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INFOTHEK

Biodiversität

„Biodiversität“ – das verbindende Element der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz ForstBW

Die Verbesserung der biologischen Vielfalt – oder Biodiversität – im Staatswald ist
ein unverzichtbares und wichtiges Ziel. Neben dem weit verbreiteten
gesellschaftlichen Wunsch nach einem hohen Schutzniveau geht es dabei
wesentlich auch um den langfristigen und nachhaltigen Erhalt unserer
Lebensgrundlagen. Der Erhalt dieser biologischen Vielfalt ist daher das Ziel aller
Naturschutz-Maßnahmen im Wald.

Ein vager Begriff mit hohem Wert
Zur Begriffsbestimmung der biologischen Vielfalt bestehen mehrere unterschiedliche
Definitionen. Die heute am weitesten verbreitete Bedeutung basiert auf der Definition
des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD, 2007). In diesem Sinne
bedeutet „biologische Vielfalt die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher
Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und sonstige aquatische
Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören; dies umfasst
die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten und die Vielfalt der
Ökosysteme“.

Diese Definition umfasst so viel, dass wenig in der lebendigen Welt nicht unter sie
fällt (Jax, 2002). Der Begriff war nie ein rein deskriptiv-naturwissenschaftlicher
Begriff, sondern ein bewusst werte-beladener und politisch durchtränkter bzw. ein
Hybrid aus naturwissenschaftlichem und politischem Begriff (s. Eser, 2007). Er kann
daher als ein „Grenzobjekt“ verstanden werden (Vilmer Thesen, 2010). Dabei wird
Biodiversität als Ressource behandelt, von deren nachhaltiger Nutzung letztlich das
Wohlergehen der heutigen und vor allem der zukünftigen Menschheit abhängt.
Ähnlich wie der Nachhaltigkeitsbegriff besitzt auch „Biodiversität“ aufgrund ihrer
Unbestimmtheit eine „integrierende Funktion“. Es eröffnen sich dadurch
Möglichkeiten, die beiden Seiten „Schutz“ und „angemessene menschliche Nutzung“
der Natur mit einander zu verknüpfen und Widersprüchlichkeiten innerhalb des
Naturschutzes aufzulösen.
Um den Erhalt der biologischen Vielfalt jedoch operationalisierbar zu machen, bedarf
es einer kontinuierlichen, kontext-bezogenen Konkretisierung. Z.B. ist es aufgrund
der immensen Artenfülle nicht realistisch alle Arten zu schützen. Die Frage danach,
welche Biodiversität geschützt werden soll, bedarf dabei einer normativen
Orientierung. Sie muss sowohl interdisziplinär – gemeinsam mit Natur-, Sozial- und
Gesellschaftswissenschaften – als auch transdisziplinär – gemeinsam mit den
Handelnden – diskutiert werden und in einen Diskurs zwischen Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft einmünden.

Im Staatswald Baden-Württemberg wurden während der letzten Jahrzehnte zu
unterschiedlichen Bausteinen der Biodiversität im Wald viele verschiedene
Naturschutzaspekte und Programme sektoral innerhalb der Waldwirtschaft
umgesetzt: von verschiedenen Artenschutzprogrammen (z.B. Auerhuhnaktionsplan)
über Biotopschutz (ca. 82.000ha), Schutzgebietsprogramme (Bannwald ca. 6.800ha
und Schonwald ca. 17.000ha), Natura 2000-Gebiete (27% der Waldfläche) mit deren
Managementplänen zur „Erhaltung oder zur Wiederherstellung eines günstigen
Erhaltungszustands“ der nach den Richtlinien Wert gebenden Arten (Rathgeber et
al., 2010) bis hin zum Alt- und Totholzprogramm im Staatswald Baden-Württemberg
(Schmalfuß, 2010). Gleichwohl stehen alle diese Teilstrategien bislang
zusammenhanglos und ohne Berücksichtigung bestehender Konflikte und Synergien
nebeneinander.
Demgemäß und mit dem obersten Ziel, die Biodiversität zu erhalten und zu fördern,
werden im Rahmen des Projekts Gesamtkonzeption Waldnaturschutz ForstBW
bestehende Widersprüche zwischen verschiedenen naturschutzfachlichen
Anforderungen aufgezeigt, diskursfähig gemacht und es werden Lösungsstrategien
hierfür entwickelt. Dabei werden die für ForstBW zukünftigen prioritären
Handlungsfelder identifiziert und – unter Einbindung aller Akteure rund um das
Thema Waldnaturschutz – Vorschläge für konkrete Handlungsempfehlungen und -
maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität und zur Integration des Waldnaturschutzes
in die multifunktionale Waldwirtschaft von ForstBW erarbeitet.

Literatur
Eser, U. (2007) Biodiversität – ein wissenschaftliches oder politisches Konzept?
Denkanstöße, Heft 7: 37-45
Jax, K. (2002) Warum soll Biodiversität geschützt werden? Das Problem der
Bewertung der Biodiversität aus umweltethischer Sicht. Laufener Seminarbeiträge
2/02, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, S. 125-133.
Piechocki, R., Ott, K., Potthast, T. & Wiersbinski, N. [Bearb.] (2010): Vilmer Thesen
zu Grundsatzfragen des Naturschutzes : Vilmer Sommerakademien 2001-2010. –
Bonn (Bundesamt für Naturschutz,) (BfNSkripten; 281)
Rathgeber, J., Marx, J., Waitzmann, M. (2010): Artenschutz im Wald. AFZ-DerWald,
65. Jahrg., 1, 15-16.
Schmalfuß, N. (2010): Das Alt- und Totholzkonzept für den Landesbetrieb ForstBW.
AFZ-DerWald, 65. Jahrg., 1, 10-12.
































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