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Hinweise / fehlende Aspekte

Erfahrungen eines Naturschützers über die aktuelle Waldwirtschaft

von Reinhard Bretzger am 29.03.2012 | 20:50 | Kommentare: 0 |

Erfahrungen eines Naturschützers über die aktuelle Waldwirtschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Chancen, zeitnah eine Waldnaturschutzkonzeption durchzuführen, und insbesondere den Artenrückgang im Wald einzudämmen, sind durch die in jüngster Zeit praktizierte Forstwirtschaft definitiv vertan.

Die Forcierung der Energiegewinnung durch nachwachsende Rohstoffe und die regionale Versorgung mit dem Rohstoff Holz, ist der Bedarf an Holz geradezu explodiert. Dies führt zu einem ständig steigenden Holzeinschlag, statistisch gesehen seit 2006 um 20 %, in Wirklichkeit ist er vor allem in den Staats- und Kommunalwäldern viel größer.

Dazu trägt auch die vom Forst BW durchgeführte Zuwachs- und Vorratshaltung bei, die im Ansatz falsch ist und zu viel zu hohen Einschlägen führt. Berechnet wird z.B. der Zuwachs auch im Dünnholzbereich ab 7 cm Durchmesser, der errechnete Einschlag erfolgt aber ausschließlich im Starkholzbereich. Wir erleben hier, wie der Starkholzbereich überproportional eingeschlagen wird, Alt- und gar Totholzbestände sind nahezu verschwunden. Überhälter, auch an Böschungen und Waldrändern, die ursprünglich dafür gedacht waren, bis der Jung- bzw. Schwachholzbestand auf die artspezifische Höhe gewachsen ist, belassen zu bleiben, werden jetzt akribisch aufgesucht und eingeschlagen.

Die Revierleiter einiger Kommunen müssen den Gemeinderäten eingestehen, dass es im Gemeindewald nichts mehr einzuschlagen gibt, ja dass die Waldbestände nicht älter als 40 Jahre alt sind.

Nach EU-Berechnungen wird in der Bundesrepublik Deutschland bis 2020 durch Übernutzung 30 Mio. Festmeter an Vorrat abgebaut.

Fazit: Unser Wälder bestehen überproportional aus Schonungen und aus Beständen im Wachstumsstadium. Die ökologisch wertvollen Bestände im hiebreifen Stadium, Alt- und Totholzrefugien sind stark unterpräsentiert.

Es ist zu befürchten, dass durch die von der Bundesregierung entwickelte „Waldstrategie 2020“ die Entwicklung in unseren Wäldern noch dramatischer, d.h. noch weniger Naturschutz im Wald möglich sein wird. Der enthaltene Ansatz „Schutz durch Nutzung“ kann nicht funktionieren, weil die forstliche Nutzung Alters- und Zerfallsphasen nicht zulässt.

Naturschutz im Wald bedeutet:
1) Adäquater Anteil aller Altersstufen
2) 10 % der Fläche mit Alt- und Totholz aus der Bewirtschaftung
3) Heimische Baum- und Gehölzarten
4) Standortverträ gliche Artenzusammensetzung (Beispiel: Erlen in Staunässe)
5) Lichte Waldzonen
6) Mehrstufiger, geschlossener Waldsaum
7) Rückegassen — Abstand 40 m
8) Naturnahe Waldbewirtschaftung
(gute fachliche Praxis — muss präzise definiert werden)
9) Einzelbaumentnahme — max. Femelschlag (20 ar)
10) Gewässer im Wald auslichten
11) Laichgewässer schaffen
12) Den Wald durchsetzen mit Baum- und Gehölzarten 2. und 3. Klasse


Reinhard Bretzger
NABU-Kreisvorsitzender

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