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Hinweise / fehlende Aspekte

Zukünftig hohes biotisches Anbaurisiko bei Grüner Douglasie - Gefahr für die CO2-Senkenfunktion des Waldes

von C. Bennerk am 23.03.2012 | 10:46 | Kommentare: 2 |

Der Nimbus der „biotischen Unverwundbarkeit“ wird gerade in Bezug auf den Klimawandel für die Douglasie in vielen Beiträgen gepflegt. Bei Zusammentragen der vorliegenden Daten sind für die Zukunft aber gegenteilige Entwicklungen anzunehmen.

Der mögliche Effekt potentieller Kalamitäten auf die Emission klimaschädlicher Gase, auf die Kohlendioxidsenkenfunktion des Waldes und auf den Erhalt der Standortgüte ist außerordentlich hoch zu bewerten. Hier sind die Risiken gerade bei Douglasie mittel- bis langfristig besonders hoch.

Dies liegt u.a. daran, dass die Gattung Pseudotsuga in Eurapa seit mindesten 750.000 Jahren, wahrscheinlich aber schon seit dem Miozän, keine Verwandten hat, so dass einwandernde Schadorganismen freie Nischen schnell und komplett besetzten können. Neben den zahlreichen bekannten deutschsprachigen Quellen möchte ich diesbezüglich aus u.g. Quellen zitieren:

"An increase in arthropod species diversity on exotics over
time is to be expected, especially if the range size increases.
However, the introduction in Europe of exotic insect species
highly adapted to the exotic host tree might create much
more problems when conifers have no indigenous congeners
because guilds are yet unsaturated, a n d the introduction of
related exotic species, such as a Douglas-fir bark beetle,
Dendroctonus pseudotsugae, is likely to result in a full occupancy
of the niche."

Entgegen hier vielfach geäußerter Erwartungen wird die Trockenheit in der Literatur als Feind der Douglasie beschrieben. In den Jahren 1999/2000 wurden "verheerende Schäden" an Douglasie durch Frosttrocknis aus Ostösterreich gemeldet (Tomiczek, Pfister 2000: Internet - Bundesamt und Forschungszentrum für Wald). Das Trockenjahr 2003 führte in Bayern regional zu starken Ausfällen vor allem in jüngeren Douglasienbeständen. Im Forstamt Heilsbronn waren hiervon auch Bestände auf mäßig frischen bis schwach wechselfeuchten, lehmig-tonigen Sandböden betroffen.

Aus der Heimat der Douglasie wird übrigens berichtet, dass Douglasie dort für die "aggressive Nutzung" von Wasserresourcen mit Verringerung der Bodenwassermenge bekannt sei:

"P. menziesii is also known
to negatively effect the water use a n d growth of
other native conifer species by aggressively using
water resources a n d reducing the moisture content
of the soil in other areas of western Montana
(A. Sala, unpublished data)"

Die Douglasie wird seit kaum 100 Jahren verstärkt forstlich angebaut. Deshalb befinden sich verschiedene Holzkäferarten in einem permanenten "Entdeckungsprozess" dieser neuen Nahrungsressource. 2007 wurde in Bayern ein überaus starker Stehend¬befall des Furchenflügeligen Fichtenborken¬käfers (Pityophthorus pityographus) nachgewiesen. Bisher war dieser nur als Sekundärschädling bekannt.

Sehr anfällig scheint die Douglasie gegenüber dem Hallimasch, aber auch Rotfäule, zu sein. Gerade in Beständen, die einen stärkeren Befall mit der Rußigen Douglasienschütte zeigen, kann sich der Wurzel- und Kambiumzerstörer etablieren.

Rußige Douglasienschütte, bislang ein eher geringes Problem verglichen mit der Rostigen Schütte der Grauen Inlandsform, hat in Oregon in einem Streifen direkt an der Küste unlängst ungefähr 400.000 ha befallen und zu Zuwachsverlusten von bis zu 50 % geführt hat.

