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Lichte, offene Wälder

Offensive Strategie fehlt - Artenspenderzentren Wald

von Dr. Alois Kapfer am 28.03.2012 | 17:53 | Kommentare: 0 |

Ein großer Prozentsatz unserer seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten ist aufgrund Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende langer intensiver Waldnutzung (Brandrodung, Hutweide, Niederwaldwirtschaft, Mittelwaldwirtschaft etc.) ko-evolutiv auf lichte, offene Wälder angewiesen. Dabei haben sich bei insgesamt niedrigem Trophiestatus der Landschaft immer wieder Phasen von flächiger Intensivbewirtschaftung mit großer Störungsintensität bei Bevölkerungszunahme mit Sukzessionsphasen mit geringem oder ohne menschlichen Eingriff (Wüstungsperioden) abgelöst. Diese Form des Umgangs mit Waldflächen hat erst vor ca. 150 bis 200 Jahren im Gefolge des Übergangs vom Feudal- und Gemeineigentum zum heutigen Privateigentum mit Bauernbefreiung, Industrialisierung etc. aufgehört zu existieren. Für Pflanzen und Tiere ein extrem kurzer Zeitraum. Seitdem verwalten wir den Rückgang. Heutige „normal“ Holz produzierende, schattige Wälder sind kaum in der Lage, diesen Rückgang zu verhindern. Auch Bannwälder können dies kaum leisten, da sich nur in Teilen die Lebensraumqualität dieser „Lichtarten“ bereitstellen.

Der ggf. erreichbare konservierende Schutz der letzten Reste von „Lichtwaldbiotopen“ wird den Rückgang dieser Arten m. E. nicht verhindern, allenfalls weiter hinauszögern. Statt einer rein konservierenden Strategie sollte eine progressive Waldnaturschutzkonzeption auch über eine aktive, gestaltende Strategie verfügen. Wir brauchen dringend größere, zusammenhängende Waldkomplexe (>= 1000 ha), die — ohne konkurrierende Produktionsfunktion und ohne beeinträchtigende Randeffekte - in Anlehnung an historische Nutzungsformen primär als Artenspender-Zentren für die anthropogen Lichtarten (als Ganzes) gemanagt werden. Ziel wäre dabei, nicht nur das Überleben der lokalen Populationen zu sichern, sondern langfristig Überschüsse für pessimale Populationen zu liefern. Mir ist bewusst, dass dies nicht mit Produktionsforstwirtschaft in Einklang zu bringen ist.

Mein Vorschlag: Ausweisung von je einem Staatsforstrevier als Schwerpunkt-Revier „Artenspender-Zentrum Wald“ pro mittlerer naturräumlicher Einheit (z.B. West-, Mittlere- und Ost-Kuppenalb).

Meine Vision: Ein Raster von Artenspender-Zentren Wald über ganz Baden-Württemberg, die durch gezieltes unzweideutiges Lebensraum-Mangement einen Überschuss an Verbreitungseinheiten gefährdeter Arten für die vielen kleinen Biotope und Biotopstrukturen im Wirtschaftswald als Ökosystem-Dienstleistung produzieren. Ein reiches Bundesland sollte sich das leisten können.

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