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Lichte offene Wälder und Kahlschlag

Kurzbeschreibung
In diesem Wiki werden die eingegangenen Beiträge rund um das Thema lichte offene Wälder und Kahlschläge zusammengefasst. Die bisherigen Diskussionen zu unterschiedlichen Aspekten wurden hauptsächlich anhand des Beispiels der Eichen und auch Kiefernwälder geführt. Bezüglich Kahlschläge wurden ebenfalls einige Beiträge eingestellt, die sich sowohl auf lichte offene Wälder als auch auf den Naturnahen Waldbau per se beziehen.
Beschreibung
Waldbiotope trockenwarmer Standorte

Die Maßnahmenvorschläge „Zurückdrängung naturschutzfachlich nicht erwünschter Baumarten in Waldbiotopen trockenwarmer Standorte“ sowie „Periodisch stärkere Eingriffe in Übergangsbereichen zu wüchsigeren Standorten bei gleichzeitiger Förderung der Baumarten der Sonderstandorte“ wurde als aktive Managementmaßnahmen positiv bewertet, wobei gleichzeitig die Frage nach der Definition und Auswahl der Flächen sowie nötiger Flächengrößen aufgeworfen wurde (Dr Joachim Rock).
Die „Bereitstellung anwenderfreundlicher praxisorientierter Informationen zu Waldbiotopen“ wurde vorbehaltlos unterstützt, wobei mehr Informationen zu finanziellen, ökologischen und anderen Alternativkosten gewünscht wurden (Dr. Joachim Rock).
Zu allen drei Maßnahmenvorschlägen wurde von einem anderen Teilnehmer ebenfalls der Aspekt der Finanzierung angesprochen und angefragt, wie deren Planung ist (Dr. Tobias Kühn).

Historische Waldnutzungsformen

Die Maßnahmenvorschläge „(Wieder-)Aufnahme der Eichenmittelwald-Bewirtschaftung auf ausgewählten Flächen“ sowie „Erarbeitung einer Informationsbroschüre zur Waldweide“ wurden von den Teilnehmern positiv beurteilt. Allerdings kam die Frage auf, welchen Zweck die Wiederaufnahme der Mittelwaldwirtschaft habe — musealer Erhalt oder Artenschutzzwecke. Abhängig von der Zielsetzung variiere die nötige Flächengröße, wobei für Artenschutzzwecke deutlich größere Flächen(anteile) benötigt würden (Dr. Joachim Rock). Ein weiterer Einwand war, dass die Maßnahmen nur dann positiv zu beurteilen seien, wenn historische Bezüge auf der jeweiligen Fläche zu den jeweiligen historischen Nutzungsformen vorliegen (alpenbock). Waldweiden seien in Form von Hutewaldungen als extensive Landnutzungsform zu unterstützten, nicht jedoch in Form einer Reh- oder Rotwildbeweidung (Wolfgang Steierer).
Darüber hinaus wurde angeregt auch Loh- und Schneitelwälder als Maßnahmenoption mit aufzunehmen (Dr. Joachim Rock).
Ein weiterer Teilnehmer schlug vor, die Bewirtschaftungsformen wie Nieder-, Mittel- oder Hutewald sowie die damit verbunden Pflegeeingriffe (dies können im Einzelfall auch Maßnahmen wie „Stockrodung“ bei Niederwäldern oder auch kleine Kahlschlag sein) dem Schwerpunkt lichte, offene Wälder sowie dem Artenmanagement zuzuordnen, da dies keine standardmäßigen Elemente des naturnahen Waldbaus sein sollten (vgl. Abschnitt Kahlschläge) (Johannes Enssle). In diesem Zusammenhang wurde noch einmal die Frage gestellt, welche Flächenanteile hierfür forciert werden sollten und welcher Anteil der Haushaltsressourcen bereitgestellt werden soll (Dr. Joachim Rock).
Ein weiterer Vorschlag zur Umfomulierung der Gesamtkonzeption wurde zu dem vorgeschlagenen Kriterium 2 des Ziels „Naturschutzfachlicher Bedarf und Potenzial von Eichenmittelwäldern sind in einer Konzeption erarbeitet und umgesetzt.“ genannt (Johannes Enssle): „Das Ziel ist erreicht, wenn ausgewählte Flächen als Mittelwald so bewirtschaftet werden, dass die spezifischen Lebensraumansprüche der Zielarten erfüllt sind und die Populationen dieser Arten in BW gesichert sind."