Die oft geforderte Voraussetzung für die Anbaufähigkeit einer nicht-heimischen Baumart, nämlich größtmögliche Ähnlichkeit im Klimacharakter zwischen Herkunfts- und Anbaugebiet, ist bei der Douglasie nur eingeschränkt erfüllt.

Außerdem wird die Anpassung der heimischen Schadorganismen an eine fremdländische Baumart weiter stattfinden.
Zusammenfassung:
Insgesamt liegen zahlreiche Hinweise vor, dass eine vermehrter Douglasienanbau die Stabilität der Wälder im prognostizierten Klimawandel nicht erhöhen, sondern vermindern wird, u.a. da die Douglasie bei uns gleichzeitig die Veränderungen des Klimawandels und die Neuanpassung an ein ihr unbekanntes Ökosytem bewältigen muss.
-
Quellen:
1. Biological Invasions (2006) 8: 231—240 Springer 2006
DOI 10.1007/s10530-004-5163-9:
Facilitation a n d inhibition of seedlings of an invasive tree (Acer platanoides)
by different tree species in a mountain ecosystem
K. O. Reinhart1,2,*, Fernando T. Maestre3,4 & Ragan M. Callaway1
1Division of Biological Sciences, The University of Montana, Missoula, MT 59812, USA; 2Present
Address: Department of Biology, Indiana University, Jordan Hall RM 127, 1001 East Third Street,
Bloomington, IN 47405-3700, USA; 3Departamento de Ecologı´a, Universidad de Alicante, Apartado de
correos 99, 03080 Alicante, Spain; 4Present Address: Department of Biology, Duke University, Phytotron
Building, Science Drive, Box 90340, Durham, NC 27708-0340, USA; *Author for correspondence (e-mail:
kureinha@indiana.edu)
Received 11 February 2004; accepted in revised form 21 October 2004
Key words: Acer platanoides, ecosystem-level changes, facilitation, invasion resistance, Pseudotsuga
menziesii
Abstract

2. A North American invasive seed pest, Megastigmus spermotrophus
(Wachtl) (Hymenoptera: Torymidae): Its populations a n d parasitoids
in a European introduction zone
Anne-Catherine Mailleux a,*, Alain Roques c, Jean-Marc Molenberg b,
Jean-Claude Gre´goire b
a Social Ecology, Universite´ Libre de Bruxelles, Belgium
b Biological Control a n d Spatial Ecology, Universite´ Libre de Bruxelles, Belgium
c INRA, Zoologie Forestie` re, Orle´ans, France
Received 20 November 2006; accepted 17 October 2007
Available online 13 November 2007

3. Can. J. For. Res. 36: 299—313 (2006) doi:10.1139/X05-277 © 2006 NRC Canada:
A lack of native congeners may li mit colonization
of introduced conifers by indigenous insects in
Europe1
Alain Roques, Marie-Anne Auger-Rozenberg, a n d Solen Boivin

4. Tomiczek, C. (2008): Ist die Douglasie hinsichtlich des Forstschutzes weniger problematisch als heimische Koniferen? BFW-Praxisinformation 16, 17 - 18
 Link

5. Bussler, H.; Blaschke, M. (2004): Die Douglasie - (k)ein Baum für alle Fälle. LWF aktuell 46, S. 14-15. Link

6. Püttmann Klaus (2010): Die Douglasie in ihrer Heimat. FVA-einblick, 3/2010, S. 3-5.
 Link

7. Völkl, M. (2009): Borkenkäfer an Douglasie. Forstschutz Aktuell 45, 25 - 26
 Link

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  Kommentare
C. Bennerk am 23.03.2012 16:49:37

Hallo "Johannes Enssle",

zu den angefragten waldbaulichen Maßnahmen zur Anpassung der Forstwirtschaft an den Klimawandel und insbesondere zur Rolle die den heimischen Waldgesellschaften und Baumarten dabei zukommt habe ich einen gesonderten Beitrag verfasst:

Klimawandel und heimische Waldgesellschaften

Klimawandel als solcher ist zwar naturgeschichtlich für unsere Waldökosysteme kein grundsätzliches Novum. Geschwindigkeit und Ausmaß der prognostizierten Klimaveränderung stellen aber die Forstwirtschaft und den Naturschutz vor neue Herausforderung. Grundsätzlich erscheint das Leitbild einer konsequent naturnahen Waldwirtschaft als angemessene Antwort auch auf diese Herausforderungen. Hierzu sind folgende Punkte hervorzuheben:

1. Klimawandel und heimische Waldgesellschaften

Die heimischen Waldgesellschaften sind überwiegend eng verzahnt, weisen fließende Übergänge auf und enthalten aufgrund der Klimageschichte sowie des nacheiszeitlichen Rückwanderungsverlaufs kontinental, atlantisch und submediterran geprägte Baumarten. Mit ca. 50 heimischen Baumarten (1. Ordnung 21, 2. Ordnung 19 und 3. Ordnung 10) ist Mitteleuropa im Verhältnis zu seiner Fläche und seinem Breitengrad baumartenreich. Um die 35 Baumarten (1. Ordnung 15, 2. Ordnung 14 und 3. Ordnung 6) sind davon in Niedersachsen heimisch. Dazu kommen ca. 118 strauchige Gehölzarten in Mitteleuropa, von denen ca. 72 Arten in Niedersachsen heimisch sind. Insbesondere Wälder mit Mikro- und Makrorelief weisen unterschiedliche Kleinklimate auf und zeigen Bestandsadaption in einem abwechslungsreichen Raum- und Zeitgefüge. Sie sind damit von Natur aus klimaplastisch.

2. Erhaltung und Aufbau klimaplastische Wälder

Konsequent naturnaher Waldbau fördert diese natürliche Klimaplastizität und nutzt die genetische Breite der mitteleuropäischen Baumartenpopulationen durch konsequente Naturverjüngung und Förderung aktuell seltener Nebenbaumarten mit Klimapotential. Außerhalb von Wäldern in natürlicher Entwicklung dürfte im Regelfall ein mehrstufiger Dauerwald mit plenter- und femelartiger Strukturierung einschließlich vereinzelter Lochhiebe das Höchstmaß sowohl für Stabilität als auch für Anpassungsfähigkeit des Ökosystems bieten. Der konsequent naturnahe Waldbau schafft damit die Voraussetzung für einen nachhaltigen (Wert)Holzertrag und ist beste Risikovorsorge im Klimawandel.

3. Mögliche Verschiebung der Wachstumsgrenzen von Waldgesellschaften

Falls der Klimawandel zukünftig im „Worst-Case-Szenario“ zu einer deutlichen Verschiebung der Wachstumsgrenzen von Waldgesellschaften führen sollte, könnte im begründeten Einzelfall eine „assistierte Migration“ über künstliche Verjüngung erwogen werden, um die Anpassungsfähigkeit und Stabilität von Waldbestände in klimatischen Extremlagen zu erhöhen. Schutzgebiete und FFH-LRT wären davon auszunehmen. In Frage kämen submediterane Gehölzarten: Quercus cerris, Q. pubescens, Q. frainetto, Juglans regia, Castania sativa, Ostrya carpinifolia, Carpinus orientalis. Acer monspessulanum, A. opalus, Fraxinus ornus, Tilia tomentosa, Abies cephalonica, Abies borisii-regis u.a.. Den Rahmen müssten wissenschaftlich dokumentierte Versuchsreihen und Studien bieten.
Dagegen kann der Anbau einzelner, vermeintlich zunächst ökonomisch attraktiver, massenwüchsiger Baumarten von anderen Kontinenten keine als Ökosystem funktionierenden, komplexen Waldgesellschaften ersetzten und wird sich daher mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit als kontraproduktiv erweisen.

Johannes Enssle am 23.03.2012 11:53:53

Hallo C. Bennerk,

welche waldbauliche Maßnahme zur Anpassung der Forstwirtschaft wäre aus Ihrer Sicht die geeigneteste?

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht heimische Baumarten und Waldgesellschaften?

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