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Hinweise / fehlende Aspekte

Stellungnahme zur Waldnaturschutzstrategie

von Hohenlohe-Waldenburg -Forst am 28.03.2012 | 11:42 | Kommentare: 4 |

Besten Dank für die Aufforderung zur Teilnahme an der Diskussion zur Waldnaturschutzstrategie der FVA und ForstBW.
Im allgemeinen schließen wir uns der Stellungnahme der Forstkammer Baden Württemberg an, die auf die verschiedenen "Ziele 1- 8 ", wie bekannt aus dem bisherigen Rundschreiben der Forstkammer, eingehen.
Darin stehen aber auch " Allgemeine Anmerkungen ".

Zu deren Verdeutlichung haben wir anzufügen:

Die Waldnaturschutzstrategie der FVA, also auch der Landesregierung, zeugt von einer fast ideologisch motivierten Blindheit gegenüber den tatsächlichen Naturschutzleistungen des Wirtschaftswaldes a l l e r Waldbesitzarten im deutschsprachigen Raum, im Vergleich zu denen im europäischen Ausland, von denen in Übersee ganz zu schweigen. Das kam schon bei der Ausweisung von "Natura 2000"-Schutzgebieten zum Ausdruck und soll sich nun offenbar verstärken, verbunden mit einer immensen Bürokratisierung.

Wer in Sorge ist um wesentliche Naturschutzziele im Walde, sollte
a) die öffentlich zugänglichen Ergebnisse der letzten Bundeswaldinventur studieren
b) sich weniger als bisher um verbands- und mediengestützte Massenmeinungen kümmern
c) mit offenen Augen eine Woche lang durch die Wirtschaftswälder aller Besitzarten in BW spazieren
d) sich erinnern, was er beim letzten Urlaub in Frankreich, Belgien, England, Irland und im Mittelmeerraum an dortigen Wäldern gesehen hat.

Der Spaziergang nach c) sollte nicht nur auf den Wegen, sondern auch querwaldein geschehen, und in Gummistiefeln, denn nasse Standorte und dornige "Wildnis" sind fast überall zu treffen. Ebenso finden sich, mit offenen Augen zu sehen, Wirtschaftswaldkomplexe mit bis zu 20 verschiedenen Baumarten, die ganz nah an der Natur sind, was man von manchen künstlich verarmten "Naturschutzgebieten" nicht sagen kann ( Ziel 3 ).

Der um die Waldnatur Besorgte wird außerdem fairerweise fetstellen, daß manche der genannten Naturschutzziele überflüssig sind, z.B. die flächenmäßig prozentual geplante Stillegung des Wirtschaftsbetriebes oder die Einrichtung eines Nationalparks ( Ziel 8 "Prozeßschutz" ). Dies gilt für alle Besitzarten.

Wir bewirtschaften in BW seit unvordenklicher Zeit 2200 ha. In nun über 50-jähriger Arbeitszeit hat sich unser Fichtenanteil von 71% auf 27% reduziert, und das eben aus wirtschaftlichen Gründen. Aus dem eigenen Betrieb heraus haben wir einen 12-seitigen Prospekt mit zahlreichen Farbfotos erstellt, unter dem Titel "Naturschutz? Ja! zum Glück gibt`s den ganz normalen Wirtschaftswald!", der im Bundesgebiet reißenden Absatz gefunden hat. Wir haben Ihn Ende 2011 auch an Herrn Landesforstpräsident Max Reger und die FVA versandt, ohne allerdings eine Antwort zu erhalten.
Im Anschluß an diesen Kommentar werden wir ihn nochmals versenden, als wesentlichen Bestandteil dieses Textes.

