<< Zurück

Prozessschutz

Holz verwenden wirkt der Klimaänderung entgegen

von VSH am 30.03.2012 | 14:37 | Kommentare: 5 |

Alle Maßnahmen, welche die planmäßige Wiederbestockung von Kalamitätsflächen gegen Prozesschutz eintauschen (was auch die CO2-Speicherunsbilanz der Wälder gesamtheitlich verändert) führen zu einem abnehmenden Rundholzangebot. Substitutionsprodukte wie Plantagenhölzer, Importholz, oder etwa Tropenholz sind wohl nicht Teil eines nachhaltig verantwortlichen Handelns. Die langfristige Co2 - Bindung in Bauholz oder in Form von energetischer Nutzung ist ein bedeutsamer Aspekt der gegen jede Maßnahme spricht, die eine totale Unterschutzstellung und damit einen völligen Nutzungsentzug vorsieht.
Es ist nicht geklärt, ob mit entsprechenden waldbaulichen Konzepten die gleiche Artenvielfalt erreicht werden kann, als mit dem Instrument des Prozessschutzes der eine Nutzung völlig ausschliesst.
Das Cluster Forst und Holz ist ist im Land seit Generationen angesiedelt und stellt einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor dar. Eine Reduzierung des örtlich verfügbaren Rundholzangebotes ist kontraproduktiv.
Will man große Flächen rechtfertigen, auf denen der Rohstoff Holz mit seiner guten Ökobilanz nicht bewirtschaftet wird ? Und das trotz zunehmender Holzknappheit und steigendem Pro - Kopf - Holzverbrauch europa - und weltweit ?

Um den Beitrag zu kommentieren, müssen Sie sich kurz anmelden

  Kommentare
fe am 30.03.2012 16:54:38

Sehr geehrter Vollkommener Ernst,

sie sprechen von marginaler Konkurrenz. Bei einem geschätzten Vorrat von 320 VFm/ha sind wir bei einer entsprechenden Nationalparkfläche leicht bei Millionen von Festmeter Holz - was wiederum Millionen von Tonnen CO2 bedeutet.
Und da eine ausufernde Klimaerwärmung (>2 Grad) die massive Schädigung aller unserer heutigen Ökosysteme bedeutet, müssen alle Stellschrauben gedreht werden, die möglich sind um die CO2-Emissionen zu minimieren.
Der wichtigste und sinnvollste Artenschutz in unserer Zeit ist der Klimaschutz.

Dr. Joachim Rock am 30.03.2012 16:41:00

Sehr geehrter Vollkommener Ernst,

verantwortlich sind die Menschen, die eine Entscheidung treffen etwas zu tun oder zu lassen. Zu einer informierten Entscheidung gehört auch, zu wissen, welche Handlung welche monetären und nichtmonetären Folgen hat. Eine Aussage "Der NP kostet XY t CO2 pro Jahr" ist nur EINE Bewertung. Wenn BW sich ein Einsparziel für CO2 gesetzt hat bedeutet diese Aussage: Wenn ich den NP will UND die Klimaschutzziele erreichen will müssen woanders XY t CO2 pro Jahr zusätzlich eingespart werden (z. B. mit den von Ihnen genannten Maßnahmen). Oder aber man sagt: diese Abweichung von den Klimaschutzzielen ist mir der NP wert. Dann weiss man aber, was man dafür "ausgibt" und darf sich später nicht über die Verfehlung der Klimaschutzziele um eben diese XY t beschweren wenn man sonst nichts getan hat.

Mit freundlichen Grüßen,

Joachim Rock

Vollkommener Ernst am 30.03.2012 15:45:57

Nochmal:

Mehr Holz kann direkt oder indirekt durch eine bessere Vorratshaltung und waldbauliche Systeme, über mehr Kurzumtriebsplantagen, Verlängerung von Produktlebenszeiten, Wärmedämmung, Bildungsarbeit, Enthaltsamkeit etc. zur Verfügung gestellt werden.

Ein Nationalpark steht wirklich nur in marginaler Konkurrenz zur klimatischen Nachhatligkeit unserer Planetens. Andere Methoden zur Holzebereitstellung, bzw. Einsparung sind wesentlich effektiver (s.o.), bieten aber keine Biodiversitätseffekte. Es ist daher unehrlich und gegenüber der Natur und unseren Nachfahren auch unfair, einen Nationalpark für den forcierten Klimawandel verantworlich machen zu wollen und damit billigend die Goods eines NLPs zu verschenken!

Dr. Joachim Rock am 30.03.2012 15:35:13

Hallo Herr Dr. Kühn,

die Substitution von Holz durch Aluminium und Kunststoff erfolgt z. B. dadurch, dass in einem bestimmten Produktsegment keine / eine nicht ausreichende Menge an Produkten aus Holz verfügbar sind / ist. Wenn jemand z. B. neue Küchenmöbel braucht und keine aus Massivholz bekommt nimmt er / sie irgendwann auch welche aus Metall und Plastik.

Der Holztransport findet ebenfalls statt. Transportiert wird nicht nur Rohholz oder Halbwaren: In Georgia (USA), Südamerika und Russland stehen bzw. entstehen Pelletfabriken u.a. für die Versorgung des europäischen Pelletmarktes. Versorgt werden die Werke teils mit Plantagenholz, teils mit Primärwaldnutzungen - in Russland z. B. mit Ganzbäumen.

Der alte Spruch: "Wer in D Wald nicht nutzt exportiert Umweltzerstörung." ist hart, hat aber einen wahren Kern.

Wir sollten deshalb in D die Nutzung möglichst hoch halten, dürfen uns aber auch nicht aus der Verantwortung für Natur- und Artenschutz stehlen und brauchen deshalb auch Gebiete, in denen nicht gewirtschaftet wird - als Anschauungsobjekte und zur Mahnung daran, was uns unser Lebensstil kostet. Ob da 5% der Landesfläche richtig sind möchte ich aber auf der Basis des vorhandenen Wissens nicht abschliessend beurteilen müssen.

Mit freundlichen Grüßen,

Joachim Rock

Dr. Tobias Kühn am 30.03.2012 15:10:01

Es wird abzuwägen sein, allerdings sorgfältig und fundiert und nicht nach politischem Kalkül. Übertreibungen, egal in welche Richtung, sind schädlich. Was aber kaum vorstellbar ist: dass man Holz über tausende von Kilometern importiert oder durch Glas, Stahl und Alu substituiert.

FORENLISTE (Beiträge)
Hauptforum Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 380 Livediskussion Dr. Höltermann Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 24 Livediskussion Wolfgang Reimer Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 46 Livediskussion Max Reger Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 52 Livediskussion Dr. Bollmann Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 29 Maßnahmenvorschläge Neue Beiträge: 0 Beiträge gesamt: 85
Naturnaher Waldbau: 165
Hinweise / fehlende Aspekte: 134
Artenmanagement im Wald: 53
Mitwirkung: 49
Prozessschutz: 44
Lichte, offene Wälder: 31
Feedback & Hilfe: 31
Forschung: 19
Wälder nasser Standorte: 5

VERFAHRENS- UND QUALITÄTSSTANDARDS BEI ForstBW Mitarbeiter der ForstBW

FREUNDE EINLADEN
Freunde einladen!