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Hinweise / fehlende Aspekte

Douglasie verschärft Wassermangel, Nitratüberschuss und Humusverlust im Klimawandel

von C. Bennerk am 22.03.2012 | 08:57 | Kommentare: 12 |

Sehr geehrte Teilnehmer,
in vielen Beiträgen wurde argumentiert, dass der prognostizierte Klimawandel ein zentrales Argument für die geplante Ausweitung des Douglasienanbaus sei.
Ein Forschungsprojekt zu den Auswirkungen der Einbringung von Douglasie in Kiefern- und Fichtenbestände läßt hingegen gegenteilige Schlussfolgerungen zu.

Zusammenfasend wurde u.a. festgestellt:

1. Der Wasserbedarf der Douglasie ist höher als der von Fichte, Kiefer und Buche. Die für die Grundwasserneubildung wichtige Bodensickerwassermenge ist entsprechend geringer.

2. Douglasie wirkt der Bodenversauerung zwar stärker als die Fichte entgegen und trägt zu einer Verbesserung der Humusform bei. Der Boden verliert dabei allerdings einen Teil seines Humuskapitals.

3.Auf Standorten mit hoher Stickstoffsättigung können die Nitratkonzentrationen im Bodensickerwasser unter Douglasie deutlich höher als unter Fichte liegen. Das ist besonders in Wäldern mit Trinkwasserschutzfunktion zu beachten.

4. Die Douglasie kommt den Ergebnissen dieses Forschungsprojektes zufolge mit Trockenjahren deutlich besser zurecht als die Fichte, jedoch schlechter als die Buche.

Vermehrter Douglasieanbau kann also den Teufelskreis aus Wassermangel und Standortverschlechterung im Klimawandel verschärfen. Diese Erkenntnisse sollten bei der Gesamtkonzeption vordringlich berücksichtigt werden.
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Quelle
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  Kommentare
Vollkommener Ernst am 28.03.2012 9:36:39

Hallo,

gut, das hört sich ja schon reflektierter an. Letztendlich ging es in diesem Board ja um die Schlussfolgerungen, die Sie aus dem "waldwissen"-Artikel (unzulässiger Weise) gezogen haben.
Letztendlich kann ich manchen ihrer Punkte durchaus zustimmen, finde die derzeitige Regelung aber völlig ausreichend und angemessen.

beste grüße

C. Bennerk am 27.03.2012 18:25:52

Sehr geehrter "Vollkommener Ernst",

da der Kommentar "abgeschnitten" wurde hier der Verweis auf den vollständigen Beitrag:

Naturnaher Waldbau
Konzeption für natürliche und naturnahe Waldgesellschaften
von C. Bennerk am 19.03.2012 | 15:28 | Kommentare: 3 |

Im Folgenden möchte ich die Maßnahmen im Einzelnen kommentieren: ....

C. Bennerk am 27.03.2012 18:22:19

Sehr geehrter "Vollkommener Ernst",

danke für Ihre Interpretationen meines Argumentationskonzeptes, die ich nicht teile.

Zu Gesichtspunkten für einen etwaig noch sinnvoll zu vertretenden Flächenanteil der Douglasie habe ich am 19.03.2012 bereits einen umfangreichen Beitrag verfasst, auf den ich mir zu verweisen erlaube:


Im Folgenden möchte ich u.g. Maßnahmen der Gesamtkonzeption im Einzelnen kommentieren:

1. Zu "Keine Erhöhung der Douglasienanteile auf Kosten der Laubbaumfläche (landesweite Bilanz)":
Kommentar: Der Ansatz ist zunächst gut. Da die Habitatkontinuität aber für die Erhaltung der Biodiv. von überragender Bedeutung ist, sollte es nicht nur um eine bilanzielle Sicht der Laubbaumfläche gehen, sondern um eine Erhaltung, Arrondierung und Vernetzung von allen bestehenden Waldgebiete mit naturnaher Baumartenzusammensetzung.
Alternativvorschlag: "Keine Erhöhung der Douglasien- bzw. Fremdbaumartenanteile auf Kosten bestehender Waldgebiete mit naturnaher Baumartenzusammensetzung, einschließlich von Flächen für deren Arrondierung und Vernetzung. "

