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INFOTHEK

Richtlinie zur Bodenschutzkalkung

Naturschutzrelevante Verfahrens- und Qualitätsstandards bei ForstBW im Hinblick auf die Bodenschutzkalkung

Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung erfordert die langfristige Erhaltung der
Standortsqualität einschließlich der Filter-, Puffer- sowie der Habitatfunktionen des
Waldbodens. Ziel von Bodenschutzkalkungen ist die ökosystemverträgliche Kompensation
von negativen biologischen, chemischen und ökosystemaren Folgen von Bodenversauerung
und Entbasung und ggf. eine vorsichtige Regeneration verloren gegangener
Standortspotentiale. Die Aufwandsmengen bei der Bodenschutzkalkung sind dabei so
moderat dosiert, dass das standortsspezifische Spektrum z.B. des pH-Wertes nicht
verlassen wird. Die Umsetzung eines standörtlich differenzierten, regenerationsorientierten
Kalkungskonzeptes für Baden-Württemberg wurde per Ministerratsbeschluss vom
13.09.2010 für den Staatswald beschlossen. Jährlich sollen im Jahrzehnt 2011 bis 2021 im
Staatswald 5.600 ha gekalkt werden. Für den Gesamtwald beträgt der aus bodenchemischer
Sicht anzustrebende Flächenumfang 22.000 ha.

Grundsätzlich wirken Bodenschutzkalkungen einer immissionsbedingten Artenverarmung
entgegen. In Einzelfällen können Kalkungen aber zu einer Beeinträchtigung von geschützten
Biotopen und Lebensräumen führen. Um die Entscheidungsfindung in diesen Einzelfällen zu
erleichtern, wurden im Jahr 2005 von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt
(FVA) in Abstimmung mit der Landesanstalt für Umwelt und Naturschutz (LfU) Hinweise zur
Berücksichtigung von Waldbiotopen, FFH-Waldlebensraumtypen und Auerhuhnhabitaten bei
Bodenschutzkalkungen erarbeitet (siehe Richtlinie).

1. Berücksichtigung naturschutzrelevanter Flächen bei der Bodenschutzkalkung
Ziel dieser Abstimmung war es, die Kalkungssensitivität naturschutzrelevanter Flächen
anhand von Lebensraum- und Biotopeigenschaften sowie anhand des vorkommenden
Artinventars systematisch zu bewerten. Dabei wurde eine dreiteilige Klassifikation
verwendet, die (1) kalkungssensible, (2) Prüfflächen und (3) kalkungstolerante Flächen
aufweist. Als „kalkungssensibel“ klassifizierte Flächen sind von der Kalkung auszunehmen.
Zusätzlich zu diesen gesetzlich geschützten Flächen werden in den standortskartierten
Wäldern natürlich versauerte, kalkungssensible Standortseinheiten berücksichtigt.

Da die Abgrenzungen für die genannten Flächen und die Zuordnungen der
Kalkungssensitivität digital vorliegen, können diese Informationen bei der Vorplanung von
Bodenschutzkalkungen und bei der Abstimmung mit den Naturschutzbehörden verwendet
werden.

2. Konkrete Vorgehensweise in naturschutzrelevanten Flächen und
Lebensräumen

Waldbiotope

Waldbiotoptypen sind entsprechend ihrer Kalkungssensitivität in drei Kategorien klassifiziert
(kalkungssensibel/ zu prüfender Waldbiotop/ kalkungstolerant). Kalkungssensible Biotope
werden mit Puffer (100m) aus der Kalkungskulisse herausgenommen. Für die zu prüfenden
Biotope – in der Regel handelt es sich um Mischbiotope mit mehreren Biotopstrukturen
unterschiedlicher Kalkungsempfindlichkeit - ist eine Einzelfallentscheidung notwendig.
Hinweise für die Prüfung finden sich in den Biotopbelegen.

FFH-Gebiete

Analog zur Zuordnung bei den Waldbiotopen wurde für die einzelnen Waldlebensraumtypen
nach der FFH-Richtlinie die Empfindlichkeit gegenüber Bodenschutzkalkung eingestuft. Die
Wald-Lebensraumtypen nach FFH-Richtlinie entsprechen dabei hinsichtlich ihrer
Kalkungsempfindlichkeit der Einstufung der WBK-Waldgesellschaften. Derzeit sind die
Anhang II-Arten der FFH-Richtlinie 1381 Grünes Gabelzahnmoos (Dicranum viride) und
1396 Grünes Koboldmoos (Buxbaumia viridis) als kalkungsempfindlich eingestuft. Die
Vorkommensbereiche einschließlich Pufferbereich sind daher von einer Bodenschutzkalkung
auszuschließen.

Auerwildhabitatflächen mit Kalkungsausschluss

In den kartierten „Auerhuhnrelevanten Flächen“ wurden Waldflächen als
Ausschlussstandorte für die Kompensationskalkung definiert, wenn Waldkomplexe von mehr
als 50 Hektar vorhanden waren, die überwiegend durch stark versauerte Standorten mit
geringem Regenerationspotenzial geprägt sind. Daneben ist in den Auerhuhnrelevanten
Flächen der Prioritätsstufen 1 bis 2 eine Kalkung nur im Zeitraum vom 30.07. bis zum 30.11.
erlaubt.

Waldschutzgebiete und Naturschutzgebiete/-denkmale

Bannwälder stellen Ausschlussgebiete für Bodenschutzkalkungen dar. Grundlage für die
Beurteilung von Kalkungsmaßnahmen in Schonwäldern und Naturschutzgebieten/-
denkmalen stellen die Schutzgebietsverordnungen dar. Widerspricht eine
Bodenschutzkalkung dem Schutzzweck sind die Schutzgebiete von der Kalkung
auszunehmen.

3. Praktische Umsetzung

Für die Planung und Steuerung von Bodenschutzkalkungen werden derzeit
Kalkungsempfehlungskarten entwickelt, die den Planenden (i.d.R. auf den Unteren
Forstbehörden) flächenscharf Informationen zur Kalkungsdringlichkeit bereitstellen werden.
In diese gehen die Informationen zur Kalkungssensitivität naturschutzrelevanter Flächen und
Lebensräume mit ein. Die genannten naturschutzrelevanten Ausschlussflächen werden
vorab aus den Plankulissen herausgenommen. Nachrichtlich aufgenommen werden
Prüfflächen, deren Beeinträchtigung durch Bodenschutzkalkungen Vorort überprüft werden
muss. Durch die Einbettung in das forstliche Geoinformationssystem InFOGIS soll die
Zugreifbarkeit im Planungsprozess auf der Ebene der Unteren Forstbehörden gewährleistet
werden. Zusätzlich wird hierdurch die Aktualität beim Datenzugriff sicher gestellt und im
Bedarfsfall können notwendige Anpassungen rasch umgesetzt werden.

Prinzipiell können bei der Bodenschutzkalkung eingesetzte dolomitische Kalke ganzjährig
ausgebracht werden. Aus bodenzoologischer Sicht sollten jedoch keine trockenen Stäube in
der Hauptvegetationszeit verblasen werden.

Relevante Hintergrunddokumente:

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