⇐ Zurück

INFOTHEK

Dienstanweisung für die Forsteinrichtung im öffentlichen Wald Baden-Württembergs

Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum über eine Dienstanweisung für die Forsteinrichtung im öffentlichen Wald Baden-Württembergs (FED 2000) vom 1. Januar 2002

Die Forsteinrichtung (FE) ist die umfassende, in der Regel 10jährige naturale Steuerung und
Kontrolle von Forstbetrieben. Die FE besteht aus Zustandserfassung (Waldinventur),
Kontrolle des Betriebsvollzugs und der Waldentwicklung im vorangegangenen
Forsteinrichtungszeitraum sowie der Forstbetriebsplanung für den neuen
Forsteinrichtungszeitraum. Dazu werden zunächst über eine Inventur im Wald Holzvorrat
und Zuwachs nach Beständen und Baumarten ermittelt. Nach diesen Daten wird der
Hiebsatz („Erntemenge“, Häufigkeit und Menge der zu erntenden Bäume) festgelegt und die
betrieblichen sowie waldbaulichen Ziele geplant. In der FE werden unter Anderem auch
Naturschutzflächen, wie zum Beispiel Naturschutzgebiete mit berücksichtigt.

Konzept der Naturnahen Waldwirtschaft gemäß FED 2000
(Erster Teil: Aufgaben der Forsteinrichtung und Ziele der
Waldbewirtschaftung im öffentlichen Wald)

2.4 Naturnahe Waldwirtschaft (Randziffer 24)
Vorgabe der Umsetzung des Konzeptes Naturnahe Waldwirtschaft im Staatswald.

2.4.1 Aufbau und Pflege stabiler Waldökosysteme (Randziffer 25)
Vorgabe des Aufbaus und der Pflege stabiler Waldökosysteme; Vorgabe, sukzessionale
Prozesse weitgehend zu akzeptieren und ökosystemare Störungen möglichst in die
Waldpflege zu integrieren.

2.4.2 Naturnähe bei der Baumartenwahl (Randziffer 26)
Vorgabe von naturnaher („ ... standortsheimisch ... und .. eine weitgehende
Übereinstimmung von Standort, Waldbestand und Bodenvegetation ...“) Baumartenwahl;
Verpflichtung zur Beteiligung typischer Begleitbaumarten.

2.4.3 Mischung und Stufigkeit (Randziffer 27)
Vorgabe der Mehrschichtigkeit bzw. Stufigkeit und langfristiger, kontinuierlicher
Einzelbaumwirtschaft.

2.4.4 Natürliche Waldverjüngung (Randziffer 28)
Vorgabe der Anwendung langfristiger Naturverjüngungsverfahren und weitestgehender
Vermeidung von Kahlhieben.

2.4.5 Pflege der Wälder (Randziffer 29)
Vorgabe von Pflegemaßnahmen zur Förderung von Bestandesstabilität, Mischung und
Stufigkeit, qualitativen Entwicklung und zum Erhalt und der Weiterentwicklung der
Biodiversität von Wäldern; Beschränkung der Waldpflege auf steuernde Begleitung
natürlicher Abläufe; Verpflichtung auf Pflegemaßnahmen zugunsten von
Artenschutzprogrammen.

2.4.6 Wald- und wildgerechte Jagd (Randziffer 30)
Vorgabe der wildgerechten Bejagung zur Herstellung lebensraumkapazitäts-angepasster
Schalenwild-Bestände; Verpflichtung auf das Forstliche Gutachten zum Abschussplan (gem.
§ 27 Abs. 2 und 3 LJagdG).

2.4.7 Integrierter Waldschutz (Randziffer 31)
Vorgabe des Vorrangs waldbaulicher, biologischer, biotechnischer und mechanischer
Verfahren zur Abwehr biotischer Schaderreger; Beschränkung von Pflanzenschutzmitteln auf
das unabdingbare Mindestmaß.

2.4.8 Pflegliche Waldarbeit (Randziffer 32)
Vorgabe der Vermeidung von Boden- und Bestandesschäden bei der Holzernte.

2.4.9 Aspekte von Naturschutz und Landschaftspflege (Randziffer 33)
Vorgabe der Integration von Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf großer
Fläche in die Pflege und Nutzung des Waldes durch naturnahe Waldwirtschaft;
Totholzanreicherung; biologische Automation; Aufnahme und Darstellung von Waldbiotopen
nach WBK in die Forsteinrichtungserneuerung (FEE) und Berücksichtigung der jeweiligen
Schutzziele – ebenso wie der von Artenschutzprogrammen für gefährdete Tier- und
Pflanzenarten – in der FE-Planung.