2. Zu „Douglasie als eine Alternative für den Ersatz klima- oder standortslabiler Fichte (neben Eiche, Buche oder Bergmischwäldern).“
Kommentar: Hier sollte klar gestellt werden, dass es sich primär um ein ökonomisches und kein ökologisches oder naturschutzfachliches Motiv handelt. Außerdem ist die Alternative genauso wenig risikolos. Die Weißtanne ist aus Naturschutzsicht nach Möglichkeit zweifelsohne zu bevorzugen.
Alternativvorschlag: „Douglasie kann als Nadelnutzholz, nach Weißtanne, eine Alternative für den Ersatz klima- oder standortslabiler Fichte sein. Neben den ökologischen sind auch die ökonomischen Risiken einer Ausweitung des Douglasienabaus zu berücksichtigen. “

3. Zu „Kein Einbringen von Douglasie im Umfeld von Lebensraumtypen (Natura 2000) bzw. Biotopen, in welchen sie invasiv werden kann (Blockhalden, Schutthalden, trockenwarme Sonderstandorte).“
Kommentar: Gut. Sollte aber sprachlich präzisiert werden.
Alternativvorschlag: „Kein Einbringen von Douglasie und anderen Fremdbaumarten in Natura 2000-Lebensraumtypen und deren Umfeld. Gleiches gilt für sonstige Biotope, in welchen sie invasiv werden können (Blockhalden, Schutthalden, trockenwarme Sonderstandorte).“

4. Zu „Keine aktive Erhöhung der Anteile nichtheimischer Baumarten in naturschutzrelevanten Flächen (z.B. Schonwälder, Naturschutzgebiete, geschützte Waldbiotope); Reduktion von unerwünschten nicht heimischen Baumarten, wo nötig und sinnvoll im Zuge der Pflege“
Kommentar: Gut.

5. Zu „Kleinflächige Mischungsformen im Durchmesser 30 bis 60 Meter (Horstgröße) der nicht heimischen Baumarten, wo sie gepflanzt werden.“
Kommentar: Kann je nach Waldtypenentwicklungsziel, insbesondere bei Vorhandensein übernahmewürdiger Naturverjüngung, Einzelbaummischung nicht auch sinnvoll sein?


Diskussionspunkte und Fragen für die Online-Beteiligung

6. Zu „• Ist der Anteil der nicht standheimischen Baumarten unter Berücksichtigung des Klimawandels und der wirtschaftlichen Situation des Betriebes zu gering oder aus Gesichtspunkten des Waldnaturschutzes zu hoch?“
Antwort: Der Ziel-Anteil nicht standortheimischer Baumarten ist mit 20% hoch gegriffen. Unter Gesichtspunkten des Naturschutzes, evtl. auch des Waldbaues, erscheint allerdings der Zielanteil natürlicher und naturnaher Waldgesellschaften und deren Repräsentativität nach Standorten noch deutlich wichtiger als der Anteil nach Baumarten. Flächenmäßig sollten die natürlichen und naturnahen Waldgesellschaften auf der Gesamtfläche klar überwiegen. Hierzu wäre die Erstellung eines Gesamt-Konzeptes, welches die möglichst großflächige und zusammenhängende Erhaltung und Entwicklung aller natürlichen und naturnahen Waldgesellschaften in den wichtigen Wuchsräumen sichert, sehr sinnvoll.