Allgemeines zur Verjüngung und dem Erhalt lichter Wälder

Der Maßnahmenvorschlag „Einsatzes vielfältiger Waldbauverfahren“ und „Nutzung von Störungsflächen zum Zweck des flächigen Erhalts von Lichtbaumarten“ wurde differenziert von den Teilnehmern bewertet.
Zum Einen gab es Statements, dass für den Erhalt und die Förderung von Lichtbaumarten kleinflächige Räumungen notwendig seien (Tobias Kühn).
Der Maßnahmenvorschlag „Verlängerung des Verjüngungszeitraums von Beständen im waldbaulich vertretbaren Maße bei regional unausgewogener Altersstruktur, wenn die Anteile naturschutzfachlich wertvoller Alteichenbestände zeitweise stark abzunehmen drohen“ wurde dahingehend kritisiert, dass dabei bei extrem unausgewogener Altersklassenstruktur das Verjüngungsziel an sich und die „ertragskundliche Vertretbarkeit“ gefährdet werden können (Dr. Joachim Rock). Außerdem gab der Teilnehmer zu bedenken, ob das Vorkommen naturschutzfachlich wertvolle Strukturen, z. B. von Alteichenbeständen, tatsächlich nur altersabhängig sei oder auch waldbaulich beeinflusst werden könne.
Die Zielsetzung an sich wurde auch von Vertretern des NABU positiv bewertet. Es wurde jedoch deutlich darauf hingewiesen, dass der Vorschlag Bestandteil der Umsetzung von speziellen Artenschutzzielen sein sollte und keinesfalls Element des naturnahen Waldbaus werden dürfe, insbesondere nicht Standardverfahren bei der Eichen-Verjüngung (Johannes Enssle). Als Alternativformulierung wurde vorgeschlagen:
„Auch die Lichtbaumarten Eiche und Kiefer werden vorrangig natürlich verjüngt. Die Verjüngung erfolgt über kleinflächige Verjüngungsverfahren wie größere Femel- und Lochhiebe bis zu einer Größe von 0,3 ha unter Ausnutzung von Mastjahren (bei Eiche). Entscheidend für den Verjüngungserfolg dieser Lichtbaumarten ist die gezielte Einregulierung des Schalenwildbestands während der Verjüngungsphase.“
Als ein Beispiel von Lichtwaldarten, welche Habitatansprüche haben, die durch Sturmwürfe oder Kahlschlägen entstehen, wurde die Schmetterlingsart Blauschwarzer Eisvogel genannt, für deren Erhalt Baden-Württemberg die alleinige Schutzverantwortung trägt. Deswegen sollte man überlegen in einem begrenzten Gebiet aus Artenschutzgründen Kahlschläge durchzuführen, zumindest bei der Fichte (ABL SH). Hr. LFP Reger entgegnete bei der Live-Diskussion dazu, dass für Arten, für welche Baden-Württemberg besondere Verantwortung zuteil wird, gemeinsam mit Experten modifizierte Vorgehen im Waldbau entwickelt werden, da Lichtwaldarten ein ganz wichtiges Thema in der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz seien.


