anders aussehen. Und ganz gewiss würden sie noch ganz anders aussehen, wenn es der Lbh-Markt hergegeben hätte, die jährlichen Planungsbriefe der Betriebsleitung ungebremst zu vollziehen! Dann wären alte Buchen-Bestände nicht nicht mehr nur selten, sondern sie wären weg!

Horst am 26.03.2012 17:25:33

Das gleiche lässt sich im Stuttgarter Wald beobachten; auch hier wir laut dem Forst nicht mehr eingeschlagen als die Jahre zuvor, aber trotzdem kommt es zu einem hohen Verlust an vorwiegend alten Eichen. Was die Buchen betrifft gibt es hier gar nicht soviele alte Buchen, denn diese werden meist schon in einem früheren Stadium eingeschlagen, um den Eichen Platz zu machen. Natürlich ist es legitim, alte Bäume irgendwann zu fällen, aber wenn es innerhalb von kurzer Zeit zu einem hohen Verlust an alten Bäumen kommt, verliert ein solchermassen durchforsteter Wald stark an Wert für den Artenschutz.
Deshalb sollte zu einer einzelstammweisen Nutzng solcher alter Bäume übergegangen werden.

Opa Kolja am 26.03.2012 14:27:31

Auch hier im Welzheimer Wald werden seit einigen Jahren zu viele Altbäume entnommen.Der Wald dadurch drastisch "verjüngt"-im Privatwald immer noch Fichtenmonokultur nachgepflanzt.Durch monströse Vollernter wird der Waldboden auf Jahre geschädigt.Zuletzt trotz tagelangem Dauerregen rücksichtslos Holz geerntet mit verheerenden Folgen für Wald und Waldwege.Die Kosten fürs optische wieder Herrichten waren enorm.Bei der anschließenden Gemeinderatssitzung-bei Top Waldbericht-von mir bemängelt,wurde seitens der Kreisförsterei,noch Verständnis für die ausführende Firma erwartet.Der Gemeinde-Kämmerer verbuchte nur zufrieden den realen Holzerlös.Bis dato war ich der Meinung,dass die Förster ihren/unseren Wald vor solch rabiater Ausbeutung noch schützen.Offensichtlich ist dem nicht mehr so.Bleibt mir nur die Erinnerung,dass es mal einen artenreichen Wald gab,in dem man je nach Jahreszeit auch sein Körble Waldpilze finden konnte.Heutzutage sieht man am Zustand des Waldbodens,von Flora und Fauna,dass Erlösen Vorrang vor Erhalten und der vielbeschworenen Nachhaltigkeit hat.Neue Förster braucht das Land-keine erbarmungslosen Holz(mengen)köpfe.

Eschbach am 26.03.2012 13:05:22

Sehr geehrter Herr Kappler,
ein Blick in die Waldgeschichte unseres Landes zeigt, dass der Altholzanteil seit dem 2. Weltkrieg ständig zunahm; größere vorübergehende Unterbrechungen gab es allerdings durch die Stürme, nicht durch die Erhöhung des Holzeinschlags.
Die höheren Einschläge wurden vor allem durch stärkere Durchforstungen in jüngeren und mittelalten Beständen möglich; diese brachten nicht zuletzt mehr Licht auf die Waldböden, was einerseits eine frühere Naturverjüngung und andererseits eine Zunahme der Artenvielfalt in den Beständen erlaubte. Also bitte Vorsicht vor zu einfachen Erklärungsversuchen.
MfG, Charles Eschbach

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