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Artenmanagement im Wald

Fichte als "Brotbaum des Bauern"?

von Hartmut Riemer am 06.03.2012 | 09:51 | Kommentare: 7 |

Sehr geehrter Herr Moderator, liebe Forumsteilnehmer!

Als "Öko-Jäger" gehört der "naturnahe Waldbau" zu meiner Überzeugung und zu meinem Umgang mit Wald und Wild. Mir fehlt aber in der waldbaulichen Konzeption für den Staatswald eine Antwort auf den immer lauter werdenden Ruf diverser Industriezweige nach leicht zu verarbeitendem, raschwüchsigem Holz. Nach meiner Kenntnis wird dieser Nachfrage weitgehend aus dem Ausland oder bei uns aus dem Privatwald nachgekommen.

Da zudem seit einigen Jahren im im Laubholzbestand des baden-württembergischen Staatswaldes stärker eingegriffen wird als es die vorgegebene Nachhaltigkeit erlauben würde, ist doch die Frage, ob nicht in diesen so ausgelichteten Wäldern ein höherer Anteil von Fichten ihren geschützten Platz finden könnte?

Mit waldbaulichen Grüßen
Hartmut Riemer

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  Kommentare
Felix Reining am 20.03.2012 16:29:04

Hallo Herr Bernhard,

in den vergangenen Jahrzehnten ist tatsächlich mehr genutzt worden als nachwächst - aber nur bei den Nadelbäumen. Insgesamt lagen die Nutzungen unter dem Zuwachs, vor allem bei Laubbäumen wachsen die Holzvorräte stetig an. Das ist duch die Bundeswaldinventuren belegt.
Die Einteilung in "Holzacker" - Biodiversität - Erholung haben Sie sicher nicht ernst gemeint. Aber es ist doch vollkommen in Ordnung, wenn wir aus dem Wald eine angemessene Wertschöpfung erzielen. Die demokratische Mehrheit ist sicher damit einverstanden, dass die Waldbesitzer aus diesen Einnahmen dann auch die Erholungswege pflegen oder zusätzliche Naturschutzmaßnahmen finanzieren.

Bernhard am 20.03.2012 15:27:12

Es ist nicht zu akzeptieren,dass in Waldbestände stärker eingegriffen wird, als es der Nachhaltigkeit entspricht.Wenn schon wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen sind, so sollten doch die Schwerpunkte gleichmäßig auf die Bereiche Holzacker, biologische Vielfalt und Erholung verteilt werden.Es dürfen auf keinen Fall nur die wirtschaftlichen Gesichtspunkte betont werden! Das würde auch sicher nicht dem Standpunkt der demokratischen Mehrheit entsprechen.

Förster H am 16.03.2012 21:13:54

Hallo Herr Rittscher,
eine Baumart per se muss doch keine Monokultur sein. Sowie in einem zu verjüngenden Bestand waldbauliches Fingerspitzengefühl und Wildstand passen, werden sie es kaum verhindern können, dass sich ein rel. artenreicher Mischwald entwickelt. Selbst auf Störungsflächen wie "Lothar", "Wiebke" und Konsorten sind erstaunlich artenreiche Bestände entstanden.
Die grösste Gefahr für den zweifellos richtigen Weg, der die letzten zwanzig Jahre wirklich tolle und vor allem stabile Mischbestände aus ehemaligen Nadelreinbeständen hat entstehen lassen, liegt bei den Leuten, die erst die Waldarbeiter und dann die Förster auf eine Dichte eingedampft haben, welche schon die Kernaufgaben einer naturnahen Waldbewirtschaftung kaum noch ermöglichen. Und fehlende oder verspätete Pflege schafft bekannterweise eher Reinbestände konkurrenzstarker Baumarten.
Die derzeit enorme Nachfrage nach Fichtenstammholz in Verbindung mit sehr hohen Preisen dafür lässt in denselben Amtsstuben übrigens das Prinzip der naturnahen Waldwirtschaft schon etwas nostalgisch erscheinen.

