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Prozessschutz

Kurzbeschreibung
In diesem Wiki werden die vielfältigen Beiträge und Hinweise zum Handlungsschwerpunkt Prozessschutz der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz ForstBW zusammengetragen. Die Beiträge beziehen sich teils auf allgemeine Aspekte zum Thema „Prozessschutz“, teils auf die von der Projekt-AG vorgeschlagenen Maßnahmen.
Beschreibung
Allgemein Anmerkungen

Nach Aussagen von Herrn LFP Reger im Rahmen der Live-Diskussion in diesem Forum werden von ForstBW die Herausforderungen und Aufgaben im Bereich Naturschutz in den kommenden Jahren vornehmlich in
- der geplanten Ausweisung von Großschutzgebieten
- der Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie bzw. der Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag 10 % der staatlichen Waldfläche aus der Nutzung zu nehmen
- der Umsetzung von NATURA 2000 im Wald sowie in
- der Vereinbarkeit von Energiewende und Waldnaturschutz z. B. bei Windenergieanlagen und Auerhuhn
„und all dies vor den Herausforderungen des Klimawandels“ gesehen. Prozessschutz sei dabei ein Teil der vielfältigen Anforderungen an unsere Wälder. Diesbezüglich äußerte ein Teilnehmer seine Befürchtungen vor einer großflächigen Waldstilllegung, woraufhin Herr Reger erläuterte, dass durch das Strategische Nachhaltigkeitsmanagement die Gleichrangigkeit der Dimension Ökologie, Ökonomie und Soziales für den Staatswald Baden-Württemberg verbindlich festgelegt sei.

Zur allgemeinen Schutzgebietsthematik wird in einem Beitrag der prinzipielle Wunsch geäußert, dass vor der Ausweisung neuer Schutzgebiete dafür Sorge getragen wird, dass „bestehende konsequent entsprechend ihrer Zielsetzung ausgestattet (Personal) und entwickelt (wissenschaftliche Begleitung) werden“ (alpenbock). Ein weiterer Nutzer wünscht sich, dass Bannwaldgebiete häufiger und auch in stadtnahen Zonen ausgewiesen werden sollten (Bernhard).

Naturschutzfachliche Bedeutung von Prozessschutzflächen

Ein mehrfach angesprochenes Thema in den Diskussionen ist die Relevanz von Prozessschutz für den Naturschutz. Unser Experte Herr Dr. Bollmann sieht die Bedeutung dieser Flächen im Wesentlichen in drei Aspekten:
1. „Erhaltung zahlreicher gefährdeter Arten der Alters- und Zerfallsphasen“
2. „Förderung vielfältiger, natürlicher Prozesse im Wald“
3. „Beobachtung von natürlichen Prozessen ohne menschlichen Einfluss, um Handlungsrichtlinien für die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen zu erarbeiten“.

Prozessschutz erfordere dabei eine Flächengröße von mind. 50-100 ha, es komme allerdings auf das Ziel an („Für gewisse Totholzspezialisten genügen aber auch wenige ha“). Diesbezüglich fordert ein Teilnehmer, Bannwälder nur „ dort wo es noch tatsächliche und nicht nur vermeintliche Lücken zu füllen gibt“, auszuweisen.
Um die Vernetzung von Prozessschutzflächen zu gewährleisten empfiehlt Dr. Bollmann die Feststzung von „Totholzinseln und Biotopbäume bei den Standards für nachhaltigen Waldbau“, so dass zwischen den Flächen Trittsteine entstehen.

Gleichwohl betont Dr. Bollmann, dass Prozessschutzflächen „nur ein Instrument zur Förderung der Artenvielfalt“ seien. Um allerdings die vielen, auf bestimmte Nutzungsformen angewiesenen Waldarten zu schützen, brauche es „mehrere, sich in ihrer Wirkung ergänzende Naturschutzinstrumente“. Ein anderer Nutzer ist diesbezüglich der Ansicht, dass die Biodiversität eines Naturwaldes geringer sei als ein künstlich gestalteter naturnaher Wald (Holzhacker). Da ein Wirtschaftswald allerdings andere Arten beherberge als ein Wirtschaftswald und somit die Summe der beiden Artenspektren höher als die eines reinen Wirtschaftswaldes ist, tragen Prozessschutzwälder durchaus zu einer höheren Artenvielfalt bei, meint ein weiterer Diskussionsteilnehmer (Vollkommener Ernst). Diesbezüglich sei großflächiger Prozessschutz in Deutschland immer noch unterrepräsentiert. Artenschutz sei nach Meinung des Nutzers jedoch nicht primäres Ziel von Prozessschutz, es müsse daher auch erklärt werden, wozu man Prozessschutz will; dies sei bislang — abgesehen von einem Beispiel aus Bayern — noch nirgends erläutert worden.

Prozessschutz und Klimawandel

In Bezug auf den Klimawandel weist ein Teilnehmer darauf hin, dass die Rolle der Wälder viel stärker berücksichtigt werden sollte und dass mittels Prozessschutz der Frage nachgegangen werden sollte „Welche vorhandenen Wälder können am besten dem Klimawandel entgegenwirken?“ (stollenbach)
Auf der anderen Seite vertritt ein Nutzer die Meinung, dass durch nutzungsfreie Waldflächen auch gewisse Mengen des Rohstoffs Holz der Nutzung entzogen werde, womit auch die Möglichkeit der Vermeidung von CO2-Emissionen durch diese Holzmengen verloren gingen. Dies fördere letztendlich auch die Zerstörung der heutigen Ökosysteme durch die Klimaerwärmung (fe). Diesbezüglich hält es ein Teilnehmer für wichtig, dass hinsichtlich der CO2-Bilanz dieser „Holzverlust“ durch Aufklärungsarbeit z.B. hinsichtlich Recycling und bewusstem Kaufen kompensiert werden muss (Vollkommener Ernst).

