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Lichte, offene Wälder

Rahmenbedingungen für Waldweide verbessern

von Johannes Enssle am 23.03.2012 | 13:53 | Kommentare: 5 |

Die gezielte Wiederaufnahme der Waldweide ist zu begrüßen. Jedoch sind die Rahmenbedingungen in BW dafür derzeit sehr ungünstig, denn sie stellt laut Landeswaldgesetz (LWaldG § 83, 2.16) eine Ordnungswidrigkeit dar. Zwar kann Waldweide auch als Nebennutzung im Sinne des § 14, 2 (LWaldG) interpretiert werden. Von unwilligen Forstbehörden kann dies dann aber schnell als „Beeinträchtigung der Waldfunktion“ (vgl. § 14, 2) interpretiert werden. Deshalb sollte Waldweide im Privatwald als legitime Nebennutzung in das Waldgesetz mitaufgenommen werden, vorausgesetzt, Nachbarbestände sind ausreichend geschützt.

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  Kommentare
Johannes Enssle am 26.03.2012 14:21:40

Hallo Herr Rock,

selbstverständlich wäre es reizvoll, wenn die Datenlage für alle Arten so gut wäre, dass wir sagen könnten: für diese oder jene Art brauchen wir XY % Urwälder, für diese oder jene Art brauchen wir XY % Waldweide usw.

Leider sind wir aber noch nicht an diesem Punkt. Hinzu kommt, dass es bei den "Urwäldern" ja auch nicht allein um den Artenschutz geht, sondern auch um den Schutz natürlicher Dynamik (d.h. Prozessschutz), um Naturerlebnis und Pädagogik (durch Erleben und Beobachten von "Wildnis") und um Erkenntnisse (wiss. Forschung für eine möglichst naturnahe Waldbewirtschaftung).

Ob man dazu 5 %, 10 % oder sogar 20 % der Waldfläche braucht, kann ich Ihnen derzeit nicht mit Sicherheit sagen. Können Sie es?

Scherzinger forderte 1996 zwischen 15-30 % der Waldfläche (Scherzinger 1996).

Die LANA sprach 1992 von „mind. 5 %“ .

Der SRU wiederholte in seinem Umweltgutachten diesen Wert (SRU 200). Ich denke, dies war auch die Richtschnur für die nationale Biodiversitätsstrategie.

Es handelt sich beim 5 % Ziel der NBS also - wie alle eigentlich wissen - um eine gesellschaftspolitische Kompromisslinie. Vor dem Hintergrund, dass immer noch die Mehrzahl der Arten, die an die Alters- und Zerfallsphasen gebunden sind, akut bedroht sind, können Sie unsere 5 % bzw. unsere 10 % Forderung auch dem „Vorsorgeprinzip“ zuordnen. D.h. so lange wir es nicht wissen, sind wir lieber vorsichtig. Wobei dann auch noch nicht sicher ist, ob nicht eher 15 % oder 30 % notwendig wären (siehe Scherzinger 1996) satt 5-10 % fordern müssten. Sicherlich hatte Scherzinger 1996 auch noch etwas andere Wirtschaftswälder vor Augen, als wir das heute haben.

Bei den lichten und offenen Waldflächen könnte ich mich jetzt festlegen und sagen: wir brauchen 15 % der Waldfläche als „lichte und offene Wälder“. Ich lege mich hier aber (noch) nicht fest, da ich die Hoffnung habe, dass es im Rahmen der Naturschutzkonzeption möglich sein wird, diese Frage tatsächlich zu klären.

Was die Urwälder von morgen betrifft, so hoffe ich dass das NWE5 Projekt der NW-FVA hier zu schlüssigen Ergebnissen kommen wird.

In diesem Sinne, beste Grüße,
Johannes Enssle

Dr. Joachim Rock am 26.03.2012 13:18:11

Sehr geehrter Herr Enssle,

wird da nicht mit zweierlei Maß gemessen? Bezüglich der besonderen Bewirtschaftungsformen (Eichen-Mittelwälder und Hutewälder sind ja nur zwei Beispiele) warten Sie auf eine Bedarfs- und Potentialanalyse, bei anderen Arten / Zielen werden pauschale Forderungen ohne vorherige Analyse erhoben? Wäre es da nicht insgesamt zielführender alle Arten gleichberechtigt zu behandeln?

Mit freundlichen Grüßen,

Joachim Rock

Johannes Enssle am 23.03.2012 21:39:59

Sehr geehrter Herr Rock,

zu Ihrer Frage: welche Flächenanteile sind denn nach Sicht des NABU als Waldweidefläche anzustreben und / oder vertretbar?
- Diese Frage lässt sich wohl erst beantworten, wenn Ziel 4 dieser Konzeption (Naturschutzfachlicher Bedarf und Potenzial von Eichenmittelwäldern sind in einer Konzeption erarbeitet...)erreicht ist.

zu Ihrer zweiten Frage: Und in welchen Bereichen? Auch innerhalb von FFH-LRT?
- Innerhalb von FFH-LRT macht es nur dann Sinn, wenn es dem Erhaltungszustand des jeweiligen LRTs dienlich ist.

Felix Reining am 23.03.2012 15:07:22

Hallo Herr Enssle,

ich gehe davon aus, dass auch die Förster das Waldgesetz kennen. In § 83 steht nämlich nur, dass die UNBEFUGTE Waldweide eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Also bereits jetzt kein unüberwindbares Problem - der Waldbesitzer muss aber zustimmen und dieser Vorbehalt steht ihm hundertprozentig zu.
Ich warne auch davor, das Gebot der pfleglichen Waldbewirtschaftung aufzuweichen. das kann nicht im Interesse des Naturschutzes sein.
Eine Waldgesetzänderung in diesem Punkt ist deshalb nicht zu befürworten.

Dr. Joachim Rock am 23.03.2012 14:08:56

Hallo Herr Enssle,

welche Flächenanteile sind denn nach Sicht des NABU als Waldweidefläche anzustreben und / oder vertretbar? Und in welchen Bereichen? Auch innerhalb von FFH-LRT?

Viele Grüße,

JR

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