7 . Zu „• Welche drei wichtigsten Kriterien sprechen für und gegen die Einbringung von nicht standheimischen Baumarten?“
Antwort:
Kontra:
1. Nichtstandort-heimische Baumarten sind eine erhebliche Beeinträchtigung der Integrität von natürlichen und naturnahen Ökosystemen. Es sind zusätzliche, teils wiederkehrende Eingriffe nötig. Dynamik, Lebensraumkapazitäten, Konkurrenzverhältnisse, ökologische Nischen und insbesondere Standorteigenschaften (Bodenbelichtung, Grundwasserneubildung, Nitrat, Spurenelementverfügbarkeit, Humusbeschaffenheit, pH) werden verändert.
2. Risiko der Invasion in schützenswerte Biotope. Neben o.g. Gesichtspunkten auch nach EU-Recht, BNatschG und UN-Konvention zu unterbinden.
3. Hohes ökonomisches Risiko bei nicht standortheimischen Baumarten einmal in den Beständen selbst (Strobenblasenrost, Sitkalaus, Rostige und Rußige Schütte, Halimasch, Pytophora etc.) und zum anderen als Vector für neue Pathogene durch künstliche Verjüngung (Wurzelballen bei Douglasie!).

Pro:
1. Douglasie kann bei entsprechender waldbaulicher Behandlung sägefähiges Nadelholz liefern.
2. Douglasie realisiert bislang oft sehr hohe...

Vollkommener Ernst am 25.03.2012 12:26:43

Jetzt habe ich meine eigentliche Frage verschlafen, denn vielleicht sind wir gar nicht so weit voneinander entfernt: Wie groß wäre denn der prozentuale Flächenanteil, den sie der Douglasie maximal zugestehen würden?

Vollkommener Ernst am 25.03.2012 12:23:21

Sehr geehrte/r C. Bennerk,

eine Powerpoint-Präsentation, die nicht mal die Größe des Untersuchungsgebiets angibt als Quelle anzuführen, halte ich für gewagt. In welcher Phase befand sich denn der Buchenwald? Es ist nämlich so, dass sich unsere Wirtschaftswälder höchst selten in der Zerfallssphase finden - sie sollten daher nach Literatur suchen, die sich mit dem Artenspektrum eines Buchenwaldes früherer Phasen befasst. Ob nun Buchenklimaxgesellschaften artenreich oder artenarm sind, lässt sich letztlich aber nur an Vergleichsgesellschaften feststellen. Ich bewundere, dass sie hier sehr viel Zeit dafür investieren, die Douglasie zu diskreditieren. Glücklicherweise haben auch FSC und Co schon die herausragenden Eigenschaften dieser Baumart für uns Menschen erkannt und gehen damit nicht mehr ganz so restriktiv wie in der Vergangenheit um.
Ich möchte Sie dazu motivieren, dem holistischen und normativen Ansatz von "neue Art=böse" und "alt=gut" zu verlassen. Die Welt und die Anforderungen an unseren Wald haben sich nun einmal verändert. Deutschland ist im übrigen schon jetzt nicht in der Lage seinen Holzverbrauch annähernd zu decken. Was meinen Sie würde passieren, wenn wir voll auf Buchenbewirtschaftung umschwenken würden? Ich frage Sie einfach mal: Ist Ihnen bewusst, dass das nie und nimmer in Qualität und Quantität hinhauen würde? Die Douglasie ist keine eierlegende Wollmilchsau. Was sie aber vergessen, ist, dass Sie solche Artikel, die Sie hier posten zu jeder x-beliebigen Baumart finden würden. Und leider muss ich Ihnen sagen, dass, wenn Sie das durchstöbern und vergleichen würden, die Douglasie sehr gut abschneiden würde...

Felix Reining am 23.03.2012 14:23:04

Selbstverständlich ist das Thema Douglasie ein ökonomisches und ein Rohstoff-Sicherungsthema. Ich kenne keinen Waldbesitzer, der behauptet, die Douglasie rein aus ökologischen Gründen anzupflanzen.

Es geht aber auch nicht darum, Buche durch Douglasie zu ersetzen. Vielmehr stellt die Douglaise eine Möglichkeit dar, einen Teil der stark rückläufigen Fichten- und Kiefernanteile zu kompensieren. Als Mischbaumart ist das völlig OK - und dass die Ökonomie auch künftig eine anerkante Dimension der Nachhaltigkeit bleibt, kann man im Interesse der Waldbesitzer, aber auch der Gesellschaft insgesamt nur hoffen.