Prozessschutz und Erholung

Gemäß einem Diskussionsteilnehmer widerspricht die Ausweisung von Bannwaldflächen größtenteils unseren historischen Erfahrungen, gleichwohl er ihnen „als natürliche Konsequenz fehlender Wald-Bewirtschaftung“ eine Existenzberechtigung zuspricht (Karl Pfleiderer). Dennoch hat sich für ihn z.B. das Wandergebiet Nationalpark Bayerischer Wald negativ entwickelt, u.a. da Ausblicke von Traufen und Kanzeln eingewachsen sind und er „tote, herumliegende Bäume nicht als Augenweide empfindet. Für ihn wird der hohe Wert des Waldes und dessen Schönheit gerade durch dessen Pflege und Bewirtschaftung erreicht. Ein anderer Nutzer ist diesbezüglich der Ansicht, dass auch neben den intensiv gepflegten, hochwertigen Kulturlandschaften sich in einigen Bereichen die Natur frei entwickeln können sollte (JPemsle). Ein anderer Teilnehmer ist der Ansicht, dass man subjektives ästhetisches Empfinden der globalen Verantwortung unterwerfen solle (Vollkommener Ernst).

Geplanter Nationalpark Nordschwarzwald

Das Thema Prozessschutz wurde auch in Bezug auf den geplanten Nationalpark Nordschwarzwald diskutiert. Ein Teilnehmer äußert hierzu die Meinung, dass es sich dabei doch vornehmlich um ein Projekt zum „Ankurbeln des Fremdenverkehrs“ handele und „nicht unbedingt um ein Naturschutzprojekt“ (Wolfgang Steier). Diesbezüglich beschreibt er, dass in der geplanten Region „als Folge der forstlichen Bewirtschaftung“ die Naturausstattung sehr vielseitig und „von hochwertigsten Enztalkiefern bis zu wunderschönen Tannenmischwäldern und natürlichen Piceten so ziemlich alles zu finden“ sei. Auch ein anderer Teilnehmer (Dr. Tobias Kühn) sieht den Nationalpark derzeit „mehr politisch denn sachlich motiviert“ und hofft auf Klärung durch das in der Entwicklung befindliche Gutachten. Eine Bannwaldausweisung aufgrund politischer Einflussnahme lehne er jedoch ab. Hierzu wünscht sich ein Diskussionsteilnehmer mehr Transparenz und Offenheit des Landtags gegenüber der Bevölkerung und spricht sich gegen einen Entwicklungsnationalpark aus: Man solle „ab dem ersten Tag Natur Natur sein lassen und nicht in 30 Jahren der Natur zu erklären versuchen, wie wir es uns vorstellen, dass sie zu sein hat oder werden soll.“ (Corvus corax).
Auf die Frage inwiefern der geplante Nationalpark im Widerspruch zu globalen umweltpolitischen Zielen stehe, erwiderte Herr Reger in der Live-Diskussion, dass er keinen grundsätzlichen Widerspruch erkenne, da es sich bei der Nationalpark-Fläche um ca. 75 000 ha Prozessschutz handele, was 0,6% der Gesamtwaldfläche Baden-Württembergs ausmache.

Prozessschutz und Holzbedarf

Auch die Bereitstellung des Rohstoffs Holz wurde im Zusammenhang mit Prozessschutz angesprochen. Ein Teilnehmer (Baer) plädiert diesbezüglich dafür, „den max. Anteil an Prozessschutzwälder auf aller höchstens 10% festzulegen“ (Bannwälder, Biosphärenkernzonen sowie Habitat und Refugien zusammengenommen). Dabei müsse dann jedoch die Nutzungsfunktion auf allen übrigen Flächen zunehmend größeres Gewicht bekommen. Es wird die Gefahr gesehen, dass andernfalls das „benötigte Holz dann aus anderen Ländern importiert“ wird (Baer).

Finanzieller Ausgleich von Prozessschutzflächen
Im Hinblick auf private und körperschaftliche Wälder wird durch einen Beitrag die Notwendigkeit des finanziellen Ausgleichs der Waldeigentümer angesprochen (Dr. Tobias Kühn). Diese hätten „teils durch jahrhundertelange Bewirtschaftungsverantwortung Waldbiotope geschaffen“ und sollten nun „nicht dadurch bestraft werden, dass diese Wälder dem Eigentumsrecht entschädigungslos entzogen werden“. Findet kein finanzieller Ausgleich statt, könne dies schließlich zur Folge haben, dass Waldbesitzer darauf achten müssten, keine derartigen Biotope entstehen zu lassen.

AuT, Habitatbaumausweisung

In Bezug auf das Alt- und Totholzkonzept wünscht sich ein Teilnehmer, dass die „Umsetzung der Habitatbaumausweisung nicht zu schematisch erfolgen“ und die „in den Beständen örtlich vorkommenden Gegebenheiten“ berücksichtigt werden sollten (alpenbock).


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