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INFOTHEK

Alt- und Totholzkonzept ForstBW

Naturschutzrelevante Verfahrens- und Qualitätsstandards bei ForstBW im Hinblick auf Alt- und Totholz (AuT-Konzept ForstBW)

Das Alt- und Totholzkonzept (AuT-Konzept) formuliert naturschutzfachliche
Standards für die Waldbewirtschaftung. Es berücksichtigt dabei Erfordernisse der
Arbeitssicherheit und -organisation, der Verkehrssicherung und des Waldschutzes.
Das AuT-Konzept (2010) ist im Staatswald verbindlich umzusetzen. Im
Körperschafts- und Privatwald ist über die Möglichkeit zur Umsetzung zu informieren,
die Entscheidung über eine Umsetzung trifft jedoch der Eigentümer
(Einführungserlass vom 26.02.2010, Az. 52-8850.28).

Standards AuT-Konzept:
1. Belassen geschützter Einzelbäumen:
• Bekannte (Groß-)Höhlen und (Groß-)Horstbäume sowie Bäume mit bekannten
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten von Arten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie
mit geringem Aktionsradius (z.B. Reservoirbäume des Heldbocks) dürfen in der
Regel auch außerhalb von Waldrefugien forstlich nicht genutzt werden, solange
sie ihre Habitatfunktion erfüllen.

2. Ausweisen, Markieren und Belassen von Habitatbaumgruppen (HBG):
b) qualitativ/verfahrenstechnisch
• HBG werden in Beständen ausgewiesen, in denen eine Hauptnutzungs- oder
Dauerwaldnutzung) geplant ist.
• In Hauptnutzungs- oder Dauerwaldbeständen, in denen bereits HBG in
ausrechendem Umfang vorhanden sind, erfolgt keine weitere Ausweisung von
HBG.
• Es wird keine systematische Verteilung der HBG angestrebt; eine Konzentration
entlang morphologischer Strukturen, Rückescheiden, Waldrändern oder in
qualitativ minderwertigen Bereichen sowie auf kleinräumigen Sonderstandorten
ist häufig sowohl naturschutzfachlich als auch arbeitstechnisch und ökonomisch
sinnvoll.
• Entsprechend dem Konzept sollen die Habitatbaumgruppen durch die Revierleiter
oder Funktionsbeamten jeweils im Vorlauf zum konkreten planmäßigen Hieb in
Hauptnutzungs- oder Dauerwaldbeständen ausgewiesen werden.
• Die Habitatbaumgruppen sind nach ihrer Auswahl im Bestand deutlich sichtbar
(Arbeitsschutz!) zu markieren, indem die Randbäume mit einer umlaufenden
weißen Wellenlinie gekennzeichnet werden. Zwei zusätzliche senkrechte Striche
(siehe Broschüre S. 22) kennzeichnen an den Randbäumen der HBG den Verlauf
der Außenseite. Die geographischen Koordinaten sowie Sachdaten zur
Habitatbaumgruppe müssen erfasst und dokumentiert werden (PSION oder
Papierbeleg/FOKUS).
• Die Bäume der HBG bleiben bis zum natürlichen Absterben und Zerfall auf der
Fläche. Ausnahmen können sich aus den Erfordernissen der Arbeitssicherheit,
der Verkehrsicherung oder des Waldschutzes ergeben. In diesen Fällen verbleibt
das Holz als liegendes Totholz im Bestand.

 

a) quantitativ
• In den Hauptnutzungs- und Dauerwaldbeständen wird eine Ausstattung von
1 HBG je 3 Hektar angestrebt, i. d. R. bezogen auf den Einzelbestand.
• HBG sollten im Mittel rund 15 Bäume umfassen, wobei die jeweilige Baumzahl je HBG abhängig von Baumart/Waldtyp, Alter, Standraum, Verteilung strukturreicher Einzelbäume und anderen Faktoren stark um den Mittelwert schwanken kann.

Ausweisen von Waldrefugien:
b) qualitativ/verfahrenstechnisch

• Waldrefugien sind Bestände oder Bestandesteile ab etwa 1 Hektar Größe, in
denen mit dem Ziel der Anreicherung von Alt- und Totholz keine weitere forstliche
Nutzung mehr erfolgt.
• Die Waldrefugien werden durch die Forsteinrichtung bestandesscharf abgegrenzt
und erfasst, die Grundlagen für die Auswahl (siehe Broschüre) sowie die Kulisse
der Waldrefugien werden durch die Untere Forstbehörde im Vorlauf der
Forsteinrichtung erarbeitet.
• Da die räumliche Verteilung der Waldrefugien einen wesentlichen Einfluss auf
den Erfolg des Konzepts hat, sollen Informationen über besondere bekannte
Artvorkommen über die Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde
einfließen. Informationen zu Artvorkommen, die bei den Regierungspräsidien
(Ref. 56) vorliegen, sollen im Rahmen der Beteiligung zur Forsteinrichtung
eingebracht werden.

a) quantitativ
• Landesweit wird die Ausweisung von Waldrefugien auf rund 3% der
Staatswaldfläche angestrebt.


Sonstiges:
• Für geschützte Arten, die vom Alt- und Totholzkonzept nicht profitieren, wie
beispielsweise Amphibien oder Arten offener Waldstrukturen, können unabhängig
vom Alt- und Totholzkonzept wie bisher artspezifische Maßnahmen erforderlich
sein.

Relevante Hintergrunddokumente:

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