C. Bennerk am 22.03.2012 16:06:32

Sehr geehrte "Vollkommener Ernst",
in Ihrem Kommentar ist die These aufgestellt worden, dass natürlicherweise BW von "artenarmen" Buchenklimaxwäldern beherrscht würde. Dies scheint doch ein Hilfsargument zur Propagierumng der Douglasie zu sein. Ich habe dazu einen Beitrag verfasst:

Abgesehen davon, dass natürlicherweise vielfältige Waldgesellschaften in unterschiedlichen Phasen und Ausprägungen vorkommen würden, sind Buchenwälder keinesfalls artenarm.

Im Buchenwald leben (nach Scherzinger 1996):
4.320 Pflanzen- und Pilzarten (davon 1.169 Buchenwaldspezialisten)
6.715 Tierarten (davon 1.792 Buchenwaldspezialisten).

Sie zählen damit zu den artenreichsten terrestrischen Lebensräumen in Mitteleuropa überhaupt.
-
Quellen:
 Link

FORSTARCHIV 78 (2007), 215—222
Wichtigste Ergebnisse aus 17 Jahren zoologischer Forschung
in hessischen Naturwaldreservaten
Wolfgang Hans Otto Dorow, Jens-Peter Kopelke und Günter Flechtner (†)
Projekt Hessische Naturwaldreservate, Forschungsinstitut Senckenberg, Senckenberganlage 25,
D-60325 Frankfurt (wolfgang.dorow@senckenberg.de)
Eingegangen: 28.06.2007 Angenommen: 18.09.2007

Vollkommener Ernst am 22.03.2012 14:17:36

Hallo C. Bennerk,

danke nochmal für die interessante Literatur! Ich werde sie mir noch zu Gemüte führen, kann aber schon etwas dazu anmerken: Die Douglasie ist bei uns derzeit die einzige Baumart ohne nennenswerte biotische Kalamitäten! Die Buchen werden von Nonnen heimgesucht, Fichten sind mit Borkenkäfern überfordert, etc. Einer Belastung durch Pathogene kann man daher aus heutiger Sicht noch relativ gelassen entgegen sehen, zumal Borkenkäfergradationen ohnehin nur durch die Witterung beendet werden können!

Was den "aggressiven" Wasserentzug anbelangt: Wie schon aus dem vorigen Kommentar und der von Ihnen verlinkten Literatur ersichtlich, sind solche negativen Auswirkungen mit waldbaulichen Mitteln gut zu kompensieren! In diese Kerbe schlägt auch der Quotient Holzproduktion/Wassserverbrauch: Die Produktivität könnte so hoch sein, dass die Individuenanzahl reduziert werden kann, sodass letztendlich sogar in der Summe unter angepasstem Waldbau bei gegebener Zielvolumenproduktion/ha (v.a. in Mischung) mehr Wasser zur Verfügung stehen könnte (Mutmaßung meinerseits - die Literatur hat diese Produktivität/Wassermenge aber nicht erwähnt).

Der zweite Artikel den Sie hier posten bezieht sich nur auf die Konkurrenzwirkung von Dgl. Im Forst wird Konkurrenz v.a. durch den Revierleiter bestimmt. Zudem würden Sie doch sicherlich auch nicht der Walnuss vorwerfen, dass sie Juglan produziert. Nichtsdestotrotz muss natürlich der Wasserverbrauch eines Douglasienbestandes in Wassermangelgebieten berücksichtigt werden. Dagegen habe ich aber auch nie etwas gesagt - ich bin nur gegen unzulässige Verallgemeinerungen und erkenne die goods dieser Art an - s. voriger Kommentar.
Eine Standortverschlechterung erkenne ich so nicht - v.a. dann nicht, wenn sie auf Fichtenstandorten in Mischung angepflanz wird (wie das auch die Regel ist).