Kahlschlag

In Bezug auf den Maßnahmenvorschlag „Einsatz vielfältiger Waldbauverfahren zum flächigen Erhalt von Lichtbaumarten“ wurde außerdem die Kahlschlag-Thematik aufgegriffen und diskutiert.
- Kahlschläge nicht größer 0,3 ha:
- Ist in der FSC-Zertifizierung vorgegeben und FSC-zertifizierte Betriebe verjüngen erfolgreich Lichtbaumarten mit dieser Einschränkung (Elmar Seizinger)
- Eigene Erfahrung hat gezeigt, dass Verjüngung mit 0,2-0,3 ha großen Löchern bei Pflanzung der Eiche erfolgreich sind (Karl-Friedrich Weber)
- Kahlschläge größer 0,3 ha:
- Für die Verjüngung von Lichtbaumarten sind mindestens 0,5 ha flächige Räumung notwendig (Dr. Tobias Kühn)
- Wegen Wildverbiss und Lichtgenuss ist eine Verjüngung unter 0,3 ha bei der Eiche nicht sinnvoll (zaisental)

Strittig war außerdem, welche Definition von Kahlschlag bei der Waldnaturschutzkonzeption angewendet wird bzw. welche die Teilnehmer als sinnvoll erachten. Der FSC gibt vor, dass erst bei einer Naturverjüngung von durchschnittlich 2 m Höhe der Altbestand auf einer Fläche von mehr als 0,3 ha geräumt werden kann, ohne als Kahlschlag zu gelten (Elmar Seizinger). Andererseits gebe es auch die Definition, dass eine flächige Räumung über gesicherter Verjüngung (ab ca. 1,3 m Höhe) nicht als Kahlschlag angesehen wird (Elmar Seizinger). Aus naturschutzfachlicher Sicht sei der Unterschied zwischen Anwendung dieser beiden Definitionen spannend (Elmar Seizinger). Dr. Tobias Kühn wiederum gab an, dass wenn keine Pflanzungen zur Sicherung der nächsten Waldgeneration nötig werden, auch kein Kahlschlag vorliege.
Die Nutzung von Störungsflächen zur Verjüngung von Lichtbaumarten wurde ebenfalls positiv bewertet (Elmar Seizinger, Dr. Tobias Kühn). Gleichzeitig wurden aber Bedenken geäußert, falls eine Herstellung von Störungsflächen durch große Kahlschläge erfolgen sollte (Elmar Seizinger). Auch wurde dieser Ansatz als nicht ausreichend bezeichnet, insbesondere in Hinblick auf die Verjüngung von Eichen, da Störungsflächen häufig Problemstandorte seien, weswegen besonders großer Input für eine erfolgreiche Verjüngung erforderlich werden (Dr. Tobias Kühn).
Die Aufnahme des Ziels „Verjüngung von Lichtbaumarten durch vielfältige Waldbauverfahren.“ sowie die zugehörigen Maßnahmenvorschläge stießen bei dem Vertreter des NABU auf Widerspruch. Es wurde gefordert dieses Ziel nicht dem naturnahen Waldbau zuzuordnen, da dort weiterhin der Fokus auf einer Dauerwaldwirtschaft liegen sollte und ansonsten der Anschein zur Ausstellung eines „Freibriefs für Kahl- und Großschirmschläge bei Eiche und Kiefer“ entstehen würde (Johannes Enssle). Diesbezüglich wurde auch darauf hingewiesen, dass bei der FED (Dienstanweisung zur Forsteinrichtung) und dem Konzept naturnaher Waldbau deutlicher Aktualisierungsbedarf bestünde. Dazu wurde von Hr. LFP Reger während der Live-Diskussion die Information gegeben, dass auch bei der Überarbeitung der Richtlinie der Waldentwicklungstypen die Verjüngung von Lichtbaumarten ein zentrales Diskussionsthema ist bzw. sein wird. Die Möglichkeit zur Verjüngung durch kleine Kahlschläge oder Maßnahmen wie Stockrodungen wurde als eine Maßnahme des Artenmanagements aber anerkannt (Johannes Enssle). Daher wurde der Alternativvorschlag unterbreitet, bezüglich der Kahlschlagsthematik u. A. folgende Aspekte unter dem Schwerpunkt „naturnaher Waldbau“ aufzuführen:
- „Keine Kahlhiebe und flächige Räumungen des Altholzes, alte Bäume sind überall auf der Fläche vorhanden
- Der Bestockungsgrad wird nicht unter 0,6 bis 0,8 abgesenkt, alte Bäume sind auf der Fläche permanent vorhanden
- Besondere Bewirtschaftungsformen wie Nieder-, Mittel- oder Hutewald sowie die damit verbunden Pflegeeingriffe (dies können im Einzelfall auch Maßnahmen wie „Stockrodung“ bei Niederwäldern oder auch kleine Kahlschlag sein) sind nicht Bestandteil des naturnahen Waldbaus, sondern den Maßnahmen des speziellen Artenschutzes zuzuweisen. Diese Aspekte werden in den Kapiteln „Lichte, offene Wälder“ und „Artenmanagement“ ausführlich behandelt.“


