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Artenmanagement im Wald

Höhlenbäume und Horstbäume

von RauzSchonh am 28.03.2012 | 21:11 | Kommentare: 6 |

Es sollte eine landes-einheitliche Markierung von Höhlenbäumen ebenso wie für Horstbäume von Großvögeln wie z.B. Rotmilan, Wespenbussard u.a. eingeführt werden. Im Schwarzwald-Baar-Kreis ist im öffentlichen Wald eine rote Wellenlinie um den Stamm als Kennzeichnung festgelegt.
Die Absenkung der Holzvorräte darf nicht zu Lasten der Althölzer vorgenommen werden, da der Schwarzspecht für die Anlage seiner Höhlen auf starke Dimensionen, die eben in dieser Altersklasse auftreten, angewiesen ist. Diese Höhlen werden oft 1 - 2 Jahrzehnte lang vom Schwarzspecht selbst wie auch z.B. vom Raufußkauz genutzt. Sind nur Habitat-Inseln ausgewiesen, konzentrieren sich die Höhlen auf solche Waldteile und dem Baummarder als Beutegreifer wird der Zugriff auf Specht und Kauz erleichtert. Allein mit Habitat-Inseln ist die Erhaltung einer Raufußkauz- und Schwarzspechtpopulation nicht gewährleistet (Verschlechterungsverbot !).

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  Kommentare
Waldläufer am 30.03.2012 17:51:16

Die Forderung nach einer finanziellen Entschädigung für die Erhaltung von Höhlenbäumen ist zwar nicht neu, für mich aber unverständlich. Welchen Anteil haben den solche Höhlen- oder Horstbäume in einem normalen Wirtschaftswald? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Nutzungsverzicht dieser Bäume bei einem Waldbesitzer wirtschaftlich ins Gewicht fällt. Wenn ich mir die Erschließung der Wälder mit Forstwegen und Rückelinien anschaue und den damit verbundenen Flächenverlust, so steht das in keinem Verhältnis zu den wenigen zu schützenden Bäumen. In manchen Wäldern werden sogar für die Anlage von Wildäckern Flächen gerodet und somit, im Gegensatz zu den Forstwegen, völlig unwirtschaftlich auf „Anbaufläche“ verzichtet.


Es grüßt der Waldläufer

Dr. Tobias Kühn am 30.03.2012 7:59:55

Höhlenbäume sind wichtig, aber das darf nicht dazu führen, dass alte Bäume per se sakrosant sind, denn das würde private und kommunale Waldeigentümer doch zu der Überlegung bringen, dass es vorteilhaft sein könnte, erst gar keine Bäume so alt werden zu lassen, dass sie geeignete Höhlenbäume geben. Genau das wird aber passieren, wenn die Nutzungsverzichte nicht auch monetär honoriert werden.

Dr. Joachim Rock am 29.03.2012 23:37:57

Hallo Herr Enssle,

da ich die Konzeption nicht erarbeitet habe kann ich nichts dazu sagen, warum etwas darin enthalten ist oder nicht. Wenn in BW die Buche gegen den Bundestrend deutlich früher statt später als 140 Jahre genutzt wird würde mich das sehr überraschen. Bis 2008 haben die Vorräte und Flächen in den alten Laubholzbeständen und eben auch bei der Buche seit der BWI 1 doch kontinuierlich zugenommen und die Marktsituation für Buche hat sich seit damals m. W. nicht signifikant verbessert. Oder ist das in BW anders als im Rest Deutschlands?

Mit freundlichen Grüßen,

Joachim Rock

Johannes Enssle am 29.03.2012 23:17:07

Lieber Herr Rock,

ich wünschte Produktionszeiten von 140 Jahren bei Buche wären wirklich die Regel. Derzeit erleben wir in der Diskussion (und in der Prxis draußen) doch eher, dass die Zeiten kräftig verkürzt werden und man froh sein darf, wenn eine Buche 120 Jahr alt wird...

Könnte das mit ein Grund sein, warum die Konzeption nichts zu Buchenwäldern sagt?

Waldläufer am 29.03.2012 23:11:46

Beim Raufußkauz sind die Bruthöhlen eindeutig der begrenzende Faktor. Das Nahrungsangebot ist starken Schwankungen unterworfen. Der Raufußkauz versteht es dennoch ein erhöhtes Nahrungsangebot optimal zu nutzen. Die Männchen halten geeignete Reviere besetzt, während die Weibchen weit umherstreifen um sich dort einen Partner zu suchen, wo aktuell das höchste Nahrungsangebot vorhanden ist. So hat ein Weibchen in der Schweiz erfolgreich gebrütet um nur wenige Wochen später im Schwarzwald eine zweite Brut zu beginnen. Sie hat offensichtlich das gute Nahrungsangebot an zwei weit entfernten Gebieten genutzt um erfolgreich ihre Jungen aufzuziehen. So etwas geht aber nur, wenn genügend Brutmöglichkeiten vorhanden sind.

Für die Anlage dieser Höhlen braucht der Schwarzspecht entsprechend starke Bäume. Das müssen keine Buchen sein Tannen und Kiefern tun es auch.

Es grüßt der Waldläufer

Dr. Joachim Rock am 28.03.2012 22:05:29

Sehr geehrte/-r RauzSchonh,

gerade der Schwarzspecht kommt bei den durchschnittlichen Bonitäten in BW für den Erhalt einer Population mit einer Produktionszeit von 140 Jahren hin. Wichtiger als die Höhlenbäume (wo im Verbreitungsgebiet gibt es sonst noch Bäume mit der Dimension 120jähriger Buchen?) ist ein ausreichendes Nahrungsangebot. In den 1980er Jahren gab es mit die größten Bestandesdichten in Thüringen in Regionen mit Fichten-Kahlschlagswirtschaft mit eingestreuten Buchenbeständen (Umtriebszeit 120 Jahre). Ein böser Schelm könnte jetzt die Abkehr von der Fichte auch als Verschlechterung betrachten ...

Das Gesamtsystem ist entscheidend.

MfG

Joachim Rock

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