Jörg Rittscher am 16.03.2012 3:00:31

Ob die Fichte der Brotbaum der Forstbesitzer ist bezweifle ich.
Fichte, Douglasie und Konsorten sind doch Monokulturen, die einen schnellen Umsatz garantieren, aber meistens
nicht standortgerecht sind.

Als Öko-Jäger, sollte man doch das Wort "Öko" verstehen?

Der Waldbau, so wie er sich mir darstellt, ist tatsächlich eine für die nächsten Generationen geplante
Angelegenheit.
Das aktuelle Ziel ist doch, einen Laubmischwald
heranwachsen zu lassen, der in Zukunft durch
Naturverjüngung heranwächst, den kommenden
Klimabedingungen gewachsen ist.
Zudem durch seine standortgerechte Baumarten auch einen
"Verbiß" des Rehwilds, oder Schälschäden des Rotwildes
standhält.
Soweit mir bekannt ist, zählen Monokultren von Fichte, Douglasie und Konsorten zum "Alten Eisen".
Waldbauern die auf solche Industriebaumarten bauen,
bauen nicht für die Zukunft an.

Karl Franz Hecker am 15.03.2012 21:05:23

Sehr geehrte Teilnehmer,sehr geehrter Herr Riemer

die Forstwirtschaft kann wohl als eine der ältesten Branchen gelten,welche einen regen internationalen Handel betreibt.

Das zur Auslastung der in Deutschland ansässigen holzverabeitenden Betriebe kann in Deutschland im Sinne einer nachhaltigen Holzproduktion nicht erzeugt werden.

Naturnaher Waldbau kann sich demzufolge nicht primär an den aktuellen Bedürfnissen unterschiedlicher Nutzer,sondern muss sich an den Bedingungen der konkreten Standortverhätnisse ausrichten.

Diese sind bekanntlich auch einer rascheren Veränderung begriffen als es wünschenswert ist. Die Nadelbaumart welche sich im Kontext des naturgemäßen Waldbaus empfiehlt ist verallgemeinert die Tanne.Diese setzt bekanntlich aber angepasste Schalenwildbestände und die Vejüngung unter Schirm voraus.

Durch Mischung und Totholz(stehend und von ausreichender Dimension)sind aber auch etliche waldbauliche Schwierigkeiten(Feinerschließung,Arbeitssicherheit,schonende Starkholzernte,etc.)zu meistern.Der Rückgang des Forstpersonals in der Fläche steht dem eindeutig entgegen.
Ebenso muss bedacht werden inwieweit auch der Nachhaltigkeit der verschiedenen Waldfunktionen nachgekommen werden soll.

Im Kleinprivatwald verspricht grundsätzlich der altersklassen Reinbestand zumindest einen halbwegs "handle"-baren Wald.Zumal für viele Kleinprivate auf Bestandesebene lediglich die Nachhaltigkeit der Holzproduktion eine Rolle spielt.

Das Fundament(Brot) der Forstwirtschaft ist öffentlich und privat der Nadelholzanbau,für mich stellt sich aber die Frage des Wie und mit welchen Arten.

Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Vergütung der Leistungen welche der naturgemäße Waldbau in weit vielfätiger Weise erbringt als andere Wirtschaftsweisen(auch als der naturnahe Waldbau).Diese könnte auch im Sinne der Folgekosten auf einen tatsächlich erstrebenswerten Nadelholzanteil hinweisen......

MFG

Dr. Tobias Kühn am 06.03.2012 22:08:24

Sehr geehrter Herr Riemer,

dass der Laubholzbestand im Staatswald (oder sonstwo in BW) übernnutzt würde, ist falsch - im Gegenteil, der Holzvorrat nimmt zu, es gibt immer mehr alte Laubbäume. Hauptgrund: außer Brennholz nur wenig Absatzmöglichkeiten, keine technologische Weiterentwicklung wie bei nadelholz möglich.
Lösung der Nadelholzknappheit: gezielt Nadelholzbestände wieder auf Nadelholz (gerne auch it einigen % Mischbaumarten) verjüngen.
Und: ordentlich jagen!

Rachel am 06.03.2012 10:51:00

Aber bitte kein Eukalyptus!

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