Spezielles zur Verjüngung der Kiefer

Für die Verjüngung der Kiefer wurde angeregt eine einzelbaumweise Entnahme mit einer ggf. starken Herabsetzung des Bestockungsgrades zu forcieren, wobei auf die aktuelle Waldbaupraxis im Staatswald Brandenburg („Gründer Ordner“; Duhr und Mehl 2011) hingewiesen wurde (Johannes Enssle). Der Teilnehmer begründete dies damit, dass mit Kleinkahlschlägen folgende Wuchsgebiets-unabhängige Nachteile verbunden seien:
- Sie führen zur Vergrasung und erfordern Pflanzungen und Beiwuchsregulierung
- Durchführung in Form von Schachbrett-Kahlschlägen können missbraucht werden

Spezielles zur Verjüngung der Eiche

Als Verjüngungsoption für die Eiche wurde auf der anderen Seite vorgeschlagen, die Praxis aus Frankreich und der Pfalz zu übernehmen und sie großflächig und unter Belassung von einigen Altholz-Gruppen zu verjüngen (zaisental). Die Verjüngungserfolge der Eiche in kleinflächigeren Verfahren wurden aufgrund fehlender Langzeiterfahrungen (Beispiel Heilbronn herangezogen) angezweifelt (Felix Reining). Und auch die Einschränkungen des FSC wurden relativiert, da im Stadtwald Kehl auch FSC-zertifizierte Schirmschläge durchgeführt würden (Felix Reining).
Nach Ansicht eines weiteren Teilnehmers sei der jetzige Eichenanteil nur durch Entnahme von Buchen zu Gunsten von Eichen in älteren Mischbeständen zu halten und es wurde der Wunsch geäußert, mehr im Waldbau ausprobieren zu können (Felix Reining). Aus persönlicher Erfahrung heraus gab ein Teilnehmer an, dass eine ökonomische und ökologisch unbedenkliche Begründung der Eiche auch in kleinen Verjüngungseinheiten möglich sei und dass die Problematik vermutlich eher auf schwindende Routine und Erfahrung sowie zunehmende maschinengestützte Kulturgründung zurückzuführen sei (Karl-Friedrich Weber). Eine Pflanzung von Eichen in Löchern von 0,2-0,3 ha Größe habe nach 30 Jahren nur geringen Aufwand gekostet und gute Qualitäten erbracht (Karl-Friedrich Weber).
Bezüglich der Verjüngung von Eichen wurde auch von einem anderen Teilnehmer darauf hingewiesen, dass neben Großschirmschlägen auch kleinflächigere Verjüngungsverfahren erfolgreich sein können (Johannes Enssle). Der Teilnehmer forderte deswegen eine differenziertere Vorgehensweise (z. B. nach Standort und Waldtyp) bei den Vorgaben der Waldnaturschutzkonzeption, sowie auch bei der Überarbeitung der Richtlinie der Waldentwicklungstypen. Der Teilnehmer, ein Vertreter des NABU, fordert keinen „Freibrief für Schirmschläge“ (wie er den bisherigen Entwurf der Waldnaturschutzkonzeption bewertet) auszustellen, da der NABU dies nicht mittragen könne. Außerdem sei insbesondere bei der Eiche eine Regulierung des Schalenwildbestandes ein bedeutender Faktor für deren Verjüngung (Johannes Enssle).


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