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Hinweise / fehlende Aspekte

Das Thema Jagd fehlt im aktuellen Entwurf

von Johannes Enssle am 23.03.2012 | 22:10 | Kommentare: 0 |

Aus meiner Sicht wird das Thema Jagd und Schalenwildverbiss in dieser Nautrschutzkonzeption noch zu wenig beleuchtet. Immerhin hat beides einen erheblichen Einfluss, sowohl auf den Naturschutz als auch auf die Anpassungsfähigkeit der Wälder an den Klimawandel.

Ich erlaube mir an dieser Stelle einen Ausschnitt aus dem Gutachten „Der Wald-Wild-Konflikt“ von Ammer et al. (2010) einzufügen, der diesen Zusammenhang sehr gut veranschaulicht. Dort heißt es in der Zusammenfassung auf Seite 148:

„Einmaliger Verbiss bei Keimlingen bzw. mehrmaliger Verbiss bei älteren Pflanzen in Abhängigkeit der Baumart zu Mortalität. Drittens kommt es durch den selektiven Verbiss insbesondere des Rehwilds zur Entmischung der künftigen Bestände zulasten der selteneren und/oder stark verbissgefährdeten Baumarten. Mit anderen Worten: Die Baumartendiversität sinkt. Verluste an Diversität von Baumarten können kaskadenförmige Einflüsse auf die gesamte Biodiversität in Waldbeständen haben. Die genannten Befunde sind angesichts des Ausmaßes der Schäden , im Hinblick auf die Schutzwirkung von Wäldern und den durch den Klimawandel besonders dringlichen Waldumbau bedenklich. Negative Auswirkungen hoher Schalenwilddichten auf die Schutzfunktion von Bergwäldern wurden schon vor über 100 Jahren thematisiert. Waldbauliche Maßnahmen zur Habitatverbesserung und Erhöhung des Nahrungsangebots führen nur bei geringen Wilddichten zu einer Entlastung der Waldverjüngung von Verbiss. Bei hohen Wilddichten werden viele Baumarten unabhängig von den Waldstrukturen gleichermaßen verbissen, sodass alle anderen für das Wachstum der Bäume relevanten Umweltfaktoren überlagert werden. Eine langfristig naturnahe Bewirtschaftung stabiler Wälder kann daher nur bei niedrigen Schalenwilddichten erreicht werden.

Die tatsächlichen Konsequenzen für die Waldbesitzer und insbesondere für die kommenden Generationen von Waldbesitzern scheinen bei konventionellen Schadensbewertungen nicht auf, weil die ökologischen, insbesondere aber die ökonomischen Nachteile einer Entmischung nicht berücksichtigt werden. Mit dem Verlust von Mischbaumarten durch Wildverbiss müssen Waldbesitzer mit ihrem an Baumarten ärmeren Wald höhere Risiken in Kauf nehmen. Wie bei gemischten Vermögensanlagen, für die man eine möglichst breite Diversifikation empfiehlt (hier gilt die Devise: „Wer streut, rutscht nicht“), profitieren gemischte Wälder von beträchtlichen Risikokompensationen.“ (Ausschnitt aus Ammer et al. 2010: „Der Wald-Wild-Konflikt“ )

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