Weitere naturschutzrelevante Aspekte
Neben den Ziffern, die sich auf die naturnahe Waldwirtschaft beziehen, beinhalten folgende
weitere Ziffern der Dienstanweisung für die Forsteinrichtung im öffentlichen Wald Baden-
Württembergs („FED 2000“) vom 1. Januar 2002 naturschuztrelevante Aspekte:

Randziffer 1:
Darlegung des Zwecks der FE: Nachhaltige Sicherung aller Waldfunktionen.

Randziffern 12 – 16:
Bezugnahme auf gesetzliche Grundlagen, insbes. LWaldG.

Randziffer 15:
Verankerung des Prinzips der Multifunktionalität.

Randziffer 18:
Verankerung des Prinzips der Nachhaltigkeit.

Randziffer 23:
Verankerung des Vorrangs gemeinnütziger Ziele (vor monetären) bei Zielkonflikten.

Randziffer 45:
Definition „Wirtschaftswald in außerregelmäßigem Betrieb (arB); Verpflichtung, arB-Bestände
mit den Zielsetzungen Erhaltung der Bestandesstabilität, Schutz- und Erholungsfunktionen
sowie Umweltvorsorge zu bewirtschaften und die Belange des Waldschutzes zu
gewährleisten.

Randziffer 47:
Definition „Bannwälder“ gem. § 32 Abs. 2 LWaldG; Verpflichtung zur Zustandserfassung im
Rahmen der FEE.
Achtung: die Verpflichtung zur Zustandserfassung von Bannwäldern ist in der Folgezeit
abgeändert und kürzlich erst wieder in eine der hier zitierten Fassung ähnliche Form rückgeändert
worden.

Randziffer 70:
Vorgabe der Aufstellung der wichtigsten Kenngrößen eines Forstbetriebes zu
Waldfunktionen und Naturhaushalt und Charakterisierung eines Forstbetriebes nach
landschaftspflegerischen und naturschutzrelevanten Sachverhalten.

Randziffer 73:
Vorgabe, Waldbiotope nach WBK, Schutzgebiete nach LWaldG, NatSchG, WasserG und
LJagdG sowie von Waldfunktionen nach WFK verpflichtend in den verbalen Teil der
Bestandesbeschreibung aufzunehmen.

Randziffer 74:
Vorgabe, ökologische Besonderheiten (Baumhöhlen; Totholz etc.) in die verbale
Bestandesbeschreibung aufzunehmen.

Randziffer 75:
Möglichkeit, mit der messenden Waldinventur weitere Sachverhalte wie z.B. ökologische
Parameter mit zu erheben.

Randziffer 96:
Vorgabe der Darstellung von im Wald gelegenen Schutzgebieten mit gesetzlicher
Zweckbindung sowie weiterer Schutzgebiete, die die Waldbewirtschaftung beeinflussen, im
Rahmen der Zustandsdarstellung.

Randziffer 97:
Definition „Biotopschutzwald“ und Vorgabe der Übernahme von Biotopschutzwald gem.
LWaldG und NatschG sowie von besonderen Waldbiotopen ohne gesetzlichen Schutzstatus
in die FE-Unterlagen im Rahmen der Zustandsdarstellung; Vorgabe der Berücksichtigung
der jeweiligen Schutzzwecke in die Planung zur nachhaltigen Sicherung besonders
schützenswerter Waldbiotope.

Randziffer 98:
Vorgabe der Übernahme von Bodenschutzwald und Schutzwald gegen schädliche
Umwelteinwirkungen gem. LWaldG in die FE-Unterlagen im Rahmen der
Zustandsdarstellung; Vorgabe der Berücksichtigung der jeweiligen Schutzzwecke.

Randziffer 99:
Definition von „Schonwald“ nach LWaldG; Vorgabe der gesonderten Darstellung der
Inventurdaten in die Zustandsdarstellung der FE-Unterlagen; Vorgabe zur Berücksichtigung
der Zielsetzung der jeweiligen Rechtsverordnung bzw. Erklärung oder ggf. des Pflegeplans
in der FE-Planung.

Randziffer 100:
Vorgabe der Darstellung gesetzlicher Schutzgebiete, beispielsweise nach WasserG oder
LJagdG oder nach FFH-Richtlinien sowie von Schutzwäldern und Funktionen nach WFK in
der Zusammenstellung der Forsteinrichtungsergebnisse bzw. am jeweiligen Einzelbestand.

Randziffer 101:
Vorgabe der Aufnahme der wichtigsten sowie der waldbaulich problematischen
Standortseinheiten in die Bestandesbeschreibung.

Randziffer 103:
Vorgabe, in der Planung die Intensität der Waldbewirtschaftung auf die jeweiligen
Waldfunktionen abzustimmen.