Im Grunde braucht man das Thema "Waldnaturschutz" gar nicht so sehr nach Punkten und Zielen aufzuspalten. Eine faire Gesamtschau nach 250 Jahren deutschsprachiger Forstwirtschaft müßte genügen. Es ist nicht schwer, felsenfest von der guten deutschen Forsttradition überzeugt zu sein.
Viele verdiente Forstleute, die ihr Berufsleben lang im Interesse wirtschaftlichen Waldertrags zugleich Naturschutzziele verwirklicht haben und dies noch tun ("Stabilität gleich Rentabilität") und die ihr Lebensziel im Wald sehen und nicht im verkauften Holzpolter, müssen sich durch den Zielkatalog der vorliegenden Waldnaturschutzstrategie mißachtet und bestraft fühlen. Ihnen gegenüber gerecht zu sein, das ist auch im Sinne der Gerechtigkeit, zu der uns Bundespräsident Gauck erst neulich aufgerufen hat. Wenn aber eine Bestrafung verdienter Forstleute politisch gewollt ist, sollten eigentlich die jetzt vorhandenen "FFH-Gebiete" dafür ausreichen. Sie wurden seinerzeit u.E. mit rechtlich zweifelhaften Methoden dem Forst aus der Hand genommen, um, was der Forst seit Jahrhunderten für die Natur kostenlos erbracht hat, nun mit unnötigem Zwang und hohen öffentlichen Kosten, umzusetzen.
Friedrich Karl Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg, Forstdir.
Jochen Schick, Forsting.

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  Kommentare
Gast am 28.03.2012 13:23:42

Sie personifizieren hier die Natur, sprechen von Leistungen, die sie kostenlos für die Natur erbracht haben. Kann es vielleicht überspitzt ausgedrückt auch sein, dass "die Natur" ihre kostenlos erbrachten Leistungen gar nicht haben will?
Sie sprechen von Wirtschaftswaldkomplexen mit bis zu 20 Baumarten; die wenigsten bei uns vorkommenden Waldgesellschaften bestehen aus 20 verschiedenen Baumarten auf kleiner Fläche. Artenreichtum hat aber nicht unbedingt etwas mit einer Natürlichkeit zu tun. "Künstlich verarmte Naturschutzgebiete" sind wenn ich es richtig verstehe für Sie Gebiete, in denen Förster daran gehindert werden, Baumarten anzupflanzen oder durch Eingriffe den Artenreichtum zu fördern; eine sehr eigenwillige Vorstellung. Ein von Natur aus an Fischarten armer See wird ja auch nicht dadurch besser, dass Angler neue Arten einbringen und durch verschiedene Eingriffe fördern, auch wenn sich die Angler wie alle anderen die Natur bewirtschaftenden als die wahren Naturschützer sehen und einen natürlich in unserer von Menschen geprägten Umwelt nur noch anzunehmenden Naturzustand als artenarme Wüste.
Für einen Förster kann es sicher nichts schlimmeres geben, als zu sehen, dass auch ein nicht bewirtschafteter Wald sich gut entwickeln kann, denn das rüttelt bei manchen sicher massiv am Selbstverständnis.

Dr. Tobias Kühn am 28.03.2012 13:03:32

Ideologie oder Lobbyarbeit kann ich aus dem Beitrag von Hohenlohe-Waldenburg nicht erkennen, sondern schlicht und einfach Realität.
Vielleicht ist es ja eine "deutsche" Eigenschaft, sein eigenes Licht immer matter leuchten zu lassen, als es notwendig wäre.

Vollkommener Ernst am 28.03.2012 12:25:18

Ich schließe mich Horst an! Das ist Lobbyarbeit in Reinform!

Horst am 28.03.2012 12:13:51

Guten Tag,
in Ihrer Stellungnahme geht es durchgehend nur um eine Beweihräucherung Ihrer Arbeit wie der Arbeit von Generationen von Förstern zuvor. Man hört keinen Funken Selbstkritik.
Dann wird die Leistung der deutschen Förster hervorgehoben im Vergleich zu anderen Ländern; ja sind denn die Förster in anderen Ländern in irgendeiner Weise fachlicher schlechter? Dass ein deutscher Wald natürlich anders aussieht als ein Wald im Mittelmeerraum oder im stark atlantisch geprägten Westeuropa ist vollkommen klar. Die Waldgeschichte, die klimatischen Faktoren, die Nutzung, der Boden; alles ist anders.
Ihren Text würde ich als Ideologie bezeichnen.
Mit freundliche Grüßen,
Horst

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