Ihre Hinweise sind aber dennoch wichtig, weil manch einer die Douglasie verklärt und auch wenn das so scheint, als wäre ich einer von diesen - nein, ich versuche nur hier ein möglichst objektives Gegengewicht zu stellen: Mir geht es letztlich auch darum, dass wir möglichst viel von einem nachhaltigen Rohstoff bekommen!

Vollkommener Ernst am 22.03.2012 13:48:52

Sehr geehrter Herr Krammer,

Sie wissen ja sicherlich, dass sich ohne die Forstwirtschaft über die allergrößten Landesteile recht "bald" Buchenklimaxgesellschaften einstellen würden. Dass diese weniger artenreich sind, brauche ich Ihnen sicherlich nicht zu erklären. Es geht hier auch nicht um einen Deckmantel unter dem eine Legitimation konstruiert werden soll.
Was ich Ihnen vielleicht erklären kann, ist, dass das Holz der Laubbäume wesentlich weniger für Baukonstruktionen geeignet ist, als das der Nadelbaumarten - insbesondere gegenüber dem der Douglasie, die man sogar ohne Behandlung im Freien einsetzen kann. Deutschland hat - neben dem Naturschutz - auch eine globale Aufgabe dahingehend seine CO2-Emissionen einzuschränken. Dabei ist die Substitution von Baustoffen, deren Herstellung sehr viel Treibhausgase (und andere toxische Verbindungen) nachsichzieht (Zement, Kunststoffe), durch Holz ein wesentlicher Bestandteil dieser Bestrebung. Diese Substitution ist allerdings mit Laubbaumholz sowohl qualitativ (Holzeigenschaften) als auch quantitativ (sie wachsen einfach sehr langsam) nicht möglich. Es ist natürlich nötig den Naturschutz durch Projekte wie Bannwälder, Nationalpark, AuT voranzubringen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass das auch ein (wenn nicht sogar das einzige) nachhaltige Produkt unserer Volkswirtschaft einschränkt. Es bedarf dabei einiges an Fingerspitzengefühl, dass ich mir selbst freilich auch nicht zuspreche. Jedenfalls sollte man die Leistung - jawohl die Leistung! - die die Baumart Douglasie für die Nachhaltigkeit bereitstellt nicht so einfach herabwürdigen, weil sie ein Fremdländer ist oder anderen Arten hinsichtlich ihrer Ökologie scheinbar (!) unterlegen ist.
Zudem verhält es sich so: Die Nachfrage nach Laubholz wird nur durch dessen energetischen Zweck in einigermaßen wirtschaftlichen Regionen gehalten. Ein reiner Laubholzbetrieb ist aber ein reiner Minusbetrieb (den sich Kommunen und Private einfach nicht leisten KÖNNEN). Der Nadelholzanteil eines Forstbetriebes ist DER Motor der Einnahmen. Die Fichte wird in Zukunft in den allermeisten Landesteilen nicht mehr gepflanzt werden können (Klimawandel), die Kiefer ist höchst unproduktiv und liefert schlechtes Holz, die Tanne kommt nicht auf, weil der Wildbestand in aller Regel zu hoch ist. Die Lärche gewinnt zwar wieder (zu Recht) an Bedeutung ist der Douglasie hinsichtlich Zuwachs aber hoffnungslos unterlegen. Mir erschließt sich daher nicht, wie man auf Grundlage zweifelhafter ökologischer Befunde oder Vermutungen, auf die Nachhaltigkeit, die uns die Douglasie liefert, verzichten mag. Der verlinkte Artikel hat es angesprochen: Es geht nur um den richtigen Waldbau!

C. Bennerk am 22.03.2012 13:45:42

Sehr geehrter "Vollkomener Ernst",
auch wenn man die Holzproduktion mit dem Wasserverbrauch "gegenrechnen" würde, ist für mich nicht erkennbar, warum dann die Grundwasser- und Standortbeeinträchtigung weniger kritisch sein sollte. Oder soll erhöhte Holzproduktion die Standortverschlechterung rechtfertigen?