Randziffer 105:
Vorgabe, bei der FE-Planung die Belange der Umweltvorsorge und der Landschaftspflege zu
berücksichtigen.

Randziffer 106:
Beschränkung von Kahlhieben von mehr als einem Hektar Größe auf Ausnahmefälle.

Randziffer 107:
Vorgabe, die Ergebnisse der Waldbiotopkartierung einschließlich der Biotope nach NatSchG
darzustellen; Zuweisung der Planungskompetenz für zwischen Naturschutzverwaltung und
Landesforstverwaltung abgestimmte Maßnahmen in gesetzlich geschützten Biotopen an die
Forsteinrichtung; Vorgabe der bestandesweisen Darstellung der Behandlungsziele und
Maßnahmen in den FE-Unterlagen.

Randziffer 108:
Regelung von Zuständigkeiten (zwischen Naturschutzbehörden, Forstdirektion und
Forsteinrichtung) für die Erarbeitung von Pflegezielen, die Evaluation von Pflegeplänen und
deren Integration in die FE-Planung in Naturschutzgebieten und flächenhaften
Naturdenkmalen.

Randziffer 109:
Regelung von Zuständigkeiten (zwischen Naturschutzbehörden und Forstdirektion) für die
Planung und Umsetzung von Bewirtschaftungsmaßnahmen in FFH-Gebieten.

Randziffer 110:
Regelung der Planung, Durchführung und Dokumentation von Bodenschutzkalkungen
(zwischen FVA, Forstdirektion und Forstamt); Vorgabe der Aufnahme von Kalkungskarten in
die FE-Unterlagen.

Randziffer 119:
Berücksichtigung von u.a. der jeweiligen Schutz- und Erholungsfunktion als
Hiebsreifekriterium.

Randziffer 130:
Vorgabe, das an den Möglichkeiten der Standorte und den Baumarten der natürlichen
Regionalwälder ausgerichtete, langfristig anzustrebende Baumartenverhältnis und die
Steuerung der Waldentwicklung in diese Richtung in die Gesamtplanung aufzunehmen.

Randziffer 164:
Zuweisung der Aufgabe der forstbetrieblichen Qualitätssicherung (einschließlich der
Einhaltung der durch Gesetze und innerbetriebliche Festlegungen vorgegebenen
Qualitätsstandards) an die Forsteinrichtung.

Randziffer 191:
Vorgabe der Aufnahme eines Kapitels „Waldnaturschutz“ (einschließlich Hinweise auf
mögliche Inhalte dieses Kapitels) in den Vorbericht.

Anlage 1 Forstliche Standortskartierung

Ziffer 1:
Zielformulierung für forstliche Standortskartierung: Darstellung der waldökologischen
Grundlagen für einen naturnahen Waldbau; sowie an naturnaher Waldbewirtschaftung
ausgerichtete standortskundliche Beratung, Aus- und Forstbildung für Forstbedienstete und
Waldbesitzer.

Ziffer 2.1:
Definition „Regionalwald“ als Wald mit natürlicher Baumartenzusammensetzung innerhalb
eines Einzelwuchsbezirks, einer Wuchsbezirksgruppe oder eines Teilbezirks sowie
„Zonalwald“ als Wald mit der natürlichen Baumartenzusammensetzung einer Höhenstufe
innerhalb einer regionalen Einheit. Bezugsgröße in beiden Fällen ist die ursprüngliche
natürliche Vegetation vor Beginn gravierender menschlicher Einflussnahme.

Ziffer 2.2:
Definition „Standortswald“ als Wald mit der natürlichen Baumartenzusammensetzung im
Bereich einer Standortseinheit im Anhalt an modellhafte Vorstellungen der heutigen
potenziellen natürlichen Vegetation (hpnV).

Relevante Hintergrunddokumente:

herunterladen






























zurück
 

FORENLISTE (Beiträge)
Hauptforum Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 380 Livediskussion Dr. Höltermann Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 24 Livediskussion Wolfgang Reimer Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 46 Livediskussion Max Reger Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 52 Livediskussion Dr. Bollmann Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 29 Maßnahmenvorschläge Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 85
Naturnaher Waldbau: 165
Hinweise / fehlende Aspekte: 134
Artenmanagement im Wald: 53
Mitwirkung: 49
Prozessschutz: 44
Lichte, offene Wälder: 31
Feedback & Hilfe: 31
Forschung: 19
Wälder nasser Standorte: 5

VERFAHRENS- UND QUALITÄTSSTANDARDS BEI ForstBW Mitarbeiter der ForstBW

STATISTIK
Benutzer Online: 462 Registrierte Benutzer: 280 Anzahl Beiträge: 619 Anzahl der Besucher: 5233 Alle Aufrufe: 512755
FREUNDE EINLADEN
Freunde einladen!