Aus der Heimat der Douglasie wird übrigens berichtet, dass Douglasie dort für die "aggressive Nutzung" von Wasserresourcen mit Verringerung der Bodenwassermenge bekannt sei:

1. "P. menziesii is also known
to negatively effect the water use a n d growth of
other native conifer species by aggressively using
water resources a n d reducing the moisture content
of the soil in other areas of western Montana
(A. Sala, unpublished data)"

Völlig recht gebe ich Ihnen, dass der mögliche Effekt potentieller Kalamitäten für den Erhalt der Standortgüte sehr hoch zu bewerten ist. Hier sind die Risiken gerade bei Douglasie mittel- bis langfristig besonders hoch. Neben den zahlreichen bekannten deutschsprachigen Quellen möchte ich diesbezüglich zitieren:

2. "An increase in arthropod species diversity on exotics over
time is to be expected, especially if the range size increases.
However, the introduction in Europe of exotic insect species
highly adapted to the exotic host tree might create much
more problems when conifers have no indigenous congeners
because guilds are yet unsaturated, a n d the introduction of
related exotic species, such as a Douglas-fir bark beetle,
Dendroctonus pseudotsugae, is likely to result in a full occupancy
of the niche."
-
Quellen:
Biological Invasions (2006) 8: 231—240  Springer 2006
DOI 10.1007/s10530-004-5163-9:
Facilitation a n d inhibition of seedlings of an invasive tree (Acer platanoides)
by different tree species in a mountain ecosystem
K. O. Reinhart1,2,*, Fernando T. Maestre3,4 & Ragan M. Callaway1
1Division of Biological Sciences, The University of Montana, Missoula, MT 59812, USA; 2Present
Address: Department of Biology, Indiana University, Jordan Hall RM 127, 1001 East Third Street,
Bloomington, IN 47405-3700, USA; 3Departamento de Ecologı´a, Universidad de Alicante, Apartado de
correos 99, 03080 Alicante, Spain; 4Present Address: Department of Biology, Duke University, Phytotron
Building, Science Drive, Box 90340, Durham, NC 27708-0340, USA; *Author for correspondence (e-mail:
kureinha@indiana.edu)
Received 11 February 2004; accepted in revised form 21 October 2004
Key words: Acer platanoides, ecosystem-level changes, facilitation, invasion resistance, Pseudotsuga
menziesii
Abstract

A North American invasive seed pest, Megastigmus spermotrophus
(Wachtl) (Hymenoptera: Torymidae): Its populations a n d parasitoids
in a European introduction zone
Anne-Catherine Mailleux a,*, Alain Roques c, Jean-Marc Molenberg b,
Jean-Claude Gre´goire b
a Social Ecology, Universite´ Libre de Bruxelles, Belgium
b Biological Control a n d Spatial Ecology, Universite´ Libre de Bruxelles, Belgium
c INRA, Zoologie Forestie` re, Orle´ans, France
Received 20 November 2006; accepted 17 October 2007
Available online 13 November 2007

Can. J. For. Res. 36: 299—313 (2006) doi:10.1139/X05-277 © 2006 NRC Canada:
A lack of native congeners may li mit colonization
of introduced conifers by indigenous insects in
Europe1
Alain Roques, Marie-Anne Auger-Rozenberg, a n d Solen Boivin

Gerhard Krammer, Dipl.-Biol. am 22.03.2012 12:35:00

Hallo liebe Diskussionsteilnehmer,
es scheint zumindest Einigkeit zu herrschen, dass die Douglasie nicht die Lösung ist, und definitiv gegenüber der Buche Nachteile mit sich bringt, auch laut Text von Kommentator VK:
"Die Douglasie kommt den Ergebnissen dieses Forschungsprojektes zufolge mit Trockenjahren deutlich besser zurecht als die Fichte, jedoch schlechter als die Buche. ... Aufgrund ihrer längeren jährlichen Produktionsphase ist der Wasserbedarf der Douglasie höher als der von Fichte, Kiefer und Buche. Die für die Grundwasserneubildung wichtige Bodensickerwassermenge ist entsprechend geringer.
... Die Buche ist für Boden und Bodensickerwasser generell zuträglicher als die Douglasie ..."
Und ich denke wir alle sind uns weiterhin einig, dass es noch weitere Baumarten gibt, die Trockenheit noch besser vertragen, vor allem die Eiche, auch wenn diese aus jagdlichen Gründen einen sehr schweren Stand hat (flächiges jagdliches Nichtwollen oder Nichtkönnen, wie es sicher auch das kommende Verbissgutachten wieder am Beispiel des Eichen- und Tannerverbisses zeigen wird), aber das Thema Jagd als solches ist ja (leider) nicht Gegenstand dieses Diskussionsforums.
Und die Anfälligkeit gegenüber Wnterstürmen ist bei Laubbäumen ohnehin deutlich reduziert, wie man auch aus der Erfahrung der letzten grossen Winterstürme in BW weiss, wo es einiges an Douglasie zu Boden geschmissen hat, aber Buche, Eiche und andere Laubbäume aber relativ unbeschädigt geblieben sind.
Also mir scheint es so, als ob es letztlich trotz aller gegenteiligen Beteuerungen diverser Diskussionsteilnehmer primär um ökonomische Ziele geht, wenn die Douglasie in grossem Masstab weiter verfolgt werden soll. Ökonomische Ziele an sich sind nichts schlechtes, man soll es dann aber Bitte nicht versuchen es unter dem Deckmantel des ´naturnahen Waldbaus´ zu verkaufen.
Gruss,
GK

Vollkommener Ernst am 22.03.2012 11:37:17

Sehr geehrter Herr Bennerk,

danke für den Link! Sie ziehen meines Erachtens allerdings die falschen Schlußfolgerungen aus dem angegeben Artikel! Dort heißt es wörtlich:

"Die Douglasie kommt den Ergebnissen dieses Forschungsprojektes zufolge mit Trockenjahren deutlich besser zurecht als die Fichte, jedoch schlechter als die Buche. Sie wirkt der Bodenversauerung stärker als die Fichte entgegen und trägt zu einer Verbesserung der Humusform bei. Außerdem intensiviert sie den "kleinen Nährstoffkreislauf" (Pflanze-Boden-Pflanze). Der Boden verliert dabei allerdings einen Teil seines Humuskapitals.
Aufgrund ihrer längeren jährlichen Produktionsphase ist der Wasserbedarf der Douglasie höher als der von Fichte, Kiefer und Buche. Die für die Grundwasserneubildung wichtige Bodensickerwassermenge ist entsprechend geringer.
Auf Standorten mit hoher Stickstoffsättigung können die Nitratkonzentrationen im Bodensickerwasser unter Douglasie deutlich höher als unter Fichte liegen. Das ist besonders in Wäldern mit Trinkwasserschutzfunktion zu beachten.
Die Buche ist für Boden und Bodensickerwasser generell zuträglicher als die Douglasie. Daher sollten im Hinblick auf Ertrag, Betriebssicherheit und Landschaftsökologie auf den douglasientauglichen Standorten Bayerns nicht Douglasienreinbestände, sondern Douglasien-Mischungsvarianten bevorzugt werden."

Keine Rede von Teufelskreis und Standortverschlechterung. Sie beachten auch nicht die Tatsache, dass diese Studie nur Teilaspekte beleuchtet: Beispielsweise wurde der Wasserverbrauch nicht mit der Holzproduktion gegengerechnet. Ebenso wird explizit darauf hingewiesen, dass diese Studie einer quantitativen Absicherung bedarf. Desweiteren wurde auch nicht das Kalamitätsrisiko (und damit auch das Risiko an Nährstoffauswaschungen am Standort bei großen Schadereignissen) beleuchtet. Die Studie bietet nur einen Teilaspekt an, aus dem Sie meiner Meinung nach nicht zulässige Schlüsse ziehen